Reisebericht Teil 2

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29. April 2010
 
Hey, wow - wir sind in Namibia.... .wir sind in Windhoek.... heute ist Ruhetag...... ich bin zu Gast bei Christina, Oliver, Jana, Linus und Bennet...... mir geht es einfach wunderbar!!!!
 
Doch der Weg dahin war durchaus noch einmal eine Herausforderung für unsere trainierten Waden und für unsere leidenschaftliche Camperseele.
 
Zum einen waren unsere einzelnen Tagesetappen immerhin bis zu stolzen 210 km lang und vor allem gestern tritzte uns ein böiger Gegenwind dabei und zum anderen hatten wir jeden Tag Regen, Regen, Regen..... nein, nein, nicht irgendein Regen..... allerheftigste Gewitter-Blitz- und Donner-Wolkenbrüche brachen da bisweilen auf uns ein und setzten nicht nur unsere Zeltplätze unter Wasser.
 
Gerade der Tag an dem wir die Grenze nach Namibia passierten, hatte es da besonders in sich, wobei ich zumindest auf der Strecke noch Glück hatte und exakt zum Grenzgebäude kam, als der Platschregen einsetzte..... etliche erwischte er mitten im Nirgendwo und das war wahrlich kein Vergnügen dann!
 
Tja und im Camp dann im Regen, das ohnehin schon nasse Zelt aufbauen, mit der ohnehin schon nassen Isomatte drin und dem ohnehin schon nassen Schlafsack..... man kann sich wahrhaftig seinen Schlafplatz angenehmer vorstellen als so. Und am Morgen dann wird das Zelt wieder abgebaut und triefend nass verpackt und um 6:00 Uhr geht es gut gelaunt und mit einem Liedchen auf den Lippen bei Nebel (ja wo sind wir denn.....!!!!) und Nieselregen wieder aufs Rad - ach, wie schön ist doch so ein Radnomadenleben in Afrika!!
 
Kaum in Windhoek bessert sich auch das Wetter und seit gestern verwöhnt uns die warme Sonne und ein strahlend blauer Himmel und das tut einfach nur gut...... inzwischen ist längst alles wieder trocken und die Regengeschichten gehören der Vergangenheit an.
 
Von meinem Kollegen Dieter hatte ich ja die Adresse von seiner Tochter Christina bekommen, die mit Mann Oliver und den Kindern Jana, Linus und Bennet seit einigen Jahren hier in Windhoek leben und schon seit längerem freute ich mich auf diesen Besuch und war auch echt gespannt auf diese Stadt, in der man überall auf deutsche Spuren, Namen und Produkte stösst. Und so genieße ich nun meinen Ruhetag in dem wunderschönen Haus der Familie, werde mit leckeren Vegiburgern und Weizenbier verwöhnt, war Cappuccino und himmlisch guten selbstgebackenen Karottenkuchen schlemmen und verbrachte nach einem Nachtspaziergang einen geselligen Abend in einem Lokal bei kräftigem Hauswein.
 
Mein Wäsche fand Platz in der Waschmaschine und auch mein Schlafsack bekam ein Reinigungs- und Erfrischungsbad und er hatte es wahrhaftig riech- und fühlbar sehr, sehr nötig.
 
Heute Nachmittag steht schließlich noch ein Stadtbummel auf dem Programm und ich bin mir ziemlich sicher er wird wieder in diesem fantastischen Cafe enden mit diesen noch fantastischeren Kuchen.....!!!
 
Ein ganz, ganz herzliches Dankeschön an die Familie Krappmann für diese tolle Gastfreundschaft hier bei Ihnen!
 
Immer wieder auf meiner Reise muss ich feststellen, wie wenig ich doch über Afrika weiß und wie sehr ich diesbezüglich auch Nachholbedarf habe und dies trifft ganz besonders auf Namibia als ehemalige deutsche Kolonie zu und auf all die vielen Geschichten und Ereignisse die damit in Zusammenhang stehen.
 
Unsere Route führt uns ab morgen dann auf Pistenstrassen hinaus in die Wüste nach Sossusvlei, wo die berühmten, riesigen Sanddünen sind und der letzte Abschnitt auf dem Weg nach Kapstadt wird somit nicht nur landschaftlich ein ganz besonderer sein, sondern auch was die Anforderungen an Kondition und Ausrüstung anbelangt nochmals alles von uns erfordern.
 
Diesen letzten Abschnitt radelt auch Paul aus Holland wieder mit uns, er begleitete uns auch bis in den Sudan und kehrte nun wieder zurück um mit seiner Tochter Anka zusammen (sie absolvierte die ganze Tour) das Ziel vollends zu erreichen und Paul brachte mir nun im Gepäck eine große Deutschlandfahne mit, die ich mir fürs Zielfoto und für die Fußballspiele dann gewünscht habe..... soviel zum Thema Deutsch/Holländische Freundschaft.
 
Euch Allen sende ich glücklichste afrikanische Grüße,
Hardy on Tour


 



24. April 2010, Ghanzi, Botswana
 

Unser Flug mit der kleinen Cessna Maschine war ein aufregendes Erlebnis für mich und endete auch mit der Erkenntnis, dass ich nicht zum Pionier der Lüfte geeignet bin. Oh, was musste ich doch während des einstündigen Fluges Blut und Wasser schwitzen und wie wurde mir schlecht und wie flau war es mir im Magen, wenn der Pilot freundlicherweise eine gewagte Steilkurve flog, weil wir Tiere im Flussdelta erblickten...... aber ich behielt glücklicherweise alles im Magen und konnte schon auch die fabelhaften Ausblicke übers Okawanga Delta mit all seinen Seenlandschaften, all den Rinnsalen, Flüssen und Trockengebieten dazwischen genießen und ganze Elefantenherden aus der Luft zu sehen, ist schon auch phantastisch; doch so, wie ich in Neuseeland beim Delphinschwimmen feststellen musste, dass ich schnell seekrank werde, so weiß ich nun, dass mir auch in der Luft ähnliches geschieht...... also bleibe ich schön auf der Erde und auf dem Fahrrad, da fühle ich mich absolut wohl!!

Unser Ruhetag in Maun war gefüllt mit Internet, Flug, Radpflege, Schwimmen, gutem Essen, Fußball gucken, Lesen und ausreichend relaxen.


Inzwischen sind wir wieder auf den Rädern und unterwegs Richtung Namibia; nach wie vor besucht uns mindestens einmal am Tag ein durchaus heftiges Gewitter oder zumindest ein Regenschauer und je nachdem, wie und wann mich dieses erwischt, macht es mir mal mehr und mal weniger aus...... aber dass wir soviel Regen in Afrika erleben werden, hätte ich nie gedacht vor der Reise.

Heute haben wir den jungen Engländer Rob getroffen, der uns entgegen geradelt kam. Er ist seit Oktober unterwegs und das auf ganz besondere Weise: Er ist von zuhause nach Spanien geradelt und dann auf den afrikanischen Kontinent geschwommen, weiter geradelt in Westafrika um so nach Südafrika zu gelangen, wo er an einem 90 km Langstreckenlauf teilgenommen hat; nun vertreibt er sich noch die Zeit bis zum Start der Fußballweltmeisterschaft, die er sich dann mit Freunden, aber ohne Fahrrad, anschauen möchte..... das ist doch der Hammer, hier seine Homepage: www.tri4africa.co.uk (übrigens ist er auch mit einer Rohloffnabenschaltung unterwegs und sehr begeistert darüber).

Während ich diese Zeilen hier schreibe, tobt schon das nächste Gewitter über uns und der Regen prasselt aufs Zelt und die Blitze erlebt man im Zelt wie helle Glühlampen, die mal eben aus- und wieder angeschaltet werden.....

Heute ist unser letztes, richtiges Buschcamp im Nirgendwo, alle weiteren Nächte werden wir auf angelegten Campingplätzen vollends verbringen, also findet auch die Zeit des Buschklos und des Ganges mit dem Spaten ein jähes Ende und ich bin nicht der einzige, der darüber nicht unbedingt froh ist, denn so ein unendlich großes Buschklo ist allemal viel, viel besser als ein ständig besetztes und nicht unbedingt immer sauberes Klo auf einem Campingplatz.

So wie es am Ende der Tour Auszeichnungen für die schnellsten und für alle geben wird, die jeden Meter mit dem Fahrrad zurückgelegt haben von Kairo nach Kapstadt (EFI-Status), so wird es auch eine besondere Ehrung für alle geben, die jede Nacht in ihrem Zelt verbracht haben und zu den wenigen 5 Leutchen, die das bislang von sich behaupten können, gehört auch Gisi aus München, die ja absolut schnellste Frau ist und auch insgesamt auf einem beeindruckenden 2. Platz bei den unermüdlichen Racern steht.

Ich durfte ja zweimal bislang den Komfort eines schönen, weichen Bettes genießen durch die beiden Adressen, die ich in Khartoum und in Lilongwe glücklicherweise hatte und ich freue mich schon auf die dritte Nacht in einem richtigen Bett und die steht mir in Windhoek bevor, wenn ich die Gastfreundschaft von Oliver und Christina dort in Anspruch nehmen darf..... noch vier Mal schlafen bis dorthin!!!!!

Erwähnenswert ist unbedingt auch noch das leckere Risotto nach Tessiner Art, das Gabrielle, einer der Radler aus der Schweiz, heute mit Gerald, Jerry und Jos gekocht hat und das mit insgesamt 5 Litern Weißwein abgeschmeckt war.... unser Koch James staunte nicht schlecht dabei und freute sich an einem fast arbeitsfreien Abend, an dem er auch noch Rotwein aus Südafrika spendiert bekam..... tja, wir lassen es uns manchmal richtig gut gehen und das mitten im Busch von Botswana!!


Morgen gibt es 207 km, dann sind wir in Namibia - wieder Regen und keine Elefanten - sonst alles bestens - bin richtig fit wieder und freue mich vor allem auf deutsches Brot und Kuchen in Windhoek!

Liebe Grüße, Hartmut








23. April 2010 Maun


Seit gestern sind wir in Maun, im Nordosten Botswanas, in einem Camp etwas außerhalb der Stadt.

Hier ist Ausgangspunkt für viele Touren in das einzigartige Okawangadelta, das größte Inlandsflussdelta der Erde überhaupt. Gerade nun am Ende der Regenzeit ist es besonders stark überflutet, was aber auch bedeutet, dass es schwieriger ist, Tiere dort zu beobachten.

Ich habe mich dazu entschlossen, heute mit Ruben und Rainer einen Flug in einer 3 Sitzer-Maschine über das Delta zu machen und mir alles mal von oben anzuschauen, da bekommt man einen Überblick über die gewaltige Dimension dieses Naturwunders.

Hoffe das Wetter stabilisiert sich etwas, seit heute Nacht überzieht eine Gewitterfront nach der anderen unser Camp...... ich will keinen Regen mehr, warum hört denn gar niemand auf mich?????

Ich hoffe ich kann Euch dann am Abend noch ein paar Fotos vom Flug (bin schon etwas hibbelig deshalb) senden, wenn nicht hole ich dies von Windhoek aus nach!

Heute also unser wohlverdienter, leider sehr verregneter Ruhetag und dann warten 5 lange Radtage ins 840 km entfernte Windhoek in Namibia auf uns und für diese Strecke brauchen wir vor allem eines: Rückenwind!!!!!! Und ich freue mich doch schon so auf die "deutschen" Bäckereien in der Hauptstadt dieser ehemaligen, deutschen Kolonie.

Gestern feierte Rainer mit einer sogenannten "happy hour" - Freigetränke für alle – seinen 69. Geburtstag und zusammen mit Gisi und Ruben war ich mit ihm beim Essen und wir hatten einen gemütlichen Abend. Echt klasse wie er sich nach seinem Unfall wieder erholt hat und auch die langen, einsamen Strecken in Botswana auf seinem Rad zurücklegt - ganz großen Respekt vor dieser Leistung!

Botswana erlebe ich als sehr friedvolles Land voller gutmütiger Menschen.... insofern man in diesem recht einsamen Teil des Landes überhaupt welchen begegnet.

Maun ist eine Touristenstadt, mit vielen Safarimöglichkeiten, Supermärkten, afrikanischer Kunst, Campplätzen und Hotels...... wir haben hier also alle Möglichkeiten, uns zu entspannen und es uns gut gehen zu lassen und auch um die ein und andere Begegnung auf der Straße zu machen.

Botswana ist immer eine Reise wert, soviel steht fest!

Euch ein sonniges Wochenende und bis dann wieder aus Namibia!!!!!



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22. April 2010, Info von B. Brendel:

Im Blog von "Tour d'Afrique" ist sinngemäß zu lesen: In Cairo sind viele Fahrer mit dem festen Vorsatz gestartet, jeden einzelnen Inch der Reise bis nach Kapstadt selbst zu fahren und sich nicht ein einziges Mal mit dem Truck mitnehmen zu lassen. Doch nicht sehr viele hatten die Kraft und das Glück, diesen "EFI"-Status bis heute beizubehalten. Inzwischen sind es nur noch 12 Fahrer:

Rod Atkinson, Canada

Juliana Austin Olson, Canada
Jason Becker, United States
Hartmut Bögel, Germany
Stuart Briggs, Australia
Gerald Coniel, France
Jethro De Decker, South Africa
Simon Francis, South Africa
Gisela Gartmair, Germany
Sunil Shah, United Kingdom
Frans Smit, Netherlands
Daniel Spasojevic, Australia

http://www.tourdafrique.com/epictours/tourdafrique/blog/efi-update




21. April 2010  Radeln in Botswana

Also die Ameisen haben mich verschont und sich im Gewitterregen in ihre Höhle verkrümelt, während ich im Zelt verträumt dem prasselnden Regen lausche.

Um 4:30 Uhr stehe ich auf, schnappe mir den Spaten und mache mich auf den Weg in der absoluten Dunkelheit nach einem stillen Plätzchen..... und wenn nun doch ein Löwe schon wach ist? Nicht doch, um diese Uhrzeit, oder? So ein klein bisschen mulmig ist es mir schon, würde ich aber niemals nicht zugeben!!!

Schlafen lohnt sich nicht mehr, also packe ich meine 7 Sachen zusammen und baue das Zelt ab und harre darauf, wenn es um 5:30 Uhr Kaffee gibt; ich liebe diese frühe Zeit und in aller Seelenruhe zwei große Bottiche Kaffee zu schlürfen, meist mit Eric und Jos, die auch zu den Frühaufstehern zählen.

Nach Haferbrei mit Rosinen (ein Gedicht) mache ich mich um 6:15 Uhr noch bei leichter Dämmerung auf den Weg mit meinem Fahrrad und wieder mit der Hoffnung, doch möglichst heute mal einen Elefanten ganz nah zu Gesicht zu bekommen. Den "Erfolgsmeldungen" mancher Radler, die Giraffen, Elefanten, Hyänenhunde und gar Buffalos (neben den Hippos die gefährlichsten Tiere überhaupt – gut, dass ich das nun auch weiß -) gesehen haben, habe ich nichts außer ein paar Pavianaffen entgegenzusetzen.

Es ist ziemlich bewölkt, leichter Rückenwind und schnurgerade Straße mit einem Schlagloch von Zeit zu Zeit und immer wieder schaffe ich es tatsächlich, so ein Schlagloch voll zu treffen, vor lauter Elefanten-guck-in-den-Busch-Beobachtungshaltung!

Alle gut 60 km kommt mal so was wie ein Dorf und ich freue mich an den Kindern am Straßenrand, die ich sehr euphorisch begrüße, nett sind auch die großen Esel und fast schon wilden Pferde, denen ich immer mal begegne und wenn ich mal gar zu lange keine Menschenseele mehr gesehen habe, dann verliere ich ein paar Worte an die Esel, die mich so anschauen, dass ich mir sicher bin, dass sie mich verstehen.

Ein paar der riesigen Baobabbäume lenken meine Blicke auf sich, später taucht dann tatsächlich Nebel auf und hüllt alles in ein fast schon gespenstisches Licht und schlussendlich regnet es wieder und dabei hat die Regenzeit eigentlich schon seit Anfang April beendet sein sollen und man hatte uns für Botswana nichts als blauen Himmel versprochen, aber heutzutage kann man sich ja auf nichts mehr verlassen.

Der Regen ist warm und hört irgendwann wieder auf und ich beginne wieder zu trocknen, treffe dann Rainer on the road und radle bis zur Vesperpause bei km 85 mit ihm. Alleine und gestärkt mache ich mich auf die restlichen 100 km die es noch zu absolvieren gilt heute, das Radeln fällt mir heute recht leicht, zumal bei diesen Bedingungen. Doch einen Elefanten sehe ich wieder nicht, treffe aber leider auf einen Dieseltruck, der gleich drei Kühe tot gefahren hat und eine vierte liegt blutend und verstört am Straßenrand, helfen kann ich da nicht, also radle ich doch betroffen weiter.

Wir haben auf unserer Reise einige Unfälle gesehen, die teilweise auch ziemlich verheerend waren und doch muss ich sagen, dass ich mich auf Afrikas Straßen recht sicher fühle; mit Ausnahme vielleicht von den großen Städten, aber das unterscheidet Afrika nun auch nicht von anderen Ländern und Kontinenten. Hier nun im dünn besiedelten Botswana gibt es wahrlich nicht viel Verkehr und auch die Trucks bemühen sich sehr und machen einen großen Bogen um uns Radfahrer, doch wie gesagt meist haben wir die endlose Straße für uns.

Bei Kilometer 110 lädt die "Baobab-Planet-Lodge" zum Verweilen und das nehme ich, wie ein paar wenige andere auch, doch gerne zum Anlass für einen längere Rast abseits der Straße und genieße in liebevoller Atmosphäre einen richtig guten Kaffee, bevor ich wieder in die Pedale trete.
Heute ist der Geburtstag von meiner großen Tochter und so ein bisschen bin ich schon traurig, dass ich an diesem besonderen Tag nicht (zumindest auf einen  klitzekleinen Sprung)  bei ihr sein kann und meine Gedanken verweilen bei manch Kindergeburtstag längst vergangener Jahre im gänseblümchenübersähten Garten und mit vielen Geburtstagsgästen und mit Mohrenkopfhindernisparcourgeschicklichkeitslauf und Eselreiten und Luftballon fliegen lassen und glänzenden Augen..... so schwelge ich etwas nostalgisch, rührig und sentimental auf meinem Fahrrad bei 28 Stundenkilometern dahin; in der Altenpflege nennt man das Erinnerungsarbeit, doch auch im zarten Alter von 43 Jahren ist das eine ganz angenehme Beschäftigung und sie bringt mich zugleich Kilometer um Kilometer voran.

Die Landschaft ändert sich kaum, mal mehr Gras- mal mehr Buschland, mal eine Palme und mal ein Baobabbaum und einige imposante Termitenhügel, mal ein Esel und mal ein paar Pferde und Kühe...... doch weder Giraffe noch Elefant und abends im Camp doch wieder Geschichten von Radlern, die welche gesehen haben....... das Leben kann so ungerecht sein!!!!

Doch ich bekomme auch noch meine Geschichte. Am Himmel brauen sich dunkle Wolken zusammen und schon von weitem sehe ich die Blitze zucken und höre den Donner grollen, der Wind fängt an zu drehen und bläst mir kühl entgegen und ich rieche den Regen lange bevor er mich erreicht. Und dann peitschen mir erst dicke Tropfen ins Gesicht und schließlich öffnen sich sämtliche Himmelsschleusen und es gießt wie aus allen Kübeln und im Nu bin ich klatschenass und ich finde es einfach nur herrlich und schön und genieße 10 Minuten botswanischen Gewitterregen und das ja eigentlich schon in der Trockenzeit..... wenn das mal nichts besonderes ist.... danach scheint wieder die Sonne und nach 30 km bin ich nicht nur fast schon wieder trocken, sondern auch in Nata, wo unser Camp ist, eingetroffen.

An der Tankstelle kaufe ich mir eine große Dose kalte Cola und trinke anderthalb Liter ebenso kalten Orangensaft und genehmige mir ein großes Erdbeereis- herrlich! Nach einer halben Stunde bekomme ich Bauchschmerzen und -krämpfe und kann mir überhaupt nicht erklären, welche Ursache dies hat, schließlich habe ich doch nichts Schlechtes gegessen!!! Glücklicherweise hat unser Campplatz heute wunderschöne und ausreichende Toiletten  und so erledigt sich auch das nach und nach wieder und ich kann mich den anderen Annehmlichkeiten widmen.
In der Bar steht ein TV-Gerät und auf dem Sportkanal kommt eine Zusammenfassung der Bundesligaspiele vom Wochenende und ich sehe alle 7 Tore der Bayern und zum Abendessen gibt es für mich einen Vegi-Burger und Tofu und gefüllten Kürbis und Artischocken-Tomatensalat und zum Nachtisch Vanille-Cookies-Pudding.... ob ich mir das mit meinem heute schon so lädierten Magen gönnen kann?????....... ich kann......... verziehe mich dann aber recht schnell hundemüde, satt und mit Bauchgrummen in mein Zelt, schließlich wimmelt es hier auch nur so vor hungrigen Moskitos und nachdem zwei aus unserer Gruppe nun schon eine Malariaerkrankung hinter sich haben, sind wir alle doch vorsichtiger geworden. Außerdem warten morgen auch wieder viele Kilometer auf flachem, rauhem Asphalt auf mich und vielleicht sogar der eine und andere Elefant entlang der Piste...... zumindest aber einige botswanische Esel!!!!!!!!!!!!!! zum Trost!!!!!!!!!!!!!!!

Und Geburtstagsgrüße gibt es heute nicht nur für Lisa sondern auch für Nina in Heroldstadt und für Lotte in Schalkstetten - alles Gute Euch Allen!!

19. April 2010 Botswana

Seit gestern nun sind wir in Botswana, dem 8. afrikanischen Land unserer Reise und das war kein gewöhnlicher Grenzübertritt, denn diese Grenze hier ist eine weltweit einzigartige, denn nirgendwo sonst auf der Erde treffen an einer Stelle 4 Länder an einer Grenze zusammen: Botswana, Sambia, Simbawe und Namibia.

Diese besondere Stelle ist auf einer Insel mitten im Zambesi-Grenzfluss. So ging es also mit einer einfachen Fähre von Sambia hinüber nach Botswana und, da am Ende der Regenzeit der Zambesi-Fluss übervoll ist, war das durchaus eine matschige Angelegenheit am Ufer. Schon kilometerweit vor der Fähre stauen sich die langen Trucks, die auch alle mit der Fähre nach Botswana wollen und dies, obwohl es ja eine Brücke über den Zambesi gibt, aber Simbawe verlangt für die Überfahrt horrende Gebühren und so nehmen die Fahrer lieber stundenlanges Warten auf sich und bevorzugen die Fähre und auf eine Fähre passt eben nur ein Truck.

Vor Jahren ereignete sich an dieser Stelle ein furchtbares Unglück, als zwei Fähren miteinander kollidierten und alle Fahrgäste dann im Fluss Opfer von den Krokodilen wurden.

Kaum in Botswana angekommen, konnten wir an einer Bootssafari auf dem Chobefluss teilnehmen und so einen erlebnisreichen Nachmittag erleben und neben den vielen Elefanten dort vor allem die imposanten Flusspferde beobachten. Aber auch Leguane, kleine Krokodile, Paviane und Antilopen bekamen wir zu Gesicht. Höhepunkt aber war zweifelsohne der Löwe, der Antilopen jagte und der dann noch runter zum Fluss kam und ganz in unserer Nähe sich regelrecht unseren Kameras präsentierte.... das war schon sehr beeindruckend!

Botswana ist seit langem eine recht stabile Demokratie und ein recht ruhiges und, besonders in dem Teil des Landes, in dem wir uns bewegen, ein sehr dünn besiedeltes Land und die Menschen hier haben augenscheinlich auch einen höheren Lebensstandard, als in all den anderen Ländern, durch die wir bislang reisten.

Die Cola kostet nun keine 3000 Kwacha mehr sondern nur noch 5 Pula, wobei das in Dollar umgerechnet etwas teurer ist, wie in Sambia.
Unsere Route führt uns nun in langen Tagesetappen südlich nach Maun, auf einer kerzengeraden und flachen Straße mitten durch endlos scheinende Gras- und Buschlandschaft, unterbrochen nur hie und da durch Farmland und dann durch kilometerlange Sonnenblumen- oder Sogumafelder (eine mir bislang unbekannte, maisähnliche Kornart). 

Unendlich weit sieht man die Straße entlang und das spannendsten hier ist einfach die Tatsache, dass man jederzeit auf Elefanten treffen kann und auch trifft und dies ist nun nicht ganz ungefährlich, besonders eben dann, wenn die Elefanten ein Junges haben oder sich irgendwie belästigt fühlen oder man ihnen ihren Weg abschneidet. Einige von uns wurden von Einheimischen gebeten, doch lieber nicht mit dem Fahrrad auf dieser Straße unterwegs zu sein, weil das viel zu gefährlich sei und sie meinten dabei auch, dass gerade am Abend jagende Löwen sich durchs hohe Gras schleichen würden..... tja und das scheint mir nun ein durchaus berechtigter Einwand zu sein; aber am Abend sind wir ja sicher in unseren Zelten und somit bestimmt uninteressant für die Großkatzen und eine Begegnung mit einem Elefanten hat für jeden von uns einfach eine unvorstellbare Verlockung und die verändert sich dann erst dann ganz rasch, wenn man wie Andre plötzlich von 6 dieser riesigen Dickhäuter umzingelt wird und so gar nicht  mehr weiß, wie einem nun geschieht.... glücklicherweise nahm diese spektakuläre Begegnung ein glimpfliches Ende, sprich die Elefanten ignorierten den verängstigten Kerl einfach!  Eric seinerseits versuchte den Elefanten, der hier ganz in der Nähe unseres Buschcamps umhertrottete, mit einer Banane zu füttern.... was eigentlich keine gute Idee ist, weil die Elefanten einfach Wildtiere sind und wir absolut keine Erfahrung im Umgang mit ihnen haben und alleine die Tatsache dass wir diese Tiere einfach mögen und faszinierend finden, ändert nichts daran, dass sie auch gefährlich sein können...... besonders dann, wenn sie recht wild mit den riesigen Ohren wackeln und mit einem Fuß scharren..... dann gilt es, sich am besten in Luft aufzulösen..... ihr seht wir wissen, wie wir uns verhalten müssen im Fall des Falles.

Mehr Kummer bereiten mir im Moment die vielen riesigen Ameisen, die unmittelbar vor meinem Zelt hektisch umherrennen; ich hoffe nun ja nicht, dass ich irgendein Nest oder einen Weg von ihnen mit meinem Zelt blockiere und ich heute Nacht noch von ganzen Heerscharen von ihnen heimgesucht werde..... es gibt da ja echte Horrorgeschichten von Ameisen und Termiten die ganze Zeltböden zersetzt haben in ihrem wahnsinnigen Eifer........ was auch immer weiter geschehen wird, ich halte euch auf dem Laufenden...... und schließe hier im botswanischen Gewitterregen mit herzlichen Geburtstagsgrüßen an Anita in Temmenhausen – alles, alles Gute von hier aus!!!!


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16. April 2010

Wie nun in Worten beschreiben, was wir heute morgen hier in Livingstone bei den Victoria Wasserfällen erleben durften? Es sprengt einfach sämtliche mir bislang bekannten Dimensionen und ich bin schlicht überwältigt von diesem Naturwunder hier im Grenzgebiet zwischen Sambia und Simbabwe; was der Zambesifluss hier bietet ist von unvorstellbarer Wucht und ein einzigartiges Spektakel.
 
Jetzt am Ende der Regenzeit ist der Fluss voller Wasser und das hat zur Folge, dass die Wasserfälle ein solches Ausmaß haben, dass die Gischt der herabstürzenden Wassermassen so stark ist, dass man die Kante des Wasserfalls nur bruchstückhaft sieht und wie auf eine weiße Gletscherwand blickt.
 
Es führt ein Pfad im Nationalpark entlang der Wasserfälle und dieser führt haarscharf entlang der tiefen Schlucht, in die das Wasser fällt und eine einfache, schmale Brücke bringt die Besucher auf die andere Seite der Schlucht. Das Donnern und Grollen des Wassers und die unglaubliche Gischt, die wie ein starker Regenguss über uns kommt, lassen uns diesen Wasserfall mit all unseren Sinnen erleben.
 
Wir gehen, nur mit der kurzen Hose bekleidet, den Pfad entlang und das frische, kühle Nass ist eine herrliche Dusche und von solcher Heftigkeit, dass man vor lauter Wasser kaum etwas sieht und völlig überwältigt ist von dieser Umgebung; ganz gewiss, die herrlichste Dauerdusche meines Lebens.
 
Umgeben sind die Wasserfälle von Regenwald mit all seinen dichten, üppigen Pflanzen und Bäumen und voller Paviane, die den vollen Taschen der Besucher auflauern und sich manch Schnäppchen und manch Leckerbissen ergaunern.
 
Im Niemandsland zwischen Sambia und Simbabwe verbindet eine eiserne Brücke die beiden Länder und ist zudem Ausgangs-sprungpunkt der Bungee-Springer und das haben sich einige von unserer Gruppe zumindest mal vorgenommen und wir haben einige beobachtet, die sich in die Schlucht gestürzt haben.
 
Aber allein schon wenn man hier nur spazieren geht, kann man an vielen Stellen am Kamm der Schlucht erproben, ob man schwindelfrei ist oder höhenverängstigt, denn Absperrungen oder sowas gibt es hier keine......... es war für mich ein wirklich atemberaubender Ausflug und ich werde sicherlich morgen nochmals mit dem Fahrrad dort hinradeln, um dieser phantastischen Landschaft einen Besuch abzustatten und um zu staunen und zu staunen und zu staunen...
 
Da viele von unserer großen Gruppe in Hotels logieren und andere in ein flussnahes Camp umgezogen sind, haben wir es hier auf dem Zeltplatz so ruhig, wie seit Monaten nicht mehr; es gibt keine besetzten Duschen und keine verstopften Klos und es ist wirklich angenehm entspannend..... störend ist nur das Huhn und der Gockel, die unsere kenianischen Truckfahrer sich gekauft haben und die in einem großen Käfig am hinteren Ende des Trucks eingesperrt sind, um im Laufe des Abends frisch geschlachtet dann auf dem Grill zu landen. Und der Gockel hat heute Morgen in aller Herrgottsfrühe aus voller Inbrunst angefangen zu gaggern und zu kikerikiren und ich mag es ihm ja nicht verdenken, aber letztlich fand ich es dann doch nervig, zumal das nun schon die zweite Nacht ist, in der er mich um den Schlaf bringt.....
 
Morgen also nochmal ein Ruhetag hier in Livingstone und dann geht es weiter nach Botswana und dort wartet eine Bootssafari auf uns, wenn wir den Grenzübertritt rasch hinter uns bringen!

 
Ach ja das Pärchen auf dem Foto gestern ist von den Niederlanden und sie sind mit ihren Rädern im November in Addis Abeba in Äthiopien gestartet und haben dasselbe Ziel wie wir.... seit langem mal wieder Radreisende getroffen und so nette obendrein und auch sie haben nur Gutes zu berichten von ihrem bisherigen Weg durch Afrika und das ist doch eine schöne Botschaft, zumal man ja individuelle Reisen durch Afrika immer eher mit Gefahren in Verbindung bringt und da tut man diesem Kontinent und seinen Menschen einfach pauschal unrecht. Entspannte Grüße von den Victoria Fällen Euch Allen!!!


15. April 2010  Livingstone

Morgen startet die Aktion vom CVJM Blaustein zugunsten des UNICEF Projekts "Schulen für Afrika" und ich möchte einfach die Gelegenheit nutzen, um all den Jugendlichen und Mitarbeitern vom CVJM dafür zu danken, dass sie zugleich symbolisch und aktiv mit mir mitstrampeln und mich so unglaublich motivieren und begeistern und mich anspornen, auf meinem Weg vollends bis nach Cape Town.

Mein Tachostand zeigt nun 8300 km und ich bin gespannt, wie viele Kilometer die Jugendlichen zurücklegen werden auf ihren Fitnessbikes. Zugleich sage ich von hier aus allen herzlichen DANK, die diese Aktion mit unterstützen und möglich gemacht haben; ich erzähle nicht ohne Stolz hier in der Gruppe von diesem Engagement in meiner Heimat und alle teilen sie meine Freude darüber.

Auch freue ich mich sehr über die vielen Geldspenden für das UNICEF-Projekt unter dem Kennwort "Hardy in Afrika" und danke allen von Herzen dafür. UNICEF ist hier in Afrika vor Ort, immer wieder begegnen uns Mitarbeiter der Organisation, die mit den lokalen Stellen zusammenarbeiten und so Hilfe direkt zu den Menschen bringen, die sie brauchen und ich bin überzeugt von der vielseitigen Arbeit von UNiCEF und froh, auf diese Weise und mit eurem Beitrag diese Organisation unterstützen zu können.

Der Ulmer UNICEF Gruppe in der Sterngasse gilt mein Dank für die wohltuende Begleitung und für deren engagierte Arbeit ebenso wie der Ulmer Bücherstube Jastram und  der Firma Bantleon Avia, dem Fahrradcenter Reyhle in Dornstadt und meinem Arbeitgeber, der Evang. Heimstiftung und allen anderen, die mir auf ihre Weise unter die Arme gegriffen habe; es ist einfach genial phänomenal so ganz uneigennützige und wohlwollende Hilfe erfahren zu dürfen.

Es ist ein großes Geschenk, die Möglichkeit zu haben, diese Reise mit dem Fahrrad durch Afrika zu machen und so diesen vielfältigen und faszinierenden Kontinent und seine Menschen erleben zu dürfen und ein noch größeres Geschenk ist es, dabei zu erleben und  zu spüren "von guten Mächten wunderbar getragen" und von vielen Freunden wunderbar begleitet zu werden!

Es ist grandios, dass in Afrika die Fußballweltmeisterschaft stattfinden wird und dass dadurch dieser Kontinent einmal auf ganz andere Weise in den Mittelpunkt des Interesses kommen wird und ich bin mir sicher, dass sich ein fröhliches und lebendiges Afrika präsentieren wird, das uns aber auch verdeutlichen soll und wird, dass wir alle diesen Kontinent auch nach dem Fußballzauber nicht vergessen dürfen.

Drei lange Radetappen bei guten Bedingungen liegen nun wieder hinter uns und wir sind in Livingstone eingetroffen, der Stadt bei den weltbekannten Victoria Wasserfällen.

Die Strecke war wenig aufregend und kaum abwechslungsreich und nichts deutete daraufhin, dass wir uns einem solch spektakulären Ziel nähern. Doch dann sieht man schon aus gut 15 km Entfernung die Gischt des Wasserfalls wie Rauch aufsteigen und ich kann nur erahnen, welch ungeheure Kraft und Dimension sich dahinter verbirgt.

Wir haben nun zwei Ruhetage und ich bin schon sehr gespannt, morgen dieses Naturschauspiel in Augenschein nehmen zu dürfen, wenn sich der Sengesi-Fluss auf einer Länge von 1,7 km in eine 110 Meter tiefe Schlucht stürzt. Zweifelsohne ein ganz großes Highlight unserer Reise und ich freue mich schon auf die Fotos, die ich Euch dann natürlich nicht vorenthalten werde, sofern ich vor lauter Wasser etwas zu Gesicht bzw. vor die Linse bekomme.

Hier in und um Livingstone herum kann man sämtliche Aktivitäten machen, die man sich nur vorstellen kann; das Angebot reicht vom Bungee-Sprung bis zum Elefantenritt, vom Quadfahren bis zum Wildwasserrafting, vom spektakulären Helikopterflug über die Wasserfälle und der Schlucht bis zum romantischen Sonnenuntergangs- und Kerzenlicht-Bootsausflug auf dem Fluss, von dem Besuch der Krokodilsfarm bis zur Safari in den nahen Nationalpark mit vielen bekannten Tieren, die Afrika zu bieten hat.

Ich werde erst einmal eine ganz banale Wanderung entlang der Wasserfälle machen, mir die Gischt der herabstürzenden Wassermassen ins Gesicht sprühen lassen und alles mal auf mich wirken lassen und dann sehe ich, nach was mir so zumute ist....... also Bungee-Springen werde ich definitiv nicht; sage ich heute mal; mit meinem nervösen Magen macht das auch gar  keinen Sinn, da mache ich dann lieber die Vogelwanderung mit einem gewissen Dr. Bob, dem bekanntesten Vogelkundler überhaupt, die man auch buchen kann und die ähnlich spannend sein soll und gleich doppelt soviel kostet, dafür länger dauert als der Bungee-Hüpfer von der Brücke.

Zum Schluss noch gute Nachrichten von Rainer und Laura die nun beide nach ihren Unfällen wieder zurück auf dem Fahrrad und somit "on the road" sind und dies freut uns alle sehr.

Voller Freude konnte ich auch in Lusaka dank des schnellen Internets dort mal wieder einen Blick auf meine Homepage werfen (zum zweiten Mal auf meiner Reise) und ich war echt sehr glücklich über all das, was Bernhard Brendel für mich dort getan hat, ich brauche ihm nur eine Mail schicken und die verkleinerten Fotos und er setzt alles dann sehr schnell auf meine Seite und macht sich echt viel Mühe und Arbeit damit – ganz, ganz herzlichen Dank dafür!!!!










11.April  Lusaka


Heute haben wir nach nur 104 km und mit viel Rückenwind Lusaka erreicht und morgen wartet ein Ruhetag auf uns und darüber sind wir doch alle recht froh.

Nach den recht warmen Tagen und Nächten im Busch gibt es nun hier in Lusaka wieder allen erdenklichen Luxus und da hat jeder seine ganz persönlichen Bedürfnisse; bei mir jedenfalls steht eine richtig große Tasse Cappuccino mit viel Milchschaum und Kakao bestreut und ein leckerer Kuchen ziemlich weit oben auf der Genussliste und ich denke, ich werde mir auch nachher mein erstes Eis hier in Afrika gönnen, aber ich bin mir noch nicht ganz schlüssig über die Auswahl der Sorten und über die Reihenfolge ...erst Eis und dann Kuchen und Cappuccino oder doch besser erst den Kaffee .....naja, ihr seht das Leben auf Reisen erfordert wichtige Entscheidungen und ist nicht immer nur einfach!
Die gestrige Etappe von 150 km führte uns durch ein einsames Waldgebiet und die kleinen Hügel der Tage zuvor nahmen durchaus beachtliche Ausmaße an und so durften wir knapp 2000 Höhenmeter erklettern und entweder ging es bergan oder bergab und dies den ganzen Tag lang.

Leider gibt es nicht viele wilde Tiere zu entdecken, auch die letzten Paviane die ich gesehen habe sind schon eine Weile her und ich bin mir schon sicher, dass in diesem dichten, weiten Wald- und Buschland etliche Tiere Unterschlupf finden.

Interessant jedoch, wie verstreut die Menschen hier leben; mitten im Nirgendwo taucht dann und wann eine Hütte oder eine kleine Siedlung auf und ein paar Kilometer weiter dann eine kleine Schule und in die gehen dann die Kinder aus all diesen verstreut liegenden Hütten und das bedeutet für die Kinder einen oft sehr weiten Schulweg und der ist meist verbunden mit ganz praktischen Dingen wie Wasser oder Holz schleppen oder Zuckerrohrstangen besorgen.....

Auch in diesem Tag durften wir auf einem Bolzplatz einer Schule nächtigen und als Dank dafür gibt es von Tour d‘Afrique ein paar Fußbälle als Geschenk. In direkter Nachbarschaft hielten die Zeugen Jehovas, die hier in Sambia aber auch in Malawi häufig anzutreffen sind, eine Feier und viele Menschen waren festlich gekleidet im Garten versammelt und der Prediger war mit seinem Lautsprecher weit zu vernehmen.

Am Abend dann gab es wieder eine Fahrradübergabe an lokale Hilfsprojekte und es war schon beeindruckend mit welcher Freude und Begeisterung dies vonstatten ging. Die wunderschönen, knallgelben, stabilen Fahrräder wurden von Zambike, einer sambischen Firma von englischen Missionaren vor etlichen Jahren gegründet, zusammengebaut und geliefert und diese wird auch für die Wartung der Bikes Sorge tragen.
Die Frauen, die die Räder bekommen, sind eine Art Gemeindeschwestern oder Sozialstation und sie betreuen ein Gebiet in einem Umkreis von ca. 30 km und dies geht mit dem Fahrrad bedeutend schneller als zu Fuß und zudem lassen sich auch etwas medizinische Ausrüstung und Hilfsmittel so besser transportieren.

Die Frauen werden für diesen Dienst von Hilfsorganisationen ausgebildet und betreuen auch viele an Aids erkrankte Männer, Frauen und Kinder. Überhaupt ist Aids hier in Sambia ein allgegenwärtiges Thema; so oft wie noch nie auf unserer Reise begegnet uns die rote Schleife der internationalen Aidshilfe und auf Plakaten wird informiert und auf Hilfe hingewiesen.

Diese Fahrradspendenaktionen sind wahrlich eine ganz konkrete und praktische Hilfe und Tour d‘Afrique bemüht sich, da doch sehr darum und das finde ich echt klasse; gerade auch die Zusammenarbeit mit einer der wenigen afrikanischen Fahrradfirmen ist genial und das Fahrrad tut einfach beste Dienste und dies nicht nur wenn man mal eben durch Afrika radeln möchte, sondern eben auch im gelebten Alltag hier.

In der Nacht wurden einige von uns von einer heimtückischen Ameiseninvasion heimgesucht und Jeff und Diane und Paul mussten gar fluchtartig ihr Zelt räumen und Gisi war noch am Morgen tief beeindruckt von diesem Horrorerlebnis. Ihre ganze Zeltinnenwand war schwarz von dem Volk der krabbelnden, sambesischen Wanderameise und Gisis Zelt war ungeschickterweise mitten auf deren Wanderweg. Ich hatte da etwas mehr Glück und einfach auch den besseren Schlaf, so vernahm ich doch ein seltsames Raschelgeräusch am Zelt und wunderte mich darüber, da es ja nicht regnete aber ignorierte es schließlich zugunsten meiner seligen Nachtruhe, außerdem waren alle Ameisen am Morgen auch wieder wie vom Erdboden verschluckt ....vielleicht haben Gisi, Paul, Jeff und Diane ja auch zufälligerweise alle den gleichen Alptraum gehabt!

Unsere Pläne nach dem Ruhetag haben auch ihre Reize; es sind nur drei Radeltage bis zu den weltbekannten Victoria Wasserfällen, nahe Livingstone und dort sind gleich ZWEI Ruhetage eingeplant, um dieses Spektakel im Grenzgebiet zu Simbawe zu bestaunen.

Danach geht es dann weiter nach Botswana und da war ich auch noch nie ........aber jetzt geht es erst mal in die Eisdiele oder doch besser erst den Cappuccino und den Kuchen ....ach, jetzt hab ich immer noch keine Entscheidung getroffen .......dafür habe ich noch Geburtstagsgrüße und gute Wünsche für Manon zu versenden und ich bin mir ziemlich sicher, in Bermaringen gibt es heute auch Eis und Kuchen ......doch in welcher Reihenfolge????????????










9.April 2010

Irgendwie ist es doch immer ein seltsames Gefühl, wenn man sich von einem Land verabschiedet und sich aufmacht, ein neues zu entdecken und es ist auch faszinierend zu erkennen, wie schnell einem auch ein Land vertraut werden kann.

Wir waren ja nun gerade mal 10 Tage in Malawi und doch kommt es mir so vor, als kenne ich es ganz genau und wisse, wie es zugeht im Lande und das wohl nur, weil ich weiß, wie viel eine kalte Cola kostet und wie die Geldscheine aussehen und wie man sich begrüßt. Und jedesmal wenn es dann gilt Abschied zu nehmen, überkommt mich fast so etwas wie Wehmut.

Jedenfalls wurden wir herzlich von Malawi auf unserer letzten Etappe verabschiedet, von den Menschen entlang der Straße und ebenso herzlich in Sambia willkommen geheißen.

Der Grenzübertritt war recht unspektakulär und war mit 50.- Dollar für alle gleich teuer und das ist nicht immer so. Manchmal müssen gerade die Amerikaner mehr bezahlen und Malawi war für alle, außer für die Schweizer ganz gratis zu haben......

Viel hat sich mit dem Grenzübertritt nicht verändert, seit Tagen radeln wir nun durch hohes, weites Buschland und kommen durch kleine Siedlungen, die meist ohne Stromanschluss sind und seltener durch größere Orte mit Stromversorgung.

Die Häuser in den Siedlungen sind runde Hütten mit Dächern aus Naturmaterial, die Höfe sind total sauber gefegt und um die Hütten herum laufen Hühner, Enten, Ziegen und vereinzelt schwarze Hausschweine.

Die Häuser in den größeren Ortschaften sind gemauert und mit Wellblechdächern und die meisten von ihnen haben irgendeine Art von Geschäft in ihrem kleinen Haus und haben dann so schöne Namen wie "in God we trust bakery" oder "Uncle Toms Restaurant" oder sie sind knallgelb oder violett angemalt und bieten dann Handyguthaben an. Afrika hat das Festnetztelefonzeitalter schlicht übersprungen und alles funktioniert recht günstig über die mobile phones und die sind auch weit verbreitet.

Auffallend aber auch hier im ländlichen Sambia, wie viele Häuser leer stehen und verfallen. Interessant wäre es sicherlich, mal einen Tag lang sich einfach einen Stuhl an den Straßenrand zu stellen und zu beobachten, wer da alles so an einem vorbeikommt: Unzählige Schulkinder mit einigen, sehr abgegriffenen Schulheften und einem Kugelschreiber in der Hand, ein Mann mit einem Hausschwein oder einer Ziege auf dem Gepäckträger, Frauen die vom Wasserholen kommen und die gelben Kanister auf dem Kopf tragen und ihr Baby im Tragetuch auf dem Rücken, die Kohle und Holzverkäufer, die ihre Fahrräder schon fast artistisch vorwärtsbewegen, ein Ochsenkarren der Tabakbündel oder Maissäcke geladen hat, die übervollen Überlandbusse, die Teenager in den Trikots von Arsenal London, Manu, Chelsea oder Barcelona (manchmal sogar eines von Bayern München, aber das ist dann garantiert aus dem Altkleidersack) .......der Tag wäre in jedem Fall abwechslungsreich und in keinem Falle langweilig soviel steht fest.

Doch wir sind ja zum Radeln hier und absolvieren gerade lange Etappen mit Längen zwischen 150 und 200 km und dies durch recht ruhiges und fast immer gleiches, hohes Busch- und Waldland, unterbrochen von Maisfeldern und einzelnen Bananenbäumen. Das Gras entlang der Straße ist gut 2 Meter hoch gewachsen und im Gegensatz zu Malawi wird es hier nicht weggesenst sondern wiegt sich leicht im Winde und die Straße schlängelt sich in Wellen wie durch ein Schilf hindurch.
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Es ist nun Ende der Regenzeit und wir dürfen daher ein üppiges, satt-grünes Afrika erleben, doch nun folgen lange Monate ohne Regen und das Land wird trocken und karg und sich in lauter Brauntöne verwandeln und auf den Feldern wird es schwierig, seine Ernten einzubringen.

Ach ja , es hat sich noch etwas verändert, die Frauen haben hier in Sambia deutlich längere Haare und diese schönen und manchmal auch lustigen afrikanischen Zöpfe und das ist irgendwie einfach nett anzuschauen.

Wir kamen gestern in den Genuss gleich zweier Geburtstagsfeste (Toni und Juliana) und wir feierten bei leckerem Kuchen und allerlei richtig kalten, alkoholischen Getränken (riesige Eisblöcke wurden dafür beim Metzger organisiert) und dies auf unserem Campplatz auf dem Fußballplatz einer Schule und so mancher hatte doch etwas schwere Beine heute, aber das legt sich ja bekanntlich mit jedem Kilometer auf dem Fahrrad.

Allgemein ist wieder viel Schwitzen angesagt und je nach Höhe sind auch die Nächte alles andere als kühl. Erfrischen tun dagegen die Duschen bei den Wasserpumpstellen aus denen herrlich frisches Wasser kommt und meist gibt es auch jede Menge amüsant zuschauender Kinder dazu. Halbnackte Muzungus sieht man ja auch nicht alle Tage.

Überschattet wurde die gestrige lange Etappe durch einen Unfall: Mike krachte mit einem einheimischen Radler zusammen und zog sich eine üble Platzwunde an der Lippe und den Verlust von 3 Zähnen zu und ist nun zur weiteren Beobachtung in Lusaka im Krankenhaus; glücklicherweise ist seit Lilongwe Bill mit in unserer Gruppe, er ist Chirurg und arbeitet in Sambia und konnte gestern Abend in einem Missionskrankenhaus die Platzwunde unter guten Bedingungen säubern und behandeln und wir alle wünschen dem jungen Mike einfach gute Besserung und vor allem keine Komplikationen. Die gibt es oft bei Wunden hier und es dauert ewig, bis sie verheilen und meist braucht es Antibiotika, da die Wunden sich entzünden und böse anfangen zu eitern .....es sind einfach Keime hier, die unser Körper nicht kennt und mit denen er dann nicht so klar kommt wie zuhause und die Hitze und die Mücken tun dann wohl noch das weitere hinzu......

Übermorgen nun werden wir Sambias Haupstadt Lusaka erreichen und dort wartet dann wieder ein Ruhetag auf uns und wenn man so auf die Afrikakarte blickt stellt man sehr erstaunt fest, welch weiten Weg wir doch schon zurückgelegt haben seit dem Start in Kairo.













06.April 2010 Lilongwe

 
Nachdem wir am Ostersonntagmorgen um 4:00 Uhr von den Gesängen der Männer und Frauen des Dorfes auf so schöne Weise geweckt wurden, war auch bei dem letzten von uns das Osterfest ins Bewusstsein gerückt und auch wer bislang so gar nichts mit diesem Fest anfangen konnte, war zumindest berührt von der Art und Weise, wie es die Menschen hier in Malawi feiern......
 
Auf uns wartete eine 120 km lange Etappe nach Kasungu und wenn schon keine versteckten, bunten Ostereier, so doch zumindest jede Menge Spiegeleier beim Lunchstop auf halber Länge und das war besser, als gar nichts. Immer wieder vernahmen wir die österlichen Gesänge aus den verschiedensten Kirchen entlang unseres Weges.
 
Es ist schon auch bemerkenswert welche weiten Wege zu Fuß die Menschen hier in Afrika zurücklegen; sei es nun in die Kirche, in die Schule oder auf die Märkte und beneidenswert sind doch alle, die ein Fahrrad haben und gerade hier in Malawi dient das Rad auch als "Taxi" und verfügt über einen komfortablen, gepolsterten Rücksitz mit Haltegriff und nicht selten überholt man eine ganze Familie auf einem Fahrrad: den schwitzenden Ehemann, die Frau auf dem Gepäckträger und das Baby im Tragetuch..... ein schönes Bild!
 
Seit gestern nun bin ich in Lilongwe, der Hauptstadt Malawis und hier bei Günter Baumann, einem Ulmer, der bereits seit 12 Jahren mit seiner Frau hier lebt und bis zur seiner Pensionierung als Gärtner bei der GSZE verschiedene Projekte hier betreut hat. Seine Adresse habe ich von meiner Kollegin Rita bekommen und ich bin dafür sehr dankbar und das nun nicht nur, weil ich hier mit Linsen und Spätzle und Zopfbrot, mit einem weichen Bett und einer warmen Dusche verwöhnt werde, sondern weil ich von Günter viel über das Leben in Malawi erzählt bekomme und so manches nun besser verstehen und deuten kann.
 
Bei einem langen Spaziergang mit Hund Anton kamen wir nicht nur an dem Präsidentengrundstück vorbei, sondern auch an der Lodge, in der Madonna gewohnt hat, als sie vergangenes Jahr ihr zweites Mädchen aus Malawi adoptiert hat.
 
Bei Günter gibt es selbst gemachte Ananas- und Maulbeermarmelade, Bananen und Passionsfrüchte aus dem Garten und jede Menge Wissenswertes über all die Früchte und Pflanzen hier vor Ort; er hat einen Bildband verfasst über die Blumenwelt Malawis und ich bin schon sehr angetan von der Leidenschaft, die dahinter steckt.
 
So ein Ruhetag tut mir natürlich mehr als nur gut und ich tanke neue Energie und Kraft für die restlichen 4700 km noch bis Kapstadt.
 
Heute Abend werden von Tour d’Afrique wieder Fahrräder verteilt und auf uns wartet eine kleine Feier in diesem Rahmen und morgen geht es dann zur Grenze nach Sambia und von dort wird dann mein nächster Bericht erzählen.
 
Euch danke ich von Herzen für all eure Ostergrüße und für eure Begleitung.
Ich wünsche Euch einen sonnigen Frühling und grüße euch herzlichst ein letztes Mal aus Malawi.
 
Hartmut








3. April 2010

Vom Malawisee galt es Abschied zu nehmen und das taten wir mit einer wunderschönen Etappe, die uns vom See in einem knapp 1000 Höhenmeter langen Anstieg auf ein Hochplateau führte, das uns immer wieder wundervolle Blicke auf den See bot und nebenbei noch Wasserfälle und dichte Wälder voller Bäume mit Lianen, wie man sie aus den Tarzanfilmen her kennt, im Angebot hatte - ein Spektakel für die Augen war das, bei strahlendem Sonnenschein und so richtig zu genießen!

Ich radelte den Tag über mit Eric, einem Schweizer, und wir bekamen noch kleine Tabakfelder zu Gesicht und der Rückenwind ließ uns mühelos durch die sattgrüne Hochebene radeln und wir gönnten uns den ein und anderen Cokestop in den zahlreichen, kleinen Orten entlang der Strecke.

Viele verlassene oder sehr baufällige Häuser mit löchrigen Dächern oder eingefallenen Mauern, verblichene Reklameschilder und vernagelte Fensterläden hinterließen in manchem Ort einen eher trostlosen Eindruck; aber genauso gab es wiederum blumenumrandete Vorgärten, feinsauber gefegte Innenhöfe und gepflegte Schulen zu sehen.

Eine feierliche Prozession erinnerte uns an den Feiertag und ans bevorstehende Osterfest. Unser Camp in Mzuzu befand sich in der Nähe der baptistischen Kirche und am Abend spazierte ich dorthin und beobachte die Vorbereitungen für die Osterfeierlichkeiten.
Eine Jugendgruppe spielte Lieder ein und der kleine Altar und das Kreuz wurden in lilafarbene Tücher gehüllt.

Bei Dunkelheit wurde im Kirchhof ein Film gezeigt und ich setzte mich in die leere Kirche und fühlte mich dort auf der einen Seite sehr gut aufgehoben und geborgen und zugleich überkam mich eine sehnsuchtsvolle Woge Heimweh und ich stellte mir all die Ostervorbereitungen und die so vertrauten Bräuche zuhause vor und das war so lebendig in mir und doch soweit weg und erfüllte mich und schmerzte zugleich.

Wieder zurück im Camp erzählte ich von meinem Besuch und ich hatte dabei so das Gefühl, in manch sentimentale Augen zu blicken.

Heute nun eine Etappe mit 2000 Höhenmetern, ein ewiges auf und ab durch ein Waldgebiet, in dem viel Möbelholz geschlagen und gesägt wird und dies bei morgendlichem Nebel und vereinzeltem Regen und wechselnden Winden.

Mittags verwöhnte uns nicht nur die Sonne, sondern auch so manche Abfahrt und so durften wir wieder einen erfüllten Tag auf dem Rad erleben.

Unser Camp befand sich auf einem Schulgelände und dort trafen wir nicht nur auf viele Kinder, die dort mit einer kleinen stoffumwickelten Kunststoffkugel Fußball spielten, sondern auch auf viele Erwachsene, die die Osterfeierlichkeiten vorbereiteten und die sehen so aus, dass die ganze Nacht von Ostersamstag auf -sonntag gesungen, gegessen und getanzt und Gottesdienst gefeiert wird. Und es war ein wirklich herrliches, lebendiges, friedvolles Bild, das sich dem Betrachter auf diesem Schulgelände darbot.

Unsere Zelte und unsere Trucks und Räder begutachtet von vielen Einheimischen, die zugleich Chips und Softdrinks für uns im Angebot hatten. Dann unzählige Kinder die mit einigen von unseren Fußballern der kleinen Pille hinterherjagten und sichtlich Spaß hatten; im Schulhof am Nachmittag der erste Gottesdienst und zwei Hütten entfernt viele Frauen, die am offenen Feuer Maisbrei und Bohnen fürs Abendessen vorbereiteten und wir waren einfach ein Teil von alledem und das empfand ich als ganz, ganz etwas Besonderes.

Nach Einbruch der Dunkelheit begann dann die eigentliche Osternacht und wir durften teilnehmen an den von Trommeln begleiteten Liedern, dem rhythmischen Tänzen und der ansteckenden Fröhlichkeit, die über alledem liegt.

Während ich diese Zeilen nun hier schreibe umhüllt uns ein sternenheller und tiefklarer Nachthimmel und die Lieder und Trommeln der feiernden Menschen bewegen meine Seele und hüllen mich in eine sanfte Geborgenheit.

Morgen ist Ostersonntag; die Kinder der Schule bekommen von Tour d‘Afrique echte Lederfußbälle geschenkt und werden sicherlich sehr begeistert sein und wir machen uns auf den Weg Richtung Lilongwe und Euch Allen wünsche ich ein frohes Osterfest.




1.April 2010 Chitimba Beach
 
Muli bwangji? (wie geht es dir?)   -  Ndiri bwino! (Mir geht es gut!)
 
Und darüber bin ich doch sehr froh; mein Bauch hat sich wieder beruhigt, bin noch etwas schwach auf der Brust, aber sonst ganz ok. Danke für alle guten Wünsche und auch Danke an die Gruppe, mit der ich unterwegs bin; es tut schon gut, wenn man aufgemuntert wird und einfach Fürsorge und Hilfe empfangen darf, wenn man angeschlagen ist.
 
Wir sind nun in Malawi und hier wird meist Chichewa gesprochen; die Begrüßung ist nun nicht mehr "Jambo" sondern "Moni"; "Danke" heisst "Zikomo" und die "Banane" "Nthochi" und in der Kirche wird der liebe "Mulungu" angebetet. Nur eines bleibt: auch hier sind wir "Muzungus".
 
Tanzania hat sich mit einem wunderschönen Radeltag von uns verabschiedet und uns allen wird dieses Land in ganz besonderer Erinnerung bleiben, sowohl von der Herzlichkeit seiner Menschen, wie auch von der üppigen Landschaft her.
 
Noch einmal durften wir durch die Wolken auf gut 2500 m hoch klettern, um von dort phantastische Ausblicke bei sich durchsetzender Sonne weit ins Land genießen zu dürfen und darauf folgte dann eine ewig lange Abfahrt Richtung Grenze, die sich über 40 km hinzog und uns durch unzählige Bananenfelder und Teeplantagen führte.
 
Alles steht im Zeichen der Banane in diesem Teil des Landes und die Straßen sind voller Menschen, die Bananen umhertragen oder auf ihren Fahrrädern transportieren. Lastwagenweise wird die noch grüne Frucht in großen Stauden verladen und vielleicht landet ja auch die ein und andere dann gelb und wohlschmeckend bei Euch.
 
Bemerkenswert war auch zu sehen, wie hier von Hand mit der Spitzhacke ein hüfttiefer,  kilometerlanger Graben gezogen wird, um irgendwelche Leitungen zu verlegen. Hunderte Männer sind damit beschäftigt, bei tropischen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit durch zum Teil recht verwilderte und feuchte Landschaft, allein mit ihrer Muskelkraft und mit Pickel und Schaufel, dieses Projekt umzusetzen und allein schon die Fröhlichkeit zu sehen, mit der sie das tun, ist faszinierend und die muskulösen Körper all der jungen Männer mit den "six packs-Waschbrettbäuchen" sind es auch.
 
Der Grenzübertritt nach Malawi war dann formell recht unspektakulär und ohne Visagebühren möglich. Spannender war das Geldwechseln; da die kleine Bank an der Grenze geschlossen ist, musste man wohl oder übel auf den Straßenwechsel zurückgreifen und der ist an der Grenze selbst eigentlich verboten, aber es wimmelt nur so von jungen Männern, die einem diesen Dienst anbieten und ebenso von Polizisten, die das zu unterbinden versuchen und so ist dann zu beobachten wie der Geldwechsler dem Polizisten ein paar Geldscheine in die Hose steckt und dieser dann so tut, als sei der Geldwechseler plötzlich Luft und so kann er ungestört mir 50 Dollar wechseln und alle sind irgendwie zufrieden damit; der Geldwechsler hat ein Geschäft gemacht, der Polizist einen Nebenverdienst und ich habe ein paar Tausend "Malawi Kwacha" in der Tasche und brauche mir keine Sorgen zu machen, wie ich an eine kalte Cola kommen werde.
 
Malawi ist eines der ärmsten Länder der Erde und auch die Gefahr, eine Malaria sich einzufangen, ist hier von allen Ländern, durch die wir radeln, am höchsten, vor allem hier in der Tiefebene, wo subtropisches Klima herrscht; auch all die Reisfelder, in denen das Wasser steht, sind ein idealer Nährboden für die Moskitos.
 
Die Kinder hier begrüßen uns enthusiastisch und fast schon in äthiopischem Ausmaß sind wir am Camp von einer Menschentraube umringt, die stundenlang völlig fasziniert unserem Lagerleben beiwohnt. Kinder in zerfetzter Kleidung und manche von ihnen mit aufgeblähten Bäuchen beobachten, wie wir Schlange stehen, um unser Abendessen - Hotdogs oder Rührei mit leckerem Salat - zu schöpfen und in solchen Momenten überkommen mich jedesmal sehr zwiespältige Gefühle und ich weiß nicht so recht, was richtig und falsch ist an unserem Tun und was die Alternative ist in Anbetracht all der vielen Kinder und unserer Möglichkeiten.......
 
Ein weiterer Höhepunkt unserer Tour ist ganz sicherlich der Malawisee, den wir gestern nun bei einer Etappe von 120 km mit viel Gegenwind erreichten und der uns mit seinem türkisfarben scheinendem Wasser schon entlang der Strecke begrüßte.
 
Ach wie freue ich mich schon seit Tagen darauf, hierher zu kommen, um im See zu schwimmen und das war dann auch gleich das Erste, was ich tat, als ich das Camp am Mittag erreichte - herrlich, einfach nur herrlich, sage ich euch!
 
Der Malawisee hat eine Länge von 600 km, ist Schnorchel- und Taucherparadies und bietet vielen, begehrten Süßwasser-Aquariumfischen Heimat.
 
Unser Camp liegt genau am Strand und wird von einem dänischen Pärchen betrieben und es ist einfach wie am Meer; Sonne, Sand, Palmen, gute Musik und richtige Wellen. Die Fischer haben Einbaumkanus und paddeln mit einer bemerkenswerten Leichtigkeit zum Fischen und ich werde sicherlich heute, spätestens wenn die anderen am Abend sich am Spanferkel laben, das hier gebrutzelt werden soll und das von einem ganz besonderen Projekt aus dem Dorf stammt, das sich um aidskranke Familien kümmert, mir einen gegrillten Chambafisch munden lassen.......... und ansonsten ist Schwimmen und Faulenzen angesagt und es gibt wahrlich Unangenehmeres, was man sich vornehmen kann......!!
 
Gruß, Hartmut










29. März 2010

Heute geht es mir deutlich besser, nur der Magen zwickt noch. Am Malawisee, wo wir sind, gibt es kein Internet.
Keine Ahnung, wann ich mich wieder melde, machts gut alle, Hartmut.










28. März 2010

Zwei weitere peinvolle Tage habe ich hinter mich gebracht; mein Verdauungstrakt hat sich noch nicht beruhigt und vor allem in den Nächten ist das echt bitter; mit Stirnlampe und Spaten sich irgendwo im Busch ein geeignetes Plätzchen zu suchen und das alle 2 Stunden, wenn man doch eigentlich nichts als schlafen möchte vor Schwäche, ist schon recht dramatisch und eine Erfahrung, auf die ich gut und gerne verzichtet hätte.... aber gut, es ist wie es ist und nun habe ich Medizin von unserer erfahrenen Medizinfrau Caroline bekommen und hoffe auf eine gute Nacht und baldige Besserung und damit genug davon.

Morgen werden wir Mbeya erreichen, eine größere Stadt und eine Tagesetappe von der Grenze zu Malawi entfernt und dort erwartet uns dann, wie schon erwähnt, ein Ruhetag am Strand; ach wie freue ich mich darauf.

Tanzania verabschiedet uns mit endloser Wald- und Buschlandschaft und wirklich wundervollen Ausblicken und einem gänseaugenblauen Himmel zwischen den mächtigen, weißen Wolken. Auch die kleinen Ortschaften haben ihren Reiz, da die Häuser versteckt sind von hohen Mais- und blühenden Sonnenblumenfeldern und vor allem letztere tun den Augen einfach nur gut.

Das riesige Waldgebiet hier ist eine einzige Plantage, ein großes Projekt der Regierung mit Unterstützung europäischer Länder. Es wurden hier vor gut 30 Jahren verschiedene Baumarten angepflanzt, durchgesetzt hat sich ein Nadelbaum (Name vergessen) und der Eucalyptusbaum und den habe ich auch sogleich erkannt, weil gerochen. Er wächst hier überraschend schnell und wird nach 25 Jahren bereits geschlagen.... erzählt haben uns das zwei Holzarbeiter aus Estland, die wir getroffen haben und beide waren ganz froh, interessierte Gesprächspartner zu haben. Sie leben hier schon seit einem Jahr in einer kleinen "Kommune" mit 15 Häusern, betreiben Forstwirtschaft und versuchen ihr Know-How weiterzugeben.

Ach ja und Teeplantagen gibt es hier auch und Tee aus Tanzania gibt es im Ulmer Weltladen zu kaufen......

Seit Tagen wunderte ich mich schon über die mit Kanistern und Fässern voll beladenen Fahrräder auf der Straße und dachte, da handelt es sich um einen Wassertransport der schnellen Art; aber in den Kanistern ist das leicht gärige spezielle Maisbier, welches einen niedrigen Alkoholgehalt aufweist und das ich auf Rücksicht auf meine lädierte Verdauung mal lieber nicht probiere. Und die Jungs auf den Rädern bringen das begehrte Gebräu einfach unters Volk, auf die Felder, zu den Baustellen,...... einfach dahin, wo man Durst hat!!!!

Heute ist wieder richtig Sonntagsstimmung, auf der Straße ist wenig Verkehr und die Menschen sind größtenteils anders gekleidet und viele gehen in die Kirche und aus diesen ist freudiger Gesang zu entnehmen. Man trifft sich auf der Straße vor den kleinen Kiosken und hat Zeit für ein Spiel und einfach um zusammenzukommen und wie bizarr muss es für so entlegene Dörfer sein, wenn dann auf einen Schlag 60 weiße Radler mit Helm und Sonnenbrille Jambo Jambo rufend  "einfallen" und die Kioske leer trinken, Fotos machen wollen und schließlich genauso schnell wie sie gekommen sind, wieder verschwinden..... und dass wir "Mzungus" gerne Softdrinks und Bier trinken, hat sich herumgesprochen, denn auch im entlegensten Buschcamp taucht immer jemand auf, der uns Getränke anbietet.

Entlang der Straße werden auch allerlei Sachen feilgeboten: große Körbe und Tonkrüge, gegrillter Mais, gebackene Donuts, Bananen und Avokados sowieso, Kartoffeln und Tomaten und auch Passionsfrüchte und die haben einfach einen ganz besonders erfrischenden, säuerlichen Geschmack und sie werden insbesondere von Kindern verkauft.

Überrascht war ich von der deutschen Fahne, die ich heute mitten in einem Dorf zu Gesicht bekam, leider konnten mir die Jungs drum herum nicht wirklich erklären, warum die dort auf dem Fahnenmasten weht.... vielleicht hat da jemand einfach Gefallen an den Farben gefunden, zumindest waren die Jungs überrascht dieselbe Fahne in klein an meinem Fahrrad zu sehen.

So und zu guter letzt noch DIE Nachricht des Tages: Ruben hat sich heute den Tagessieg geholt und ich ziehe echt vor Begeisterung und Anerkennung den Hut, denn das war echt ne ganz starke Fahrt und es ist nur bemerkenswert, wie stark der "Kerl" inzwischen auf seinem Mountainbike daherflitzt; man muss wissen, dass Ruben zwar immer sportlich aktiv war, aber eben nicht groß Fahrrad gefahren ist vor dieser Tour! Tusch und Applaus von dieser Stelle!!!

Und so alles gut geht, gibt es die nächsten Fotos vom geruhsamen Strandleben am Malawisee.

Euch wünsche ich eine schöne und frühlingshelle Osterzeit mit gaaaanz viel Sonne.








25. März 2010  Iringa

Wir sind in Iringa, im Süden Tanzanias eingetroffen und zwei quälend anstrengende und lange Radtage liegen hinter mir. Mein Verdauungstrakt ist voller Flugzeuge, zumindest fühlt es sich so an und es grummelt und rumort und poltert dort auch so, dementsprechend schwach sind meine Beine auf dem Rad. Ich trotte dem Pulk hinterher und schaue einfach, dass ich die Etappen hinter mich bringe, immer in der Hoffnung, es wird dann morgen schon besser werden. Ab und an muss ich mich in die Büsche schlagen; mein Körper versucht alles was ihn belastet los zu werden und da alles was ich zu mir nehme, mir absolut quer und wie ein Stein im Magen liegt, reduziere ich die Esserei ziemlich und so fehlen einfach die notwendigen Körner, die man beim Radeln nun mal braucht.

Zudem macht mir die drückende Hitze zu schaffen; Tagestemperaturen von 40 Grad und warme Nächte belasten mich, der normal die Hitze ja mag, zunehmend mehr und der Regen, der gegen späten Nachmittag einsetzt, ist nahezu eine Wohltat und vertreibt die tropische Schwüle.

Auf der gestrigen Etappe kamen wir an einen großen Staudamm und so gab es 30 km zuvor und danach doch tatsächlich wieder mal Strom und somit auch kalte Softdrinks und damit schüttete ich meinen erhitzten Körper nahezu voll. Außerdem wurden uns Wassermelonen angeboten und diese Kombination bescherte mir für den Rest des Tages übelste Bauchkrämpfe und ich glich einem Häufelchen Elend auf zwei Rädern und doch ging es irgendwie vorwärts und ins Camp..... ach, was war mich schlecht und schummerig und wenn die Sonne dann noch vom Himmel stach, perlte mir der kalte Schweiß auf der Stirn und ich fing an mich zu bemitleiden und mir die leidige Sinnfrage meines Tuns zu stellen...

Und dabei gäbe es doch soviel Besonderes und Schönes zu berichten. Mit der gestrigen Etappe schafften wir die Hälfte der Strecke Kairo-Kapstadt und an dieser 5850 Kilometermarke war mit Energiegetränkepulver eine Linie gezogen und es war ein bisschen ein feierlicher Augenblick darüber zu radeln und ein willkommener Fotospot.

Zur Feier dieses Anlasses habe ich heute meinen kleinen WM-Fußball, den ich mit aus Deutschland mitgenommen habe an zwei Jungs verschenkt und diese ungläubigen Blicke in ihren Augen werden mir sicherlich auch in Erinnerung bleiben.
Überhaupt sind die Menschen hier in Tanzania wirklich ausgesprochen freundlich, oft hört man ein Singen von irgendwo her und ich fühle mich in diesem Land sehr willkommen. Die lange Strecke auf der Piste führte uns durch recht einsame Gegenden und die Menschen, die dort leben, haben zum allergrößten Teil keinen Strom und kein Wasser am Haus und ihr Lebensstandard ist arm.

Bis an die oft baufälligen Häuser heran wird Mais angebaut und Sonnenblumen; Ziegen und Hühner rennen auf dem Hof herum und es gibt unglaublich viele Kinder überall. Die Kleider, die sie anhaben, sind voller Löcher und entspringen irgendwelchen Altkleidersammlungen, wie unschwer an den Aufdrucken zu entnehmen ist; die großen Kinder tragen meist ihre Schuluniform und am besten gefällt mir diese, wenn sie in knallem Lila gehalten ist, so wie meine selbstgefärbte Latzhose in meinen friedensbewegten Schuljahren. Uns schallt ständig ein "Mzungu-Mzungu" (weißer Mann) -Rufen entgegen und die kleinen Kinder rennen oft vor Schreck davon, wenn ich mal bei ihnen anhalte......

Erzählen möchte ich noch die Geschichte um Knut aus Norwegen. Er ist auch auf dem Weg zum Fußball gucken und startete seine Tour am Nordkap und er machte Halt in einem Ort um eine Cola zu trinken und dabei wurde ihm sein Radcomputer geklaut..... immer ärgerlich, aber für ihn sicher ganz besonders da es ein 500 Euro wertvolles Teil ist und er einfach sehr detailliert Buch führt über seine ganzen Etappen, alle Kilometer, Herzfrequenz, Höhenmeter, ...... tja niemand hat was gesehen und das gute Stück schien verloren zu sein. Dann kam einer unserer Trucks des Weges und darin war Geff, einer unserer Begleiter aus Südafrika und er spricht ausgezeichnet Suaheli. Geff nun ging zu den älteren Dorfbewohner die umherstanden und erzählte von unserer Tour, woher wir kommen und wie sehr es uns eigentlich in Tanzania bislang gefiel und dass es ja wohl nicht sein darf, dass nun dieser Diebstahl uns von ihrem Dorf in Erinnerung bleibt. Es folgten Rufe und gehenden und kommenden Menschen und siehe da, nach 10 min. war das gute Stück auf einmal wieder da und wurde dem glücklichen Knut überreicht und so ein bisschen zeigt dies auch, wie in solchen Dorfgemeinschaften die Strukturen funktionieren..... mich freuen Geschichten mit so einem Ende einfach auch.

Heute früh wurden wir von heftigen Regenschauern in unserem Waldcamp überrascht und die Piste war davon sehr aufgeweicht und schwer zu beradeln. Ein dichtes, kilometerlanges Waldgebiet mit einem 20 km langen, leichten Anstieg galt es an diesem Morgen als Bergzeitfahren hinter sich zu bringen und was für mich in meinem Zustand eine mühsame Plagerei war, machte v.a. den Mountainbikern durchaus Freude. Ich staune auch immer mehr über Ruben, dessen Form im Lauf der Tour immer besser wird und der mittlerweile mit den allerschnellsten mithalten kann....,famose Leistung, Junge!!!!!

Nun sind wir also in Iringa; den Ruhetag morgen kann ich wirklich gebrauchen und ich hoffe mein Magen und Darm beruhigt sich wieder und ich komme zu Kräften. Unser Camp ist auf dem Gelände der "Spring Valley Girls School", einer Internatsschule und das ist irgendwie auch eine witzige Kombination. Hier nun kommen 11 weitere Abschnittsradler hinzu, die bis zu den Viktoria Wasserfällen in Sambia mitradeln werden; auch alle noch fehlenden Sansibarurlauber werden wieder zu uns stoßen und somit wird unsere Gruppe so groß sein wie nie.

Noch 3 Tage wedren wir in Tanzania sein und dann die Grenze zu Malawi erreichen und in einer Woche wartet ein Ruhetag am Badestrand des Malawisees auf uns; wenn das mal kein Grund zur Vorfreude ist.......


     









23. März 2010

Gestern nun also waren wir in der Hauptstadt Tanzanias, in Dodoma und es gab dort, wie erwartet, jede Menge eiskalter Softdrinks und das Bier war nicht weniger schmackhaft und wer wollte, fand auch Eis und andere Leckereien und selbst die 110 km Piste an diesem Tag waren sehr angenehm und gut zu fahren; summa summarum also ein wirklich klasse Tag, zumal wir schon zur Mittagszeit im Camp in einer Hotelanlage ankamen und somit auch genügend Zeit blieb, alle Annehmlichkeiten einer solchen auszukosten. Ich habe auch zweimal verschwenderisch lange kalt geduscht und es war herrlich, einfach nur herrlich, genauso wie die Spaghetti, die es am Abend gab, zusammen mit Möhren-Paprika-Krautsalat. Nach Salat habe ich am meisten Japs, das gibt es einfach nicht sehr oft und den vermisse ich fast genauso, wie meinen geliebten Fetakäse und die Ritter-Sport-Mandelschokolade; aber der gute Haferbrei am Morgen entschädigt für so manche Gelüste.........

Heute nun führte die Etappe uns über 96 km meist durch einsames Buschland, hie und da ein paar kleine Siedlungen und die für Afrika so charakteristischen, riesigen Baobabäume.

Mir fiel das Radeln heute irgendwie schwer, war tierisch müde und fühlte mich recht erschöpft und trottete so meines Weges. Die Piste war mäßig holperig und einigermaßen gut zu fahren, aber mir fehlt einfach ein wenig die Kraft und die Lust heute und das ist oft eine gute Vorraussetzung, um gute Fotos zu machen, weil ich dann nämlich jede Gelegenheit wahrnehme, um anzuhalten.

So begegnete ich also dem Jungen auf seinem Roller, den beiden Männern, die Holzkohle verpackten, dem ersten Hausschwein, das ich in Afrika bislang sah und das spazieren geführt wurde, den Kindern unter dem riesigen Baobab-Baum... und jedes Mal gab es ein Pläuschchen und ein Päuschen und freundliche Gesten und Winken und den ein und anderen Keks.

Auch nahm ich jeden der sich bietenden Colastops wahr, doch da hier wieder alles ohne Strom ist, waren die Drinks schon mehr als nur lauwarm.... sei’s drum!

In einer der Siedlungen war Schlachttag und eine Kuh wurde in der Dorfmitte zerlegt. Die großen Stücke wurden verteilt und vom Schlachter verkauft und alle Innereien und all die anderen "Schmankerl" landeten prompt auf dem Grill, wo man sich dann sein Lieblingsstückchen aussuchen konnte...... und dasa an all dem das ganze Dorf irgendwie teilnahm, ist wohl leicht nachzuvollziehen und ebenso, dass dies auf uns alles irgendwie fremd und unglaublich erschien.

Die Baobab Bäume sind wahre Giganten, ein Durchmesser von zwei Metern ist nicht selten und die ausladenden Äste bieten viel Schatten. Der Baum trägt auch eine große feste "Frucht", die nussartige Samen enthält und als  "Arme-Leute-Essen" herhält. Der Stamm hat oft tiefe Löcher oder gar kleine Höhlen und als Holz ist er völlig unbrauchbar, da nur faserig und ohne Brennwert. Angeblich gut zur Papierherstellung geeignet; hoffe mal, all die Beschreibungen und Infos stimmen so in etwa, in jedem Fall fällt dieser Baum sofort ins Auge und lädt zur Rast und zum Einkerben von Herzen und Namen ein.

Noch etwas sehr bemerkenswertes gilt es zu berichten: Heute war der Tag der platten Reifen. Gerald hatte 6 und ist Spitzenreiter und hat sogar Marcel geschlagen der es nur auf 4 Platten gebracht hat (aber auf der ganzen Tour mit seinem Crossrennrad schon über 60!!! Platten hatte), Jason und Dave und Sunil hatten ebenfalls 4 Platten und ich könnte die Liste nun endlos fortführen, bis ich zu den Glückspilzen kommen würde, die wie ich OHNE Platten heute durch den Tag gekommen sind. Übeltäter all der vielen Löcher im Schlauch sind diese fiesen Dornen. die lang und hart, wie Nadeln sind und überall lauern. Im Camp wurden also heute ewig Schläuche geflickt und auch neue Mäntel aufgezogen..... und meiner macht mir auch Kummer; der alte vorne und der neue hinten weisen einfach zu viele Schnitte und Macken auf und ich habe nur noch einen Ersatzmantel bis Kapstadt zur Verfügung..... naja wird schon halten; Afrika jedenfalls verlangt Rad, Radler und Material wirklich alles ab, ein super Härtetest, wenn man so will.

 Und zu guter Letzt will ich nun nicht versäumen euch noch von dem wundervollen doppelten Regenbogen zu erzählen, der sich am Abend über unserem  Buschcamp in all seiner Pracht offenbarte und uns alle staunen ließ und uns verdeutlichte, in welch wunderbarer Schöpfung wir doch leben dürfen. Noch zwei Tage Piste bis Iringa und bis zum nächsten Ruhetag, den ich wirklich nötig habe und herbeisehne!








21. März 2010

Da sitz ich nun in einem Zelt, hab ein Räucherstäbchen gegen die Moskitos glimmen und bin ziemlich geschafft und müde. Ein langer, langer Radtag liegt hinter uns und die 99 km "dirt road" hatten es wirklich in sich.

Wieder galt es 1200 Höhenmeter zu klettern und knapp 1500 Höhenmeter an Abfahrten zu bewältigen und es ist schwer zu sagen, was schlussendlich schwieriger war, die Abfahrten oder die Steigungen.

Die Route führte uns auch heute durch grünes, recht einsames Busch- und Waldgebiet und war im Grunde auch fürs Auge schön und doch war es ein langweiliger Tag, weil ich die ganze Zeit meine Blicke fast ausschließlich auf die Piste richten musste, denn die war voller Steine und Geröll und wenn mal nicht, dann erschwerten uns Sandlöcher das Fortkommen. Auf den Abfahrten war ich kaum schneller als bei den Anstiegen und die Bremsen hatten Schwerstarbeit zu  verrichten und das Radeln erforderte absolute Konzentration und ständiges Variieren auf der Piste, um wenigstens den gröbsten Steinen und Wellblechtiefen auszuweichen.

Jeder,  absolut jeder Feldweg auf der Gemarkung Bermaringen ist gegenüber dieser Piste heute ein wahrer Traumpfad. Mein armes Fahrrad hatte jede Menge Schläge einzustecken und es war jedesmal wie ein Dolchstoß mitten ins Herz für mich, so sehr habe ich mit gelitten; ach, ich mag diese ätzende Hoppelpisten einfach nicht und schon gar nicht über 6 lange Radtage hinweg und wenn dann noch die Sonne erbarmungslos vom Himmel knallt, mag das schön sein, wenn man im Schatten sich einem kühlen Bad oder Getränk hingeben kann, aber wirklich nicht, wenn man sich mit dem Fahrrad vorwärtsquält und hoppelt. Jedes Wölkchen das sich mal vor die Sonne stellte,  bekam ein dickes Lob von mir und der Schatten, so kurz er oft auch war, empfand ich wie ein Geschenk. Tja es war ja Sonntag und zum Glück hatten die Kioske an den wenigen kleinen Orten auch geöffnet, nur leider hatte nur einer von ihnen einen Kühlschrank und somit eine kalte Cola (und das war früh noch am Morgen)  und so lauwarm schmeckt das Ganze einfach nicht.

Naja , als dann nach 75 km endlich die Piste etwas besser zu werden schien, hatte ich prompt einen Platten und meine kleine Luftpumpe am Rad funktionierte nur unbefriedigend, sie ließ gleichzeitig Luft rein und raus und ich pumpte mir den Schweiß aus allen Poren, um wenigstens halbwegs genügend Druck in den Reifen zu bekommen.

Tja und die vermeintlich gute Piste war dann oft so voller feinem Sand, dass die Reifen darin einsackten und das Pedalieren entweder immense Kräfte erforderte, oder schier unmöglich war und wenn dann noch einer der wenigen Busse oder Trucks an einem vorbeirauschte, war man sekundenlang in einer feinen, dichten Staubwolke verschwunden. Aber irgendwie kriegte ich auch diese 99 langen Kilometer bis zum späten Nachmittag rum und ich schwor mir, dass ich, wenn ich mal König von Tanzania werden sollte, ich dafür sorgen werde, dass zumindest ein schmaler, gut beradelbarer Fahrradweg die Strecke von Arusha bis Iringa verbinden wird und dass jeder, wirklich jeder Kiosk entlang dieser Strecke einen wundervollen roten Kühlschrank erhalten wird und ich bin mir sicher, dass ich ein beliebter König dann sein werde, jawohll!!

Unsere Trucks hatten an diesem Tag natürlich auch ziemlich harte Arbeit zu leisten und zu allem Übel brach am Anhänger, wo die Räder drauf sind, eine Stange von den ewigen Erschütterungen und dann fuhr er sich auch noch fest, als er zum Campplatz fahren wollte und es dauerte anderthalb Stunden, bis unsere Jungs ihn wieder flott bekamen.... es war ein denkwürdiger Tag heute, einer von denen, die ich sicherlich nicht gleich vergessen werde und das allergrößte daran ist, wir haben ihn geschafft und alles gemeistert, was er uns an Aufgaben so auferlegt hatte...... also so gesehen war es doch ein guter Tag und wir alle dürfen müde und zufrieden darüber nun einschlummern und von Tanzanias Hauptstadt Dodoma träumen, die wir morgen nach 111 km erreichen werden, so alles gut geht und ich mache jede, absolut jede Wette, dass in Dodoma elektrischer Strom und somit Kühlschränke und kalte Cola auf uns warten. Ach ja und ne kalte Dusche wünsche ich mir nach 3 Nächten in Buschcamps nun auch noch so nebenbei........


    








20. März 2010

Tanzania ist ein absolut faszinierendes Land mit freundlichen Menschen. Und von einer unglaublichen Vielfalt: im Osten die bezaubernden Strände und Sansibar, im Westen die phänomenale Serengeti mit all den beeindruckenden Wildtieren, im Norden der höchste Berg Afrikas, der Kilimandjaro. Ach ja Freddie Mercury wurde auch in Tanzania geboren und mit Dodoma hat das Land ein kleines Städtchen zur Hauptstadt bestimmt, das nur durch holprige Pistenstraßen erreichbar ist. 120 km solcher Piste standen nun heute auf dem Programm und dabei galt es immerhin knapp 1300 Höhenmeter zu erklimmen und die waren teilweise so steil, dass ich heute zum ersten Mal auf der Tour meinen ersten Gang in Einsatz brachte und froh war, dass er tadellos funktionierte.

Es ist immer wieder interessant zu beobachten, wie sich langsam Landschaften und Ortschaften ändern. Wir haben das Massailand hinter uns gelassen, die Menschen hier nun bauen viel Mais an und leben von ihren Bananenplantagen, die sich über die bergige Landschaft ziehen. Die Häuser sind größtenteils aus Ziegeln gebaut und haben entweder Stroh- oder Wellblechdächer. Auffallend ist auch, dass alle so kurz geschorene Haare haben,  auch die Mädchen und jungen Frauen..... (die Älteren haben in der Regel Kopftücher auf so kann ich bei ihnen die Frisur nicht wirklich beurteilen).

Tanzania ist absolut ein Fahrradland; Herrenrad mit doppeltem Oberrohr und gebogenem Lenker made in China ist das meistgefahrene Modell und auf dem Fahrrad wird wirklich alles transportiert: Heu, Holz, Eier und Hühner, Wasser und Mais und natürlich die Herzallerliebste oder die kleine Schwester oder der Großvater...... so gibt es viele schöne Begegnungen und Begrüßungen auf dem Weg.

Erstaunt bin ich immer wieder auch von dem üppigen, satten Grün der Landschaft, das den Augen so gut tut...... dichte Wälder, die an Urwald erinnern, frische Wiesen, gelb blühende Bäume, sogar Sonnenblumenfelder lachen uns entgegen.... aber die Bananenbäume mit ihren großen Blättern überragen alles und es ist für mich einfach faszinierend zu sehen, wie dann entlang der langen, leicht violetten, auberginengroßen Blüte schließlich die grünen Bananen wachsen, die  dann in den verschiedensten Größen und auch in roter Sorte überall angeboten werden. Von den roten Bananen soll man maximal nur zwei essen, sonst liegen sie etwas sehr schwer im Magen, also nehme ich die gelben....... geerntet werden die Bananenstauden immer grün, die Früchte reifen dann gleichzeitig nach und werden nicht Opfer von Vögeln..... also absolut ein Überangebot an des Sportlers liebster Frucht und da auch an kalter Cola hier kein Mangel herrscht, bin ich bestens versorgt mit meinen Grundnahrungsmitteln auf Tour........

Laura, die in Nairobi einen Unfall hatte, ist inzwischen nach Hause geflogen und ich wünsche ihr an dieser Stelle von Herzen vollends gute Besserung. Rainer ist nach seinem Sturz auf dem flüssigen Teer nun nach Iringa vorgefahren, um sich dort soweit zu erholen, dass er dann von dort aus wieder mit uns weiterradeln kann und das wünschen wir uns auch alle - also Daumen drücken; irgendwie ist es schon Wahnsinn, was alles in diesen 2 Monaten innerhalb unserer kleinen Gruppe so passiert ist an Unfällen und Stürzen, also ich finde nun ist definitiv genug damit.

Schwierigkeiten habe ich nach wie vor mit den bettelnden Kindern und den immer wiederkehrenden Aufforderungen: "give me money", "give me a Pen", "give me chocolat", "give me......", als Weißer ist man einfach automatisch jemand, der etwas zu geben und zu verteilen hat und manchmal mag ich es einfach nicht mehr hören; vielleicht gemein, aber trotzdem geht es mir so, zumal diese Sätze bald schon mehr als Befehl und weniger als Bitte ausgesprochen werden und ich entgegne diesen  bisweilen mit ausufernden Erklärungen in Deutsch und das hinterlässt zumindest einen staunenden Blick und ein fassungsloses Schweigen obendrein....... und hinterher plagt mich dann das schlechte Gewissen........ also kurzum, es ist nicht immer einfach, was diese Geschichte anbelangt und die paar Kekse, Lollies oder Energieriegel, die ich verschenke, machen die Sache nicht leichter, sagt der weiße Mzungu auf seinem Fahrrad in Afrika!!!!!!








19. März 2010

So die Straße hat uns wieder und das ist auch ganz gut so nach den 3 erlebnisreichen Ruhetagen in Arusha.

Auch unsere Kilimandscharobezwinger sind wieder von ihrem Abenteuer wohlbehalten zurückgekommen, brauchen nun aber etwas Erholung, die sie entweder in Sansibar oder auf einer Safari, aber definitiv nicht auf dem Fahrrad sich holen.
Glücklicherweise geht es mir nach meinem Magen-Darminfekt wieder deutlich besser und ich kann wieder (fast) normal essen; es war schon eine Plage, ausgerechnet bei der Safari darunter leiden zu müssen, zumal es im Ngorongoro Krater unmöglich, war ein stilles Örtchen im Busch aufzusuchen, da es dort zum einen keine Bäume gibt, wohinter man sich verstecken könnte für dieses Geschäft und zum anderen Hyänen und Löwen umherschleichen..... also war durchhalten die Devise und es hat ja auch funktioniert, also nicht mehr darüber jammern.

Erwähnen möchte ich noch unseren Besuch im Massaidorf ganz in der Nähe des Kraters. Die Massai leben dort in kleinen Siedlungen mit ihren großen Rinder- und Ziegenherden und leben von ihren Tieren und von dem Schmuck, den sie traditionell herstellen und verkaufen. Die Hütten der Siedlungen sind winzig, darin wird am offenen Feuer gekocht und dementsprechend rußig ist es darin; im Eingangsbereich ist Platz fürs Kleinvieh und die Massai ernähren sich fast ausschließlich vom Fleisch ihrer Tiere und trinken Milch, die oft auch mit Blut der Tiere vermischt wird. Auch eine kleine Schule gehörte zu der Siedlung, die wir besuchten und auch wenn diese Massai Touristen gewohnt sind und sicher auch davon leben und sich dementsprechend präsentieren, war es doch ein recht authentischer Einblick in deren Leben und Alltag. Auch auf unserer heutigen Radetappe begegneten wir immer wieder Massaisiedlungen, die weit verstreut in dieser offenen Buschlandschaft mit ihren Herden leben.

Es war ein wundervoller Tag durch eine prächtige Natur mit postkartenkitschigem, schönem Schäfchenwolkenhimmel . Da saß ich so auf meinem Fahrrad und radelte so vor mich hin und ließ meine Blicke einfach schweifen und fing einfach an zu jauchzen und zu frohlocken  - hey- wow, ich darf das alles sehen und erleben! hey- wow, ich bin echt in Afrika und so wie heute, so hab ich es mir erhofft und erträumt! Was für ein Glück! Was für ein Geschenk!  Mein Fahrrad und ich! Und die ganze Welt scheint dabei so genial perfekt und friedvoll und ........ach, Danke!!!!!!!!!!!!!!!!!

Und nicht vergessen will ich bei all dem Frohlocken herzliche Geburtstagsgrüße zu Dietmar nach Bahrdorf und zum kleinen  Simon in den Schwarzwald zu schicken - alles Gute!!




 



18.März 2010

Drei atemberaubende Safaritage liegen hinter uns. Insgesamt waren wir 11 aus unserer Gruppe, die die Campingsafari zum Manyara Nationalpark, zum Ngorongoro Krater und zum Tarangire Nationalpark mitmachten.

Es war ungewohnt, solange Zeit in einem Landrover zu verbringen, aber es hat sich unglaublich gelohnt. Es ist einfach nur faszinierend, all die wundervollen Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum so nah bewundern zu dürfen, da stockt einem schon öfter mal der Atem, wenn plötzlich ein Löwe oder eine Giraffe vor einem auftaucht.

Im Ngorongoro Krater leben wahnsinnig viele Tiere und da dort keine Bäume wachsen und das Gras auch nicht zu hoch ist, sieht man immer Wildtiere und es ist ein unglaubliches Lifekino und das alles in der absolut ersten Reihe......

Unser Campplatz lag oberhalb des Kraters und in unmittelbarer Umgebung grasen Elefanten und heute morgen, als wir aufbrachen, haben wir 1 km vom Nachtlager entfernt, eine Löwenfamilie getroffen und mein Orangensaft wurde heute Nacht von Pavianaffen vor dem Zelt geraubt..... Etwas mulmig wurde uns dann, als bei der Safari am Mittag ein Elefantenbulle wütend auf unser Auto zurannte..... als Sam, der Fahrer, fluchtartig den Rückwärtsgang einlegte und wir Platz machten, war der Elefant zufrieden und trottete davon.... er wollte einfach zeigen, wer hier Herr im Hause ist!!!!

Uns stehen nun 7 Radtage bis nach Iringa bevor, davon sind 6 auf Piste, wenn es nicht regnet, dann müsste das aber gut zu machen sein.

Die 3 Tage nun waren super klasse, aber auch anstrengend, zumal mich Durchfall mit quälenden Krämpfen eine Nacht lang plagte, aber das kommt und geht alles von alleine und so bin ich guter Dinge.

Danke für all Eure Mails und all die guten Wünsche, eure Begleitung tut mir gut.....

Sorry, ziemlich hektisch verfasster Bericht, wollte aber noch unbedingt meine Eindrücke von der Safari euch schicken und dazu die allerherzlichsten Grüsse: schöne Frühlingstage

Hartmut

            




 




14. März 2010:  Nakumana

Morgen werden wir die Grenze zu Tanzania passieren und das 5. Land auf unserer langen Reise durch Afrika betreten.

Die letzten Tage in Kenia hatten wir viel Sonne und ein weites, offenes und vor allem sehr grünes und fruchtbares Land entlang unserer Etappen - welch Kontrast zu den kargen Wüstenabschnitten im Norden.
Große, fortschrittliche Farmen und Milchviehhaltung, aber genauso kleine, schlichte Parzellen, wo Gemüse und Bananen angepflanzt werden und mit den Ochsen gepflügt wird.

Seit Nairobi begegnen uns auch auffallend viele weiße Menschen, die zum Teil hier wohnen und arbeiten oder einfach hier Safariurlaub machen. Urlaub ist genau das richtige Stichwort: Auch unsere Gruppe teilt sich gerade auf der Hälfte der Tour; Sam, Steve, Caroline und Eric machten sich gestern auf, um den Kilimandscharo in 5 Tagen zu erklimmen; Gabrielle wird mit seiner Freundin Maria, die gestern eingeflogen ist und so manch Überraschung mit im Gepäck hatte, Urlaub in Sansibar machen und auch Jim, David und Eric (wir haben 4 Erics....) zieht es an die schöne Küste; dann machen einige die 6 Tage Safari in die Serengeti und viele  - so wie ich - die 3-Tages-Safari und genauso viele Ruhetage haben wir auch in Arusha.

Ich bin echt schon mächtig gespannt auf Afrikas Wildlife und auf all die faszinierenden Tiere, die ich dann (hoffentlich) zu sehen bekomme - ein absoluter Kindheitstraum seit ich Daktari im Fernsehen als kleiner Bub sehen durfte.
Auch haben einige nun die Tour verlassen und neue Radler sind hinzugekommen, vermissen werde ich sicherlich Mirijam und Alex die ab morgen in der Schweiz wieder arbeiten dürfen/sollen/müssen....... (guten Anfang Euch!); auch unter den Begleitern und Fahrern hat es Wechsel gegeben.... ein richtiges Durcheinander ist das hier und so richtig durchblicken werde ich wohl erst nach den Ruhetagen wieder, wenn uns der Radelalltag wieder eingeholt hat!!!

Heute war eigentlich ein prächtiger Tag - Sonne, schöne Landschaft im Massailand, sonntäglich gekleidete Menschen auf dem Weg zu den vielen, vielen kleinen Gemeinden und Kirchen hier, meist guter Wind und mehr Abfahrten, denn Anstiege.... tja und dann kam die Baustelle und obwohl wir es alle ja besser wissen konnten, fuhren wir auf der mit flüssigem Teer gesprengten Straße weiter und unsere Räder sahen zum Teil katastrophal danach aus. Rahmen, Schaltung, Bremsen, alles war voller Teer und Sand und wie das klebt, könnt ihr euch ja vorstellen... Manche waren stundenlang im Camp mit Putzen und Reinigen beschäftigt und das ging nur mit Benzin wieder einigermaßen sauber; der eine und andere musste  mit Benzin und Diesel gar selbst abgerieben werden, so schwarz und verklebt wie er/sie waren.  Mich hatte es glücklicherweise nicht gar so schlimm erwischt und auch hier war die Rohloffnabe mal wieder ein großer Vorteil - trotzdem habe ich mich geärgert, weil ich dies wirklich voraussehen hätte müssen.

Doch damit noch nicht genug, auf dem glitschigen Teer kam es auch zu einigen Stürzen und nicht alle davon waren harmlos. Es ist echt bedauerlich, wieviele Stürze und Unfälle es auf unserer Reise schon gab; hoffentlich können alle wieder weiterradeln nach den Ruhetagen in Arusha.

Seit Nanjuki begleiten uns einige kenianische Radfahrer und die sind durch die Bank alle total flott auf ihren Bikes unterwegs ; also von wegen Kenia ist nur das Land der Läufer. Aber einer setzt dem ganzen die Krone auf und das ist Dedan. Denn Dedan hat nach einem Unfall 1993 nur noch ein Bein und ist trotzdem schneller als die meisten von uns, es ist einfach unglaublich wie er radelt und sein Traum und Ziel ist es, für sein Land Kenia an den Paralympics in London 2012 teilzunehmen. Ich wünsche diesem sympathischen, zurückhaltenden Menschen dazu von Herzen gutes Gelingen........ es gibt auch eine Homepage von ihm: www.dedanireri.com und www.anewlegfordedan.blogspot.com  !!

Bevor ich den Bericht nun einen Tag später (15. März) abschicke, sei noch erwähnt, dass wir den Kilimandscharo (5900 m) nicht in seiner ganzen Pracht schauen konnten, da er in Wolken verhüllt war und umbettet - wie einer wahren Majestät würdig - nur einmal ganz kurz seinen Gipfel preisgab und es war trotzdem ein erhabenes Gefühl an seinen Füßen entlangradeln zu dürfen, zudem noch im schönen Tanzania, wo ich seit heute anzutreffen bin!










12. März 2010, Nairobi: eine kleine Bilanz

Wir sind nun, nach fast 2 Monaten Unterwegssein, in Nairobi angekommen und auch in Kenias Hauptstadt machte uns der viele Verkehr, all die Abgase und vor allem so manch rücksichtslos fahrendes, motorisiertes Fahrzeug schwer zu schaffen. 
5200 km liegen nun hinter uns, vorgestern sind wir, bei herrlichstem Sonnenschein und blauem Himmel, über den Äquator gerollt und ich freue mich doch, dass ich bislang jeden dieser Kilometer auf meinem Aarios Trekkingrad zurücklegen konnte. Dazu braucht es auch viel Glück und das war nicht allen beschieden. Krankheit, Unfälle  und Stürze, aber auch die heftigen Pisten speziell im Dinger Nationalpark im Sudan und v.a. nun in Nordkenia, zwangen so manche(n) in den Truck zu steigen und das ist bisweilen auch bitter (andere wiederum fahren ganz gerne und öfter mal im Truck mit) . 

Ich hatte meinen Krankheitstag mit Fieber und ziemlicher Müdigkeit glücklicherweise an einem Ruhetag in Bahir Dar/Äthiopien und erholte mich rasch davon und konnte am nächsten Tag wieder aufs Rad klettern und die kleinen Wehwehchen, die man im fortgeschrittenen Alter halt so hat, kommen und gehen von alleine.

Hitze (45 Grad) und lange Wüstenetappen mit freundlichen Menschen im Sudan, kräftezehrende Steigungen im landschaftlich faszinierenden Äthiopien und 500 km übelste Piste (Lavawüste) in Nord-Kenia mit viel Regen , beschreiben in Schlagworten die Abschnitte, durch die einzelnen Länder seit dem Start in Ägypten am 16. Januar.

Fast mehr zu schaffen machte da die Konfrontation mit den Menschen, die zum Teil in erbärmlichen Hütten leben und sichtlich Mangel leiden. Auch die unzähligen bettelnden Hände, die mir entgegengestreckt wurden und das ewige "money, money" Gerufe, speziell in Äthiopien, wo es auch den einen und anderen Steinwurf von Kindern gab (die einige blaue Flecken bei Mitradlern hinterließen) machten mich betroffen.

Freude macht dagegen so manch nette Begegnung entlang der Straße, die vielen fröhlich winkenden Menschen, die staunenden Kinderaugen und das - wenn auch nur oberflächliche - Kennenlernen verschiedenster Kulturen und Völker. Eine beeindruckende Erfahrung ist einfach sehen und erleben zu dürfen, wie die Menschen hier in diesem Teil Afrikas leben, was sie essen, wie sie Wasser beziehen und endlos weit tragen, wie sie Brot backen und die Felder bestellen,  welche Früchte hier wachsen und wie sie frisch schmecken (Mangos, Ananas, Bananen, Avocados, ....), wie die Kinder zur Schule gehen, wie die Religionen nebeneinander leben, was es auf den Märkten zu kaufen gibt, wie mühsam und schwer, vor allem die Frauen, hier schleppen und arbeiten....... so viel mir bislang völlig Unbekanntes!!

Ich darf Afrika vom Fahrrad aus erleben und dies betrachte ich doch als großes Geschenk und als eine einmalige Erfahrung und dies in der Obhut einer großen Gruppe machen zu dürfen ist auch sehr angenehm. Auch wenn ich das mieseste Englisch von allen in der Gruppe spreche, fühle ich mich gut hier aufgehoben und habe den notwendigen Austausch. Wir sind ja auch 5 Deutsche und Schweizer und die Holländer verstehen mich auch ganz gut und mit all den anderen kann ich mich zumindest unter 4 Augen auch gut verständigen, schwieriger wird es in der Gruppe, da verstehe ich nicht alles.

Die Tour ist sehr gut organisiert von der kanadischen Organisation "Tour d‘Afrique"; das Essen ist super lecker und reichhaltig (wir haben mit James einen genialen Koch); es gibt auch entlang der Strecke einmal eine Verpflegungsstelle und dazu noch zwei Energieriegel pro Tag. Eingekauft wird auf den lokalen Märkten und so gibt es eben das zu essen, was vor Ort zu erstehen ist und das ist sicherlich für die Küche manchmal eine Herausforderung. Obligatorisch ist der Hafer- oder Mehlbrei am Morgen. Gut ist auch, dass in jedem Land lokale Radfahrer und Begleiter mit dabei sind und es Infos gibt über Land, Leute und Essen.

Sicherlich hat man in einer so großen Gruppe letztlich weniger Kontakt mit den Einheimischen, als wenn man alleine unterwegs ist und bekommt so wohl auch weniger intensive Einblicke; ein wenig versuche ich dies dadurch auszugleichen, dass ich meist alleine und nicht in einer Gruppe radle.


Geschlafen habe ich bislang jede Nacht in meinem Zelt (das nach all dem Sand und Regen nun auch dementsprechend ausschaut) mit Ausnahme der Nacht in Khartoum, als ich bei Familie Schilling zu Besuch sein durfte und seit meiner Abreise aus Deutschland habe ich nun insgesamt dreimal warm geduscht.

Mein Material hält bislang gut; ein Hinterradmantel musste den vielen spitzen Steinen in Kenias Wüste  Tribut zollen, zerriss auf der Felge und musste ausgetauscht werden. Die Rohloffnabe mit den 14 Gängen funktioniert prima und hält die Wartung und Pflege auf minimalstes Niveau. Mein Ledersattel hat sich inzwischen perfekt meinem Hintern angepasst und ich habe keinerlei Probleme mehr. Am Berg merke ich das Gewicht meines Rades, aber die komfortable Sitzposition entschädigt allemal.

Bei den Racern führen Francis aus Holland bei den Männern und Gisi aus München bei den Frauen ziemlich klar das Feld an; 14 der Teilnehmer konnten bislang jeden Kilometer auf dem Rad zurücklegen und die meisten betrachten diese Tour nun doch mehr als Expedition, denn als Rennen.

Viele der Radler unterstützen mit ihrer Reise caritative Organisationen und Projekte, wie auch der Veranstalter selbst, der an insgesamt 8 Orten entlang der Route Fahrräder an medizinische Einrichtungen, Jugendprojekte und Frauengruppen verteilt. Jeder Teilnehmer hat mit seinem Startgeld ein Fahrrad gesponsert und einige Radler unterstützen dieses Projekt und sammeln auch Geld, um möglichst viele spezielle Fahrräder für diese Zwecke zu finanzieren. Gerald etwa hat allein schon 110 Räder durch seine Aktivitäten zusammenbekommen.

Heute nun fand eine solche Fahrradübergabe mit einer kleinen, eindrücklichen Feier statt; es wurde getanzt und gesungen und uns berichtet, welch guten Dienst die Fahrräder gerade in den entlegenen Teilen des Landes machen und dass durch unsere Radreise und durch dieses Radsponsoring auch das Fortbewegungsmittel Fahrrad an Bedeutung gewinnt und gerade bei den Jugendlichen als populär angesehen wird. Viel wichtiger aber die Möglichkeit medizinische Hilfe dadurch schneller zu ermöglichen und auch selbst hergestellte Dinge und Produkte auf die Märkte der Städte zu transportieren. Also ein Fahrrad kann wirklich in vielerlei Hinsicht viel bewegen.

Ich darf hier nochmal auf meine Spendenaktion für das Unicefprojekt "Schulen in Afrika" hinweisen und danke allen Spendern von Herzen.

Für mich steht nun in Arusha/Tanzania eine 3-tägige  Safari in der Serengeti auf dem Programm, auf die ich mich schon sehr freue; auch drei Tage Radelpause sind durchaus verlockend; ansonsten hoffe ich einfach, dass auch die restliche Tour für mich und uns alle erfolgreich und faszinierend sein wird und wir alle zusammen Kapstadt erreichen dürfen; wo für mich die Radreise dann alleine weitergehen soll und ich in Durban und Johannesburg  die Vorrundenspiele der deutschen Elf gegen Australien und Ghana bei der WM anschauen möchte.

Sonnige Grüße aus Kenias Hauptstadt,
Hartmut














10. März 2010, Nanyuki
 
Noch 231 km bis Nairobi und ein richtig relaxter, halber Rad-Tag liegt hinter uns, der hier im Sportscamp der Stadt einen gemütlichen Ausklang findet; dabei fing alles ziemlich frustrierend an:
 
Morgens um 5:30 Uhr weckte uns mal wieder ein heftiger Regenschauer und versprach einen ungemütlichen Tag; das ganze Gelände eine einzige Schlammwiese, alles nass oder klamm und dreckig und irgendwie habe ich auch die Nase voll, von all dem Regen und Schlamm. Die Klamotten sind muffig; der Fotoapparat hat auf der Linse Kratzer und funktioniert bisweilen nicht mehr recht; das Zelt und die Trucks sind völlig verdreckt, das Fahrrad und die Radtaschen sowieso..... also irgendwie habe ich mir Radfahren in Afrika wettertechnisch doch anders vorgestellt - ganz ehrlich. Und als dann gestern noch, nachdem wir wieder Asphalt unter die Räder bekamen, ich einen Platten hatte und später dann mein Mantel am Hinterrad "explodierte" und ein 2 cm Riß ihn unbrauchbar machte und ich im strömenden Regen meinen Ersatzmantel aufziehen durfte, da war ich doch ziemlich bedient und genervt und gefrustet und überhaupt......
 
Naja, ein Bierchen später und nach getaner Arbeit und nachdem ich mein "Leid" ausführlich geklagt hatte, sah dann die Welt schon etwas rosiger aus und das gute Essen von James hilft mir sowieso aus allen Lebenskrisen......
 
Heute dann erstmal wieder ein kräftezehrender Anstieg am Morgen bei kühlem Gegenwind und leichtem Nieselregen, immerhin auf eine Höhe von 2570 m. Erstaunlicherweise wächst hier Getreide und steht reif auf den Feldern und anscheinend haben die Farmer Probleme beim Einbringen der Ernte, weil es eben ständig und seit Wochen sehr feucht ist.
 
Auch stehen hier endlos riesige Gewächshäuser, in denen all die Blumen angebaut werden, die es im Winter in Europa zu kaufen gibt.... ihr seht, wir haben die kargen Wüsten und unwirtlichen Steppenlandschaften erstmal hinter uns gelassen und nähern uns nun dem  Äquator, den wir morgen überschreiten werden und alles hier ist grün und eben und leider sehr feucht.
 
Beeindruckend war auch, dass wir den Mount Kenia, den zweithöchsten Berg Afrikas mit ca. 5100 m, in seiner ganzen Pracht betrachten durften, davon war am Morgen nicht mal davon zu träumen, aber rechtzeitig haben die Wolken aufgerissen und ein blauer Himmel um den imposanten Gipfel, der recht schwierig zu besteigen ist, bot einen wunderbaren Hintergrund.
 
So ist unsere kleine Radwelt also heute wieder richtig in Ordnung; nach dem Anstieg eine herrliche Abfahrt bei Rückenwind, auch die Wäsche ist inzwischen getrocknet, das Zelt steht auf weichem Rasen, ich hatte seit Wochen mal wieder eine warme Dusche und es ist einfach schön hier in der Anlage des Hotels.....
 
So sende ich euch frohe und selige Grüße und werde den Tag vollends genüsslich bei einem Bierchen mit netten Menschen um mich ausklingen lassen...........................
 
Hartmut










8. März 2010, Isolo

Was für ein Tag, was für ein Regen, was für ein Schlamm......... doch der Reihe nach:

Nach einer brütend warmen Nacht morgens um 5:30 Uhr Gewittergrollen und kurze Zeit später setzt dann der Regen heftigst ein..... mir fehlen genau zwei Minuten beim Zeltabbau und so ist doch alles nass geworden..... Das trockene Flussbett, wo manche campten, wird innerhalb einer halben Stunde zum strömenden Bach (alle sind zeitig raus gekommen), denn für eine Stunde haben wir satten Platzregen, der alles unter Wasser setzt.

Wir frühstücken und packen im Regen, es tropft in die Tasse und der Kaffee darin wird zunehmend dünner. Land unter und doch schwingen die meisten sich auf die Fahrräder.

In der ersten Stunde schaffe ich gerade mal 8,5 km, die Reifen sinken auf der aufgeweichten Piste ein und mit meinen Sandalen rutsche ich ständig vom Pedal, ich bin klatsche-naß und schwitze in meinem Regencape und kämpfe mich vorwärts, ständig auf der Suche nach der halbwegs besten Spur, auf der unter Wasser stehenden Piste. Der rötliche Schlamm der Straße spritzt mir ins Gesicht, auf die Beine, an die Lenkertasche..... alles ist voll damit; die Kette knarzt wie Schmirgelpapier und auf den Bremsen poliert der grobe Dreck die Felgen..... Regen, Matsch, Schlamm, Verzweiflung....... aber einfach auch einmalig und eine Grenzerfahrung für Geist und Körper und auch wenn Singen heute schwer fällt, versuche ich mich mit den Bedingungen anzufreunden und sie vor allem anzunehmen und es geht dann alles irgendwie leichter.....
Der Regen lässt nach und setzt dann wieder stärker ein; kleine Bäche graben sich in die Piste und darin fährt es sich noch am besten........ nach 40 km, ganz unerwartet, dann eine zweite, weitaus bessere Piste, da ab hier bis Isolo gerade an einer neuen Straße gebaut wird und das Vorwärtskommen geht um Längen leichter...... immer wieder riesige knietiefe Pfützen, durch die wir mit vollem Speed durchrauschen...... sicher Gift für alle Lager und Naben am Rad aber heute gibt es davor kein Entrinnen und zumindest die Kette wird für kurze Zeit gesäubert....... wir stehen alle vor Dreck und Schlamm und irgendwie auch vor Stolz, dass wir das jeder auf seine Weise geschafft haben...... wir Radler, aber auch die Fahrer der Trucks und Begleitfahrzeuge - grandios und genial!!!

Im Camp werden die Räder in den großen Pfützen notdürftig gesäubert und vor allem die Ketten und Schaltungen gepflegt. Wir mit der Rohloff Nabenschaltung haben bei diesen Bedingungen ganz klar einen großen Vorteil und viel weniger zu putzen........ noch 30 km Piste morgen und dann lacht wieder der Asphalt auf dem Weg über den Äquator, zum Mount Kenia und nach Nairobi!!!





7. März 2010

Ich sitze satt, durstig, müde, geschafft und rundum zufrieden vor meinem Zelt, das drohende Gewitter hat sich verzogen und wir können einen prächtigen Sternenhimmel beobachten. Ruben neben mir tauscht seinen Reifen, da er es heute auf stolze 6 Platten gebracht hat (absoluter Rekord!); allesamt verursacht durch diese gemeinen Dornen, die es hier überall gibt; morgen wird er nun pannengeschützt über die Piste brettern- toi toi toi!!!!!

Unser Ruhetag in Marsabit gestern war mal wieder heftig verregnet und die sogenannte  Straße war eine einzige rote, schmierige Soße, die sich an die Reifen und Schuhsohlen pappte...... einige Autos saßen im Matsch fest und selbst die Allradwagen hatten so ihre liebe Mühe, mit dem Vorwärtskommen..... Radeln wäre da vollkommen unmöglich gewesen...... also lassen wir uns hier im katholischen Center von den Schwestern jugendherbergsmäßig verwöhnen und die sind recht geschäftstüchtig und erhöhen mal eben die Preise, backen Eierkuchen und frittieren Zuckerküchle zum Tee und machen den besten Umsatz des Jahres mit uns und da es wirklich gut schmeckt, soll es ja recht sein...... glücklicherweise hört es gegen Mittag auf mit regnen und wir können Wäsche waschen und trocknen und Hoffnung schöpfen, dass die Piste abtrocknet......

Tja und so machten wir uns also heute Morgen bei frischem Wind und viel Dunst und Nebel auf den Weg Richtung Isolo. Die dirt road bot heute alle möglichen Facetten: Wellblech, Matsch und Sand...... viel Abwechslung war da geboten und vor allem die Schlammstellen waren recht abenteuerlich, da man immer abzurutschen drohte und ich war echt froh, dass ich meine Schutzbleche abmontiert hatte und der Schlamm so sich nicht drunter festkleben konnte. Von den heftigen Regenfällen im Norden Kenias und den schweren Überschwemmungen bekamen wir insofern etwas mit, dass einige Gegenden unter Wasser standen und auch die Piste zweimal knietief von braunen Wassermassen unterspült war und wir durchwaten mussten.

Einer der Trucks blieb darin stecken und es war ein spannendes Unterfangen, bis er wieder raus kam.  Festgefahren im roten Matsch waren auch zwei junge Spanierinnen, die mit ihrem Renault Espace durch Afrika fahren und denen wir immer wieder begegnen und jedes Mal schließen wir Wetten ab, dass sie jetzt bestimmt nicht mehr weiterkommen, aber irgendwie schaffen es die beiden doch - auch dank unserer Hilfe: Einmal haben wir sie raus geschoben, was mir völlig verdreckte Sandalen und Matsch zwischen die Zehen einbrachte und durch das knietiefe Wasser ist einer unserer Fahrer für die Damen erfolgreich gefahren...... mal sehen, wer schneller letztlich in Isolo (da fängt wieder der Asphalt an!) ankommt, wir mit den Rädern oder die beiden im Renault......?

Faszinierend sind die lokalen Stammesmenschen (es sind keine Massai wie ich fälschlicherweise behauptete!),  denen wir immer mal wieder begegnen. Mit ihren bunten Röcken und Tüchern, mit ihren Federn und all dem Schmuck den sie tragen, strahlen sie einfach etwas ganz Besonderes auf uns aus und erfreulicherweise sind sie auch recht interessiert an uns; fotografieren allerdings ist eher schwierig, aber auch da gibt es erfreulicherweise Ausnahmen; Gerald und David überzeugten gar zwei junge Stammesangehörige doch mal auf ihre Fahrräder zu steigen...

Andere treffen wir an einer großen Wasserstelle, die mit hohen Bäumen umwachsen ist, die Schatten spenden. Kamele und Schafe und Rinder und einige Esel tummeln sich um Wasser und Schatten; einige der Massai baden und waschen sich und lassen sich auch durch vorbeifahrende Radler nicht weiter stören.... warum auch ! Am Nachmittag wird es wieder sehr heiß und die Piste wieder quälend holprig und die Handgelenke schmerzen wieder und ich komme nur mühsam vorwärts..... doch dieser Tag steckte so voller Vielfalt, dass ich es heute besser aushalten kann und spät aber gut ins Camp komme.

Dort gibt es dann kalte Cola aus dem Dorf und später dann Spaghetti satt und einen Campwächter vom Ort, der uns von den Hyänen erzählt, die Schafe und Ziegen reißen und neulich gar ein Kind angefallen hätten und von Giraffen und Zebras, die hier zu sehen seien, wenn man die Stellen kennen würde, wo sie Wasser aufsuchten so wie er........ Bewacht wird unser Camp von zwei Einheimischen, bewaffnet mit einem langen Speer und mit Pfeil und Bogen...... das hat irgendwie Charme!!!
 

06./07. März 2010

Wir haben heute Nacht "Land unter" und Regengüsse ohne Ende, alles ein Schlamm nun, keine Ahnung, ob wir morgen überhaupt radeln können, riesige Pfützen! Naja, wenn es aufhört mit dem Regen, dann trocknet es wohl auch schnell. Internet sendet nur bedingt und ich konnte nichts mehr schreiben. Ansonsten Husten, aber kein Fieber mehr, im katholischen Zentrum fühle ich mich einfach wohl.... soviele Schwestern um mich rum, das tut nun doch gut..............

Hier noch einige Fotos mit freundlicher Genehmigung von Gerald Coniel:

5. März 2010

Gestern Abend, beim nächtlichen Gang mit dem Spaten in die unendlich scheinende Steinwüste, begegnete ich beachtlich großen, leuchtenden Spinnen; wie unsere Glühwürmchen strahlen sie ein warmes Licht aus, nur sind die Tierchen viel größer..... mal nachforschen, ob die noch andere Angewohnheiten haben. Meine Stirnlampe zieht einiges Getier an und ich bin bald umschwirrt von allerlei Insekten, dabei wollte ich doch eigentlich ein stilles Örtchen aufsuchen......

Die Nacht ist unerträglich heiß, im Zelt hat es 31 Grad und ich schwitze die 5 großen Tassen Tee, die ich am Abend getrunken habe, aus meinen Poren..... an Schlaf ist da nur bedingt zu denken.
Später dann Fieberschübe, die ich diesmal gleich mit einer Paracetamol-Tablette konfrontiere und dazu huste ich zähen Schleim, das hatte sich die letzten Tage allmählich angekündigt.

Am Morgen dann bin ich wieder überraschend munter und fühle mich, trotz dieser alles anderen als erholsamen Nacht, erstaunlich gut. Ich trinke Unmengen an Kaffee und Tee und gönne mir 2 Portionen Müsli, schließlich wartet harte Piste auf mich und ich habe ziemlich Respekt davor.

Die Straße ist die ersten Kilometer genauso schrecklich, wie gestern, es ist ein Jammer, wie ich mich vorwärtsholpere..... es gibt einige Stürze, zum Glück meist glimpflich, nur eine Wunde muss später in Marsabit in der Klinik genäht werden. Ich radle ja mit meinen Sandalen, ohne Klickpedale und da ist das Sturzrisiko doch ziemlich minimiert; dafür bringe ich weniger Power auf die Pedale.

Es wird ein heißer Tag werden, nur wenige Wolken zeigen sich am Himmel und wir hatten einen wundervollen Sonnenaufgang. Ich bewundere unsere schnellen Mountainbiker, die anscheinend mühelos an mir vorbeiziehen und vor allem Tim, der mit seinem Crossbike mit den Mountainbikern Simon, Francis und Jethro um den Tagessieg fährt, den Gisi bei den Frauen schon fast abonniert hat.

20 km triste dunkle Steinlandschaft, dann ändert sich allmählich die Umgebung und es kommt wieder mehr Leben auf die Erde um uns herum; einzelne Bäumchen und Büsche, die mehr und mehr werden und unter die sich mit der Zeit sogar etwas Gras mischt. Auch die Piste wird streckenweise erträglich und zu allem Glück kommt dann eine kleine Siedlung oder besser, ein Rasthaus (schließlich sind wir ja auf der einzigen Verbindungsstraße zu Äthiopien, also auf dem Trans-Africa-Highway!!!) mit kalten Getränken und dort wartet auch der Truck mit der Verpflegung und mit herrlich reifen Mangos.

So gestärkt mache ich mich auf, die restlichen 50 km Richtung Marsabit, das Thermometer hat die 40 Grad längst überschritten und die Piste wird wieder zum Geröllfeld und das Vorwärtskommen eine einzige Pein.

Ich freue mich an jedem Schaf, an jedem Kamel und an allem, was mich irgendwie ein wenig ablenkt...... denn ich weiß bisweilen nicht mehr, wohin mit meinen Gedanken, mit meinen schmerzenden Armen, mit meinem trockenen Gaumen und mit all dem Schweiß der mir in die Augen läuft. Mich treibt allein das Ziel, anzukommen und die Tatsache, dass morgen ein Ruhetag ist, motiviert auch.

Ich weiß nun auch warum Kenia das Land der Läufer und eben nicht der Radfahrer ist, denn zum Radeln ist diese Kies- und Geröllpiste hier definitiv nicht geeignet und ich bekomme schon Wutanfälle, wenn ich mal wieder stecken bleibe und schier vom Rad falle, jeder von uns kämpft hier so seinen eigenen Kampf mit sich und den Bedingungen.

Doch irgendwie geht ja alles irgendwann vorbei und so auch dieser lange und widrige Radtag und wie glücklich bin ich doch, als ich die ersten Hütten und Häuser von Marsabit sehe und seine Bewohner, die ich alle enthusiastisch begrüße.
In Marsabit steuere ich schnurstracks den ersten Getränkeshop an und trinke 2 Flaschen Cola auf einen Zug - das mach mir erst mal jemand nach!!!!! 

Unser Camp ist 2 km außerhalb in einem schönen katholischen Zentrum, das von einigen Schwestern betreut wird. Auch hier hält sich Christentum und Islam, den Gotteshäusern nach zu urteilen, etwa die Waage.

In Marsabit selbst gibt es nicht viel zu sehen; lohnen würde sich sicherlich ein Ausflug zu der Vulkankraterlandschaft im Nationalpark mit seinem Wildlife, von dem wir auf dem Fahrrad, außer ein paar Geiern, die sich am Aas von zwei Schafen weideten, leider nicht viel sahen; der Ort selber ist gezeichnet von vielen schmuddeligen Wellblechkiosken, einer holprigen, rötlich erdigen Durchgangsstraße, zwei pompösen Banken und Tankstellen und einfachsten, kleinen Cafés und Restaurants.
Wie so oft hier in Afrika bin ich auch hier überrascht, wie viele Menschen hier leben, denn die Größe des Ortes steht in keiner Relation zu der Anzahl der vielen, vielen Menschen die hier überall auf den Straßen anzutreffen sind.

Auf dem Weg zum Camp begegnete ich einem Massai-"Krieger"; ein großer kräftiger Mann in einem roten Rock, mit nacktem Oberkörper, einem Speer und viel Schmuck - den eine stolze Ausstrahlung umgab und ich war richtig ehrfurchtsvoll bei seinem Anblick und kam gar nicht mal auf die Idee, ihn zu fragen ob ich ihn vielleicht gar fotografieren durfte.......

Hier im Camp hat es eine kleine Kirche und eine schöne Marienstatue und wir werden von den Schwestern hier gegen kenianische Schillinge gut bekocht und auch mit kühlen Softdrinks und mit viel  Bier versorgt, das nach diesem Radtag doch ganz besonders schmeckt und ich denke mal, die Schwestern sind durchaus beeindruckt, was wir alles wegfuttern und wegtrinken an diesem lauen Abend, der für die meisten erst spät endet.


4. März 2010, Lava Stone Camp

Ich bin fertig wie ein Schnitzel und durchgeschüttelt und sowas von platt und müde.

Dabei fing der Tag doch so schön an und wir hatten die ersten 60 km wieder eine angenehme Piste, rötliche Erde mit Büschen und diesen gefürchteten Dornenbäumen, deren Äste einen wirklich böse weh tun können.

Es gab wieder etliche nette Erlebnisse entlang des Weges; der Himmel wurde blau und blauer, am Horizont schöne Felsen und Berge und dazu noch eine kleine Ortschaft mit Cola. Dann hatte ich gleich zweimal ziemlich Stress, weil ich eine Kamelherde fotografierte und der Mensch, dem diese Tiere anscheinend gehörten, darüber ziemlich erbost war und ich sehr diplomatisch werden musste, um ihn wieder etwas zu besänftigen; dabei hatten doch die Kamele gar nichts dagegen...... naja, war auch noch nicht so dramatisch.

Das wurde dann aber die restliche 25 km lange Strecke bis zum Camp, denn die Piste bestand nur noch aus Geröll und Steinen und sie war zu allem möglichen geeignet, nur nicht zum Fahrrad fahren. Mit gerade noch 10 km in der Stunde hopelte und quälte ich mich vorwärts und es wurde dazu heißer und heißer und einfach nur noch unerträglich. Wind blies mir wie ein Fön ins Gesicht und besserte mein Wohlbefinden absolut nicht.

Die Landschaft veränderte sich mehr und mehr und wurde zur kargen und fast schon trostlosen Steinwüste, genauer Lavasteinwüste - vor Millionen Jahren entstanden und sowas von lebensfeindlich und doch leben hier Menschen mit ihren Herden und ziehen umher; es ist mir echt unbegreiflich, wie sie hier leben und vor allem überleben können.

Das Radeln erfordert vollkommene Konzentration und der Blick ist stur auf die Fahrbahn gerichtet, um wenigstens den gröbsten Steinen ausweichen zu können und jeder Blick in die Ferne und auf die Landschaft birgt die Gefahr eines Sturzes und das macht die Sache noch quälender und ätzender.....

Hey, was bin ich heute froh an dem mp3-Player und dem genialen Musikmix ,den Harald mir darauf abgespeichert hat; ich glaube ohne die Musik wäre ich heute nicht durch den Tag gekommen...... Danke Harald dafür!!!!!

Mitten im Lavagestein nun unser Camp, ich trinke ohne Ende, bin total aufgeheizt, mein Hals und die Bronchien kratzen und meine Beine sind müde und schwer. James hat ein köstliches Abendessen mit Reis und Gemüse gekocht und ich gönne mir noch einen Extra-Teller Milchreis, indem ich einfach den Reis mit Milchpulver und Unmengen Zucker mische.... ein Gedicht!!! Und ein Trost, denn morgen wartet einer der härtesten Tage der ganzen Tour auf uns, wie beim Ridermeeting angekündigt wird.... na dann gute Nacht und angenehme Träume........





3. März 2010, Sololo

Welch ein schöner Tag heute und was durfte ich doch alles erleben und sehen. Die dirt  road Piste war für die Montainbiker unter uns ein richtiges Highlight und ein Genuss und auch ich  kam ungefedert und deutlich gemächlicher ganz gut zurecht. Bisweilen war die Straße ziemlich ausgewaschen und tiefe Löcher und Wellblechmuster erschwerten das Vorankommen, aber in aller Regel fand sich immer eine gute Spur zum Radeln.

In Kenia ist ja nun auch Linksverkehr, aber das spielt hier nun absolut keine Rolle, da man eben da fährt, wo es am besten geht und außerdem begegnete mir heute vielleicht alle Stunde mal ein Truck .

Die 80 km die es heut zu radeln galt waren also schon bis zum Mittag geschafft und da sich auch die dicken Regenwolken am Vormittag vornehm zurückhielten, hatten wir klasse Bedingungen; neben der Straße sah man Zeichen der Unwetter vom Wochenende und man konnte erahnen, wie diese Straße bei Regen aussehen wird.

Entlang der Strecke immer mal interessante Begegnungen; hier eine riesige Kamelherde, da ein paar Hirten mit ihren Rindern, mal eine Art Streifenhörnchen, das einem vor der Nase über den Weg huscht, prächtig bunte Vögel, eine imposante Pavianfamilie, kleine Antilopen und dann erzählten manche auch von einer bewaffneten Bande, die ihnen auf der Straße begegneten und die angeblich Elfenbein und ähnliches nach Äthiopen schmuggeln.
Unser Camp lag an der Trinkwasserquelle eines kleinen Dorfes, ein richtiger kleiner See und wir durften miterleben, wie am Abend eine wahre Völkerwanderung mit diesen gelben Kanistern stattfand und Jung und Alt Wasser schöpfte. 
Die Menschen hier im Norden von Kenia sind ausgesprochen angenehm und da Englisch zweite Landessprache ist, klappt es auch mit der Verständigung meist ganz gut und es gab viele wirklich nette Begegnungen zwischen Jugendlichen, Kindern und uns Muzungus.
 
Gleich beim Camp gab es einen  kleinen Laden und Gerald und ich verbrachten fast eine Stunde bei der Familie in der Hütte, wo die Küche sich befand und durften beim Pfannkuchenbacken am offenen Feuer zuschauen und natürlich auch welche essen. Das war total faszinierend und auch deshalb so eindrücklich, weil die Mehrgenerationenfamilie einen so harmonischen und zufriedenen Eindruck ausstrahlte.

So richtig abgerundet wurde der schöne Tag mit einem prächtigen Sonnenuntergang und dazu gab es Saft, Softdrinks und kenianisches Bier aus dem Laden - was braucht es mehr als das.























2. März 2010,  Moyale

Wir sind in Kenia und das kam so:

Nach dem etwas tristen Ruhetag in Yabello durfte ich einen wunderschönen Radtag ganz ohne Regen durch das eher flache, südliche Äthiopien erleben. Ich radelte meist mit Ruben, Gerald, Laura und Gabriele durch, für äthiopische Verhältnisse, eher einsame Landschaften, deren unglaubliche Weite, gepaart mit einem schönen Wolkengemix, uns ein ums andere mal sehr beeindruckte und auch mein Heimweh besänftigte.

Unser Camp lag in der Nähe von sogenannten, singenden Quellen. Die Menschen hier graben für ihr Vieh lange tiefe Rampen, bis sie auf eine tief liegende Wasserquelle stoßen; von dieser Quelle schöpfen sie Wasser in die Wassertröge ihrer Tiere und dabei singen sie und einfach deshalb nennt man dies die singenden Quellen; das Graben dieser Quellen geschieht, wie alles hier, mit purer Handarbeit und muss eine wahnsinns Arbeit sein, da der Boden hart und steinig ist.
Begegnet sind wir auch einem bemerkenswerten Vogel. Das Männchen baut 3-4 Tage lang voller Eifer ein Nest und präsentiert dann, nach getaner Arbeit, dieses Nest seinem trauten Weibchen..... doch meist findet das Nest auf weiblicher Seite kein Gefallen und völlig frustriert wird das Nest zerstört und wieder ein neues gebaut und diese Geschichte kann sich durchaus einige Male wiederholen, bis das ach so geliebte Vogelweibchen mit dem Bauwerk zufrieden ist und mit dem Einzug begonnen werden kann..... Sachen gibt es......

Im Örtchen Mega machten wir Kaffee- und Colastop und ich hatte eine schöne Begegnung mit einigen dieser wundervoll gekleideten Frauen, deren Ausstrahlung mich immer wieder aufs Neue fasziniert und glücklicherweise durfte ich diesmal auch ein Foto machen.

In der Nacht dann wieder etwas Regen und die Klamotten werden und werden nicht trocken; dann ist auch noch der Ersatztruck ausgefallen da der Starter defekt ist..... es kommt eben oft alles anders als man denkt und so manche Pläne des Morgens müssen am Abend über den Haufen geworfen werden, doch aufhalten kann uns dies natürlich nicht auf unserer Reise durch Afrika und außerdem muss an dieser Stelle auch erwähnt werden, dass unser Begleitteam eine super Logistik hat und alles bestens auf die Reihe bekommt- ganz großes Kompliment an Tour d‘Afrique!!!! 

Heute früh kurbelten wir die letzten 80 km auf äthiopischem Boden runter und der Grenzübertritt war recht unspektakulär, ging rasch vonstatten und mit 25 Dollar auch um die Hälfte günstiger als wohl noch im letzten Jahr! Nun also sind wir in Kenia- "karibu"-welcome! Nun sind wir keine "ferengi" (Fremder) mehr, wie in Äthiopien, sondern "Mzungu" (weißer Mann) und "Hallo" heißt ab nun nicht mehr "Salam", sondern "Jambo"!!  Mal sehen was sich sonst noch alles für uns ändern wird.
Im Camp werden die breiten Marathon Extreme Reifen aufgezogen, mit denen ich ja schon die ganze Zeit über unterwegs bin und ich montiere mein Schutzblech ab..... knapp 500 km übelste Piste wartet nun auf uns auf dem Weg von Moyale nach Morsabit, der gefürchteste Teil der ganzen Afrikaradreise steht uns nun bevor und blöderweise droht immer noch weiterer Regen, die ganze Piste noch schwieriger und zudem schlammig  werden zu lassen ....... wir sind alle sehr gespannt was uns da die nächsten Tage erwarten wird und ob jeder einzelne von uns dem gewachsen sein wird...




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