Reisebericht Teil 3

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Juli:   07.07.                  

 
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07. Juli 2010 Dank, Spenden und Landesschau

Nach einer wirklich schönen Woche zuhause mit Familie, Freunden, Fußball, Sommer, Sonne und "Heckafescht" in Bermaringen, hat mich nun seit Montag das Altenpflegerdasein wieder.... und die Umstellung ist doch immens nach fast 6 Monaten, aber ok....

Danke für all die vielen lieben Willkommensgrüße - ach, das ist echt schön und ich genieße es in tiefen Zügen......

Im UNICEF Büro haben wir die Preise meiner Spendenaktion verlost - herzlichen Glückwunsch an die Gewinner und danke an die evang. Heimstiftung, an das Fahrradgeschäft Reyhle und an den DFB, die das Wochenende in Isny und das Mountainbike sowie das Deutschland-Trikot mit den Unterschriften spendierten.

Vorallem aber möchte ich von Herzen allen Spendern für das UNICEF Projekt "Schulen für Afrika" danke sagen, für die über 7000.- Euro an Einzelspenden, die hierfür eingegangen sind.... das ist fabelhaft und grandios und macht nicht nur mich glücklich!!!
 
Für morgen habe ich eine Einladung zur Landesschau im SWR Fernsehen bekommen und dort gibt es dann auch einen kleinen Beitrag zu meiner Radreise; Sendezeit: wohl so gegen 19:20 Uhr.
 
Aber heute gilt alle Freude, Spannung und Hoffnung dem Halbfinale unserer phänomenal aufspielender Nationalmannschaft am Abend gegen Spanien und es ist einfach nur herrlich mitzuerleben, wie fast ein ganzes Land mitfiebert und mitfeiert und sich anstecken lässt von dieser Begeisterung.
 
In diesem Sinne liebe Grüße und uns allen einen tollen Fußballabend, Hartmut


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27. Juni 2010 Daheim


Ich bin wieder daheim; meine Männer-WG in Ulm hat mich wieder und das Wiedersehen mit Familie und Freunden in Bermaringen und Wippingen war natürlich einfach nur schön und herzlich. Wie schön ist es doch auch ein Zuhause zu haben und Menschen die sich freuen, einen wieder mal in die Arme zu nehmen.
 
Vorgestern war ich in Frankfurt gelandet und habe, nachdem ich etwas verloren vor dem Flughafen mit meinem Fahrrad stand, doch jemand gefunden, der mir - nachdem ich ihn doch tatsächlich auf Englisch angesprochen hatte - einen Weg aufgezeigt hat, der mich abseits all der vielen Auto- und Kraftfahrzeugsstraßen dort aus diesem Verkehrsknotenpunkt gen Süden rausgeführt hat.
 
Ja das passiert auch nicht alle Tage dass man nach einem Urlaub in Afrika wieder heimkommt und es ist hier wärmer als in Afrika ist. Herrliches Sommersonnenscheinradelwetter begrüßte mich da doch am Flughafen und zudem ist es hell bis um halb Zehn und so radelte ich noch bis zur Jugendherberge in Weinheim; am nächsten Tag ging es über Heidelberg auf dem wunderschönen Neckarradweg dann nach Marbach und es war ein entspanntes Radeln durch herrlich grüne Landschaft und ich genoss diesen Tag in vollen Zügen; vor allem auch die häufigen Naschereien an der einen und anderen Erdbeerplantage und an Kirschbäumen, die voll von dicken reifen Herzkirschen hingen.....ach wie ist es doch auch schön in Deutschland zu radeln, das - Fußball macht es möglich - in manchen Ortschaften einem richtigen Fahnenmeer gleicht .
 
Nachdem ich mich in Marbach dann von Moni und Chris hab verwöhnen lassen, sollte es am Sonntag vollends auf die Alb und nach Ulm gehen und wie sehr habe ich mich auf diese letzte Etappe meiner Reise auch schon gefreut und wegen des Länderspieles bin ich in Marbach in aller Herrgottsfrühe losgeradelt und ließ mich vom Gesang der Vögel anstecken und war froh und erfüllt. Tja und dann kracht mir doch tatsächlich in Schorndorf nach 15055 Kilometern meine Kurbel ab und die Radlerei fand jäh ein Ende und das 65 km vor dem letzten großen Ziel der Reise......unglaublich,.... also kein Albaufstieg mit dem Fahrrad..... sondern im Bummelzug nach Ulm, wo mich Werner am Bahnhof abholte und herzte und wo ich dann mein kurbelloses, nachtblaues Afrikafahrrad gegen das grünbläuliche Chinafahrrad eintauschte und vollends nach Bermaringen trabbte, wo mich Jule unter dem bunten Willkommensschild schon freudig erwartete................
 
Mir bleibt noch euch allen von ganzem Herzen danke zu sagen für Eure Begleitung in den letzten knapp 6 Monaten. Dies zu spüren und zu wissen, war mir ein ganz, ganz wichtiger Gefährte und ein unschätzbar wertvoller Schatz. Danke auch Allen die mir diese Reise ermöglicht haben, die mich unterstützt haben, die für das UNICEF Projekt gespendet haben, mir Ausrüstung und Know-How zur Verfügung gestellt haben und sich hier um Post und Homepage gekümmert haben. DANKE und immer wieder DANKE für alles was Ihr für mich getan habt!!!!!!! Die Welt ist voller grandioser Menschen und Ihr seid ein Teil von Ihnen und ich freu mich auf all die vielen Begegnungen mit Euch die nun auf mich hier warten; bis bald und meinem Schulfreund Matthias gratuliere ich noch ganz dolle zu seinem Geburtstag.

Hardy; nun nicht mehr auf Tour!


 


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25. Juni 2010

Ich bin in Cairo gelandet und komme Europa und Deutschland und Ulm näher und näher und heimatliche Gefühle machen sich breit und vermischen sich mit dem Abschied nehmen von dem Kontinent Afrika.
 
Das ist schon total verrückt, da bin ich nun in 8 Stunden über ganz Afrika geflogen und ganze 4 Monate hatte es gedauert diesen Kontinent zu durchradeln.
 
Am Flughafen war es noch einmal recht spannend, was den Transport meines Fahrrades anbelangte. Ich hatte es nicht als Extra-Fluggepäck angemeldet und auch nicht in einen Karton verpackt und als ich dann beim Einchecken endlich an der Reihe war, hieß es, so könnte man das gute Stück nicht mitnehmen und ich müsste es zumindest mit Folie einwickeln lassen; also wieder runter in den Keller, wo dies gemacht wird;fotos/P1110862kl.JPG dort war keine große Folie mehr da und musste erst organisiert werden und ich hatte kaum Bargeld mehr und anders konnte man nicht bezahlen; aber schlussendlich hat es dann doch geklappt, das Fahrrad wurde umhüllt mit Folie und mit einer ganzen Rolle Klebeband umwickelt und bezahlt habe ich mit 3 Dollarscheinen, einem 5 Euroschein und 30 Rand die ich noch übrig hatte und irgendwie fanden das alle ganz ulkig mit meinem Fahrrad.
 
Dann wieder hoch zum Einchecken und Wiegen und ich war schon recht hibbelig und die hübsche Dame von Egypt Air war es auch, weil sie so gar nicht recht wusste, was sie denn mit meinem Fahrrad samt mir machen soll und ich hab sie mit flehendem Blick und stotternden Worten versucht zu überzeugen, dass man das Rad doch einfach so mitnehmen könne und, nachdem sie sich bei einem Kollegen rückversichert hat und außerdem mein Gezappel dann irgendwann zuviel wurde, haben sie das Fahrrad tatsächlich einfach aufladen lassen und es verschwand hinter der Tür, auf der "Sperrgepäck" steht und ich musste nicht einen Cent dazubezahlen und bedankte mich allerherzlichst bei der wirklich sehr hübschen jungen Dame mit der hochgesteckten Frisur von Egypt Air.
All die anderen Passagiere die in der Ein-Check-Schlange standen verfolgten interessiert das Geschehen um mein Fahrrad und nahmen regen Anteil daran, was mich wiederum freute.
 
Der Nachtflug verlief dann entspannt und ruhig, dummerweise habe ich beim Buchen des Fluges als Essensvariante "vegetarisch/Rohkost" angekreuzt und so bekam ich zum Abendessen wie zum Frühstück eine prall gefüllte Schale voll Gemüse, darunter rohe Bohnen, rohe Pilze, rohe Brokkoli und rohen Blumenkohl - und ich hatte doch tierisch Hunger, weil ich ja mein ganzes restliches Bargeld fürs Fahrrad einwickeln opfern musste und mir folglich am Flughafen nichts Essbares mehr kaufen konnte..... naja, glücklicherweise waren auch ein paar Karottenstreifen mit dabei..... dennoch war mein erster Weg in Cairo der zum Frühstück im Fast Food Restaurant; alles andere war noch geschlossen früh am Morgen.
 
Von Gerald habe ich mir einige seiner wunderbaren Fotos kopiert und mir eben nochmals angeschaut und dabei selber gestaunt, was ich da alles erleben und schauen durfte und die Erinnerungen wurden dabei sehr lebendig an unendlich viele Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen Afrikas, an die heißen Wüstentage im Sudan, die Lavagesteinswüste Kenias, an die beeindruckende Nilschlucht und die vielen, vielen Kinder und offenen Hände in Äthiopien, an all das frische, herrliche Grün in Tanzania und die unzähligen kleinen Bananenplantagen dort, an die Wohltat, endlich im herrlichen Malawisee schwimmen zu können, an die unglaublichen Victoria Wasserfälle in Sambia, an die ewig langen Etappen in Botswana, wo wir am Ende Land unter hatten vom vielen Regen , aber auch eine faszinierende Flusssafari auf dem Choberiver erleben durften und schließlich an die atemberaubende Wüstenlandschaft und die sagenhaften Sanddünen in Namibia...... all das und unzähliges Mehr durfte ich auf meiner Fahrradreise kennen lernen und von alledem werde ich mein ganzes Leben lang zehren dürfen und wohl ab und an selber ungläubig darüber staunen, dass ich das wirklich alles erradelt und gesehen habe. Welch großartiges Geschenk dies doch ist!! Und wenn man dann, wie ich nach so einer langen Reise dankbar sagen darf ,dass man dabei immer das Gefühl hatte unter einer guten, beschützenden Begleitung unterwegs gewesen zu sein, dann ist dies auch etwas ganz, ganz Bedeutendes und wird mir ewig Kraft sein und Gewissheit bleiben.





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24. Juni 2010 Stadion
 
Guten Morgen,
 
die Stimme noch kratzig und die Augenlider noch sehr schwer aber siegestrunken und glücklich am Morgen nach dem so, so wichtigen Spiel gegen Ghana...... super Atmosphäre und echt klasse Stimmung im herrlichen Stadion von Soweto in Johannesburg; so macht Fußball gucken Laune, ein Fest war das und bunt war es und laut und Trommeln und Vuvuzelas und Fahnen und lauter glückliche Menschen um einen herum.... und ich durfte mittendrin sein -WOW.... und jetzt gibt es bestimmt nochmal 4 Spiele unserer Jungs, bei denen wir mitfiebern und mitfeiern können!!!!
 
Doch der Weg ins Stadion war echt beschwerlich, da die Autobahn ziemlich voll war und es nur zäh voranging. Aber das ist Alltag hier in Johannesburg; doppelstöckige, mehrspurige Autobahnen schaffen es nicht, mit all den Fahrzeugen Herr zu werden, die da vor allem zur Rush Hour durch die Millionenstadt sich mühen. Es gibt hier praktisch keine öffentlichen Verkehrsmittel und kaum Schiene und so tummelt sich eben alles auf den Straßen und das kann nicht reibungslos funktionieren.
 
Die Fahrt vom Flughafen (wo wir Geralds Schwager samt Familie absetzten für deren Flug nach Helsinki) zum Park & Ride Parkplatz des Stadions dauerte nervöse 1,5 Stunden und vom Park & Ride mit dem Shuttlebus waren es nochmals 30 Minuten und dann noch 25 Minuten Fußweg und endlich, endlich waren wir im Stadion und hatten noch ausgiebig Zeit, um die fühlbar angespannte und prickelnde Atmosphäre auszukosten und verbreiteten mit 85000 anderen Fans Gänsehautstimmung pur.
 
Nach dem Spiel wollten wir zum Auto zurücklaufen, weil die Schlange vor den Bussen immens war und bahnten uns einen Weg durch all die glücklichen Menschen und verfranzten uns hoffnungslos im Straßenwirrwar und in der Dunkelheit.....
 
Johannesburg nun mag eine der unsichersten und gefährlichsten Städte der Welt sein, aber es ist auch eine Stadt, wo einem mitten in der Nacht uneigennützig geholfen wird, wenn man es, wie wir, nötig hat. Ein Mann aus Swaziland den wir nach dem Weg fragten und der uns dann klar machte dass wir uns vollkommen verzettelt und verlaufen hatten, fuhr uns in seiner klapprigen Kiste wie selbstverständlich zum Park & Ride Parkplatz und philosophierte mit uns über Fußball und dem Leben an sich......
 
Heute Abend nun fliege ich nach Frankfurt; wenn mein Fahrrad heil dort mit mir ankommt, radle ich von dort zu meiner Tante nach Marbach und von dort am Sonntag vollends nach Ulm: Lisa und Jule ich komme!!!!!!!!!!!!!!!
 
Und zwar rechtzeitig, um dann im Schwabenländle das Hammerspiel England-Deutschland - wo dann auch immer - zu verfolgen und wahrscheinlich werde ich dann der Einzige sein, der den röhrenden Sound der bunten Vuvuzelas vermissen wird........
 
Gerald und Janna und Amanda und Oskar danke ich für die schöne Zeit inmitten ihrer Familie und für die grandiose Gastfreundschaft und schön war es auch Mikko, Pirjo, Stella und Werneri hier kennen lernen zu dürfen. Euch Allen alles, alles Gute und vielleicht ja bis bald mal entweder in Andorra, wo Gerald mit Familie wohnen wird oder aber in Finnland; zum Nordcap wollte ich ja sowieso immer schon mal radeln.......................
 
Herzlichste und allerletzte Grüße aus Südafrika und bis bald in good old Germany
 
Hartmut



 










20. Juni 2010 Pretoria


Ich bin in Pretoria bei Gerald und seiner Familie, auch ist Besuch aus Finnland hier und gemeinsam wird die Fußballweltmeisterschaft verfolgt.

Mein letzter Radtag hier in Südafrika war das nun heute und da überfluteten mich doch die Emotionen ein wenig und es ist so ein Sammelsurium von Melancholie, Wehmut, Abschiedsschmerz, Freude, Glück und Dankbarkeit, das da in mir tobt und noch nicht sich entscheiden kann, was sich nun durchsetzen soll.... aber ich denke, dies wird auch noch ein ganzes Weilchen so anhalten und mich bestimmen und das ist wohl auch ganz in Ordnung so, schließlich habe ich eine beeindruckende Zeit hinter mir mit vielen, vielen Erlebnissen und Eindrücken und zugleich jeden Grund, mich auf zu Hause zu freuen...

Gestern nun ging es nach einem verbummelten Morgen 110 km nach Delmas und ganz egal, welche Strecke man wählt, überall wimmelt es in diesem Gebiet von diesen gigantischen Trucks, die Kohle aus den Minen  zu den zahlreichen Kraftwerken transportieren, deren hohe Schornsteine weit, weit sichtbar sind und mächtig weißen Dampf und Rauch ablassen.

Eigentlich zum ersten Mal hier, dass ich mich auf dem Fahrrad nicht so wohl fühlte, es ist doch immer ein mächtig ungutes Gefühl mit dabei, wenn du es hinter dir grollen hörst und dröhnen und ab und zu hupen und du keine Möglichkeit hast auszuweichen und du weißt, was für ein Ungetüm da hinter dir herbraust und wenn dann zugleich eines von vorne daherdonnert, dann hoffst du eigentlich nur, dass es doch bitte, bitte gut ausgehen möge und du nicht unter die Räder kommst und der Fahrtsog dich nicht vom Fahrrad schüttelt.... also das war echt kein Vergnügen.

Die Truckfahrer stehen wohl unter Zeitdruck und sind Fahradfahrer auf "ihrer" Strecke nicht gewöhnt; anders kann ich mir zumindest diese doch teilweise rücksichtslose Raserei nicht erklären...... aber ich will nicht jammern, schließlich sind all die hunderte Trucks allesamt zwar knapp manchmal aber doch gut an mir vorbeigerauscht und außer einem erhöhten Adrenalinspiegel bin ich heil und unversehrt durch den Tag gekommen....... aber wohnen würde ich hier echt nicht wollen!!!!

"Zwischen Tag und Nacht legt sich die Dämmerung" heißt es so schön in einem Lied der Söhne Mannheims und genau zu dieser Zeit erreichte ich im aufkommenden Abendnebel den Ort Delmas.

Meine letzte Nacht on the road in Südafrika und die wollte ich noch einmal im Zelt verbringen; Kälte hin oder her, aber das musste einfach sein, schließlich habe ich das gute Stück ja den ganzen Weg mit auf dem Fahrrad transportiert und ich brauchte diese eine Nacht im Zelt als eine Art Abschiedsritual für mich. Als begab ich mich auf die Suche; eine Farm war keine zu sehen, wo ich eigentlich hätte fragen wollen, also beschloss ich mein Glück wieder bei einer Kirche zu suchen und glücklicherweise gibt es in größeren Orten immer mehrere davon. Die erste Kirche war - wie ja fast alle Grundstücke hier - mit einem dicken, teuren Eisenzaun umringt und an der Sprechanlage wurde ich mit Worten, die ich kaum verstand abgewiesen; an der zweiten Kirche fand ich einen ebenso eindrucksvollen Zaun vor, aber leider niemanden, der mir das Tor hätte öffnen können. Nicht aufgeben.... es ist meine letzte Nacht .....und schließlich fand ich dann eine dritte Kirche OHNE Zaun drumherum und sogar eine Messnerin, die grade die Kirche abschloss und die erst mal etwas erschrocken war, als ich um die Ecke kam aber dann ohne zu zögern auf mein Anliegen hier vor der Kirche mein Zelt aufschlagen zu wollen meinte "ja, aber nur für eine Nacht, ist ja kein Campingplatz hier"; grade so selbstverständlich, als ob hier regelmäßig Radfahrer aus Deutschland zum Zelten vorbeikommen und ebenso selbstverständlich brachte die gute Frau in Begleitung von ihrem Sohn eine halbe Stunde später, da war es dann schon stockdunkel, eine Thermoskanne heißen Tee, Suppe und Obst für mich vorbei und wünschte mir eine gute Nacht.

Das ist echt spontane Nächstenliebe, ohne groß drüber nachzudenken - Danke! Die Kirche hatte keinen Zaun wie gesagt und doch fühlte ich mich sicher in ihrer Nähe; ich denke eine Kirche bietet auch ohne Zaun und Mauer drumherum ausreichend Schutz und Heimat.

Die Steine der Treppe beim Kircheneingang hatten die Sonne des Tages so gut gespeichert dass sie noch richtig warm waren und so fand ich dort ein gemütliches Plätzchen für mein köstliches Nachtmahl und um Tagebuch zu schreiben und noch ein wenig zu lesen. Gegen 20:00 Uhr begab ich mich dann in mein Zelt wo zu diesem Zeitpunkt noch fast wohlige 8 Grad Raumtemperatur war und mummelte mich in meinen Schlafsack, der allenfalls für kühle Sommernächte bestimmt ist aber keinesfalls für kalte südafrikanische Winternächte.

Im Laufe der Nacht sank die Temperatur auf 1 Grad im Zelt und ich zog mir ein Kleidungsstück ums andere an und fror doch erbärmlich dabei.

Am Morgen dann war mein Außenzelt steif gefroren und ich nicht weit davon entfernt und noch in der Dunkelheit packte ich meine sieben Sachen zusammen und suchte im Ort nach einem warmen Platz und fand einen Take away Supermarkt der schon um 6:00 Uhr aufmacht, um die Arbeiter in den Kohleminen mit Frühstück zu versorgen und obendrein noch verfrorene, zeltende Radfahrer.

Hier verschenkte ich dann zwei heiße Tassen Kaffee später auch mein Zelt und meinen Schlafsack an zwei Algerier mit denen ich mich an das WM Spiel unserer beider Teams von 1982 erinnerte, das Algerien 2:1 gewann und dem dann das schändliche Unentschieden gegen Österreich folgte, das zur Folge hatte, dass Algerien ausscheiden musste....... tja und dann folgten schließlich noch meine letzten 60 km an einem frostig kalten Sonntagmorgen Richtung Pretoria und dort wurde ich von Gerald dann in Empfang genommen.

Nun steht mein Fahrrad in der Garage und ich kann mich  ganz entspannt auf das heiße Spiel am Mittwoch in Johannesburg freuen; habe ein warmes Bett und werde bekocht und schwelge in Tour d’Afrique Erinnerungen mit Gerald und genieße die warmen Mittagssonnenstrahlen auf der Terrasse und kann mich ganz meinen Gefühlswelten hingeben........

 

 

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18. Juni 2010 Bethal


Da sitze ich nun in meinem Bett im Bed & Breakfast Gästehaus und habe mich dick eingemummelt damit ich nicht friere; selbst im Haus ist es kalt und am angenehmsten ist es im Bett mit ner heißen Tasse schwarzem Tee und Bananenkuchen auf dem Nachttischchen.

Dabei war ich schon auf dem Campingplatz hier in Bethal, aber der ist ziemlich runtergekommen und hat weder Küche noch sonst einen Raum, wo man sich aufhalten könnte und die Aussicht auf einen kalten Abend und eine eisige Nacht (immerhin -6 Grad momentan) im Zelt, machte mir die Entscheidung für ein Dach überm Kopf nicht allzu schwer.... da merk ich dann doch, dass ich nicht mehr der Jüngste bin.... bin ja schließlich keine 40 mehr...... und auch eine gewisse Bequemlichkeit sehr schätze. 

Ein seltsamer Tag war das heute; heute Morgen genoss ich mein Radlerdasein in vollen Zügen, die Straße führte mich durch einsamstes Farmland und ich war so ziemlich alleine unterwegs und sie Sonne strahlte mich warm, zudem ging es meist recht flach dahin und ich konnte meine Gedanken schweifen lassen und ein wenig vor mich hin träumen auf meinem Fahrrad.

Ich hatte auch einige sehr nette Begegnungen entlang des Weges und in dem kleinen Ort, wo ich Mittagspause machte; ganz allgemein möchte ich nochmals betonen, dass ich mich absolut wohl und sicher hier in Südafrika fühle und mit jedem Tag mich hier auch viel unbefangener und unvoreingenommener bewege und dies schafft Raum für neue Begegnungen und das ist gut so.

Wenn ich beim Einkaufen bin, schließe ich meist mein Rad nicht mehr ab, da soviele Menschen um den Weg sind, die auf das gute Stück aufpassen und verhindern würden, sollte tatsächlich jemand was Übles im Sinne haben.... also da bin ich ziemlich gelassen mittlerweile!

Nach dem schönen Vormittag kam dann ein Nachmittag, der fast schon fatalen Verpeilungen. Erst stellte sich heraus, dass die angebliche Nebenstrecke, die ich ausgewählt habe, dummerweise die  Hauptroute der fetten Trucks ist, die pausenlos Kohle hin und herkutschieren, um die Kraftwerke hier anzuheizen und auf enger Fahrbahn in deren Fahrtsog zu geraten war nun kein wirkliches Vergnügen und ein Krach obendrein; zudem schienen sie einen Wettkampf in der Disziplin "wer überholt den Radler am dichtesten" auszutragen.

Doch die weitaus tragischere Sache war, dass ich dachte das Spiel Deutschland - Serbien wird um 16:00 Uhr angepfiffen und nicht schon um 13:30 Uhr und als ich dann dank einer SMS auf dem Handy dies registrierte, war es zu spät, da ich weit, weit von einem Ort oder einem Fernseher mich befand und so wurde ich per SMS-Livekonferenz von Gerald und Jos über den so unglücklichen Spielverlauf auf dem Laufenden gehalten..... so doof muss man auch erst mal sein und das Spiel verpassen wie ich.... Schande über mich!!! Und nun gibt es ein ganz, ganz heißes Spiel nächste Woche in Johannesburg gegen Ghana; das werde ich aber mit Sicherheit nicht verpassen und ich hoffe mal meine leidenschaftliche Anfeuerung im Stadium "soccer city" bringt uns dann auch in die nächste Runde...... so dicht liegen Euphorie und Bangen bei einander und deshalb lieben wir Fußball!!!! Also Daumen drücken!!

Noch zwei Tagesetappen bin ich von Pretoria entfernt; dort kann ich meine verbleibenden Tage bei Gerald verbringen und darauf freue ich mich schon sehr; er ist ein Prachtskerl und ihm habe ich auch einiges zu verdanken auf unserem langen gemeinsamen Weg durch Afrika und er hat die allerbesten Fotos und die grandioseste Homepage der Tour Cairo-Cape Town: www.africanride.blogspot.com .... noch 2 Tage radeln, am Mittwoch dann das Spiel und Donnerstag Abend fliege ich von Johannesburg nach Frankfurt.... seltsamer Gedanke!!!! Doch egal; nun gilt alle Kraft, alle Inspiration,  alle Anfeuerung und alles Mitfiebern einzig und allein unseren Jogikickerjungs rund um Lahm, Schweini und Poldi....... Ladumaaaaaaaaaaaaa for Germany...... Ladumaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa ............. bitte!!!!!





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16. Juni 2010 Ladysmith

In Mooi River verbrachte ich ziemlich durchgefroren die Nacht in einem Bed & Breakfast Hotel, das mir Jane, John und Matthew organisiert haben, nachdem ich nicht bei Janes Schwester ganz in der Nähe Station machen konnte, weil dort ein Weg zur Farm geflutet war. Total rührend, wie sie sich alle um mich sorgen und kümmern!

Die Nacht schluckte alle grauen Wolken und war sternenklar und bitterkalt und die Pfützen waren dick gefroren am Morgen und – endlich - kam mein dickes, langärmeliges Radtrikot und mein warmes Merinounterhemd zum allerersten Mal zum Einsatz auf dieser Tour.

Die Sonne die da am gänseaugenblauen Himmel strahlte versprach einen schönen Tag und allein dies wärmte schon ein bisschen, wenngleich der Wind und die Luft schneekalt waren.

Mein Weg führte mich durch trockenes, entlegenes und hügeliges Farmland; linker Hand begleiteten mich die beeindruckenden hohen Drakensberge, die ins Königreich Lesotho hineinreichen und die u.a. sagenhaft schöne Trekkingtouren zu bieten haben.... nächstes Mal dann!!
Am Nachmittag dann kam ich doch tatsächlich in den Genuss, mal unglaublich lange 15 km fast flache Strecke radeln zu dürfen und dies noch bei leichtem Rückenwind... hey war das ein Genuss... 15 km ohne einen Hügel oder Berg, das hatte ich schon lange Tage nicht mehr... ach, was war das schön und erholsam! Am frühen Nachmittag wollte ich dann in der Stadt Ladysmith ein Internetcafe aufsuchen, um Bericht und Fotos zu mailen und fand alle Geschäfte dort geschlossen vor und etwas verwirrt fragte ich nach und erfuhr so, dass heute ein bedeutender Feiertag ist in Südafrika: vor 34 Jahren war der Schüleraufstand im Township Soweto. Auslöser war, dass die damalige Apartheidsregierung Afrikaans (die Sprache der weißen Buren) als Pflichtsprache an den Schulen einführen wollte. Dieser Aufstand ist ein ganz bedeutendes Ereignis im Kampf gegen die Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung und ich hab es völlig verpeilt, obwohl ich mir vor der Reise noch die Feiertage rausgeschrieben hatte.

Also kein Internet, dafür heissen Kaffee im Wimpy Fast Food Restaurant, wo ich Andre treffe, der mir von seinem "Libery" Projekt berichtet. Er organisiert die Verteilung von kleinen Büchereiregalen in den Schulen in den entlegenen Gebieten Südafrikas, wo es so etwas nicht gibt und ermöglicht so den Schülern den Zugang zu geeigneten Jugendbüchern. In dem Büchereiregal ist auch ein TV- und DVD-Gerät und einige Filme und Andre erzählt, wie wichtig dieses Projekt ist und wie begeistert die Schüler der schwarzen  Siedlungen es annehmen: www.masixhasane.co.za

Um mein Ziel Pretoria bis Sonntag zu erreichen, beschließe ich, noch bis zum Einbruch der Dämmerung weiterzuradeln, trotz des Wissens, eben nicht zu wissen, ob in dem einsamen Farmland noch eine Unterkunftsmöglichkeit sich mir bieten wird. Und wie ich dann so langradle, treffe ich nach 25 km auf eine Polizeistreife und frage die Polizisten wo und wann denn in welcher Richtung vielleicht noch ein guter Platz zum übernachten wäre. Doch sehr erstaunt über mich und mein Fahrrad und noch mehr über meine Reise schicken sie mich dann zu einer naheliegenden Polizeistation und so ist es dann gekommen, dass ich nun in einem leeren und ziemlich verwahrlosten Nebengebäude einer mitten in der Pampa liegenden Polizeistation nächtigen kann. Es ist kalt und ziemlich ungemütlich und Fußball gucken ist auch nicht drin, aber in jedem Fall ist es ein sicherer Ort, also bin ich zufrieden und werde mich nun schon kurz nach 20:00 Uhr in den Schlafsack mummeln, noch etwas lesen und bald schließlich in einen neuen Tag hineinschlummern und träumen...... gute Nacht wünscht ein müder und heute völlig ungewaschener Hardy.

(oh weh, nur noch ein paar Tage on Tour!).



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15. Juni 2010

Brrrrrrrrrr es ist lausig kalt hier.

In der Nacht kam die angekündigte Kaltfront auch in Pietermaritzburg an wo mich ja John und Jane und Matthew beherbergen, bekochen und all meine Wäsche wieder auf Vorzeigbar-Status bringen; ach wie gut ich doch wieder rieche.... Danke für alles!.

Hatte ich gestern noch angenehmste 23 Grad und blauen Sonnenscheinhimmel, sind es heute grade mal noch lausigste  V-I-E-R  Grad (naja, wenigstens plus!), dazu gibt es dann noch kalten, böigen Wind und Graupelschauer und Regen, in den sich die eine und andere Schneeflocke mischt; ich fasse es nicht und friere und bibbere trotzig in meiner kurzen Hose.

Matthew begleitet mich die ersten 23 km mit seinem Mountainbike und erzählt mir, dass er eigentlich ja ausschließlich bei schönem Wetter radelt. Er ist 19 Jahre alt und spielt leidenschaftlich gerne auf seinen selbstgebauten Gitarren, am liebsten Led Zeppelin und sein großer Wunsch ist, die Vinylplatte mit "Stairway to heaven" drauf irgendwo aufzutreiben. Wie alle Schüler und Studenten hier in Südafrika freut er sich über 3 Wochen zusätzliche Ferien, die es nun wegen der Fußballweltmeisterschaft gibt und diese Freude wird nicht von allen Eltern seltsamerweise geteilt.

Von Durban aus ging es gestern noch ziemlich verschlafen durchs Zuckerrohrland Richtung Pietermaritzburg und meine Gedanken weilten oft noch im Stadion und beim Spiel und ich war noch recht ergriffen von all den Erlebnissen des Fußballsonntags.

In einem take away berichtet mir der zeitungslesende Kassierer völlig aufgebracht, dass sich alle Welt an den Vuvuzelatröten stört und dafür hat er nun ja überhaupt gar kein Verständnis, sind sie doch einfach ein Stück Fußballkultur hier in Afrika und Fußball ohne Vuvuzela ist für ihn, und nicht nur für ihn, einfach unvorstellbar. Und am besten kommt man damit klar, wenn man das einfach gelassen akzeptiert und sich, wie so viele Fans aus aller Welt, auch so ein Teil besorgt und dann mächtig mitposaunt und trötet. Hier werden sich richtige Vuvuzeladuelle unter den Fans geliefert oder es wird versucht, so etwas wie ein melodisches Vuvuzelakonzert hinzukriegen... also es ist schon viel mehr als nur Krach und orginell ist es, wie manche ihre Vuvuzela gestaltet haben allemal auch und nach der WM wird sie in den Stadien aller Welt zu sehen sein!!! Unsere Fußballer hat die Vuvuzela zumindest im ersten Spiel ja richtig beflügelt - dies meinte zumindest mein zeitungslesender Kassierer und Vuvuzelaexperte im Take away und dem ist nun nichts mehr hinzuzufügen!

Außer vielleicht ein schönes Geburtstagsständchen mit Vuvuzelas! Herzliche Geburtstagsgrüße an Tante Else und an Mark in Söflingen, an meinen Radfreund Tobi in Essen und an Marie Lara in Batzenhäusle - alles Gute Euch!!

 


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13. Juni 2010
 
Wow - was für ein erfrischendes Spiel; das hat nun richtig Spaß und Freude gemacht, da mit dabei zu sein. Super Stadion, super Fans, super Stimmung..... auch wenn die Dauervuvuzelabedröhnung keinerlei andere Gesänge mehr zulässt; hey, so kann es doch glatt weitergehn.
 
Im Backpacker beim Nachhausekommen um 1:00 Uhr werden wir Deutsche schon ehrfurchtsvoll von den anderen Fans per Handschlag beglückwünscht und unseren Kicker-Jungs wird nun wohl richtig was zugetraut.
 
Ins Stadion hin und her bin ich mit Thorsten aus Frankfurt, der nun mit seinem Leihwagen die ganze WM über hier ist und einen straff organisierten Terminplan hat mit allen deutschen Spielen und zig anderen Partien zusätzlich und viel durchs Land kommen wird und auch noch Zeit für Safaris und Trekking finden will.
 
Es ist schon interessant welche Leute ich hier so treffe und wie viele Fans es gibt, die fast alle Spiele der Nationalelf und "ihres" Clubs dazu sich anschauen und in Sachen Fußball eigentlich immer unterwegs sind.
 
Die Organisation rund ums Spiel und die Bus Shuttles haben auch gut funktioniert, auch wenn es nach dem Schlusspfiff doch lange gedauert hat, bis alle einen Bus erwischt haben; doch Betreuungspersonal hat es in Massen, fast für jeden Fan einen persönlich und die sind richtig geschult und alle paar Meter wird man gefragt, wie es einem geht und ob man Hilfe braucht und wie woher man denn kommt.....
 
Die Abholung meiner Tickets im Hotel des DFB hat, nach einer längeren Odysee durch Durban und nachdem ich glücklicherweise ein südafrikanisches Pärchen im Bus getroffen habe, die mich schlussendlich dort hinkutschiert haben, auch ganz gut geklappt und das Ticket für Johannesburg habe ich nun auch gleich mitbekommen. So hatte ich doch viel relaxte Zeit, um dieses spannende Kribbeln vor dem Spiel und die Atmosphäre rund ums Stadion einzusaugen und all die vielen einfallsreich ausgestatteten Fans und das bunte Völkerallerlei zu bestaunen.
 
Im Stadion wurde ich dann, als ich ein Foto von einem deutschen Fan mit dessen Kamera machte und meine beiseite legte, glatt von einem kleinen Jungen beklaut, der diese Situation für sich ausnutzen wollte und sich meine Kamera und meine Tasche schnappte und sich von dannen stehlen wollte. Hab es aber irgendwie doch mitbekommen und dann ließ er auf der Flucht sozusagen all sein Diebesgut fallen und versuchte unschuldig sich in Luft aufzulösen und als ich ihn dann zur Rede stellte, tat er so als würde er überhaupt nichts verstehen; naja....
 
So kann ich nun also ein paar Fotos für die Homepage mailen und nach ziemlich kurzer Nacht dann unausgeschlafen und noch siegestrunken mich auf den Weg nach Pietermaritzburg machen, das sind gut 90 hügelige Kilometer und dort wartet schon Jane und ihre Familie auf mich; auch eine Bekannte aus der Tour d`Afrique Familie...... ja, dann mal los.....

Freudige Grüße und eine traumhaft schöne Woche wünscht euch allen,
Hartmut



   



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11. Juni 2010 Warner Beach

1:1; so ein bisschen war doch Ernüchterung nach dem Schlusspfiff zu spüren, nachdem der Jubel beim ersten Tor für Südafrika und des Turniers grenzenlos war und das Getöse der Vuvuzela ohrenbetäubend. Das Spiel war in der zweiten Hälfte richtig klasse und spannend; mehr davon!
 
Ich habe es mir bei dem Backpacker angeschaut in dem ich nun wohl die nächsten 3 Tage bleiben werde, da Gary aus Durban sich nicht mehr auf meine SMS gemeldet hat. Aber hier fühle ich mich auch recht wohl und es passt ganz gut.
 
Warner Beach ist ca. 25 km vor Durban, ich bin nahe am Strand, höre die Wellen, rieche das Meer und kann morgen einfach mal relaxen, baden, lesen und -ja- nichts tun! Ganz in der Nähe gibt es eine extra WM-Bus-Shuttle-Verbindung nach Durban und so werde ich am Sonntag wohl auch keine Probleme habe, ins Stadion hin und wieder zurückzukommen. Auch sind noch einige andere deutsche Fans hier, gar ein Schwabe aus Aulendorf und wir können uns zusammentun.
 
Meine Tickets kann ich am Sonntag im Hotel, wo der DFB in Durban weilt, abholen kommen; glaube zwar nicht dass ich da jemanden treffen oder sehen werde, aber freuen würde es mich natürlich schon; allein schon, um danke zu sagen für diese großartige Geschichte mit den   Eintrittskarten für mich. So werde ich mich also Sonntag schon früh auf den Weg machen und das WM Fieber in Durban aufzusaugen, das Hotel suchen, meine Fahne schwingen, sicherlich viele Deutsche treffen und dann endlich und wohl recht aufgeregt und hibbelig ins neue prächtige Stadion spazieren.....und dann.....!!!Laduuuuuuuuma!!!!!!Toooooooor!!!!
 
Heute hatte ich einen überraschend abwechslungsreichen Tag auf dem Fahrrad. Ich hatte die Wahl zwischen Highway und relativ eben und kurz oder aber Nebenstrecke und sehr hügelig und länger und kaum Verkehr und dafür habe ich mich dann auch entschieden und es nicht bereut.
 
Die Straße führte mich anfangs weg vom Meer, durch weite Zuckerrohrfelder und dichte Wälder; es ging schön abwechselnd ungefähr immer einen Kilometer hinab, über eine Brücke und schließlich wieder einen Kilometer hinauf; dann wieder einen Kilometer hinab und über eine Brücke und einen Kilometer bergauf und dann wieder...... über eine Brücke.... und......; aber es war schön, richtig einsam, nur die Vögel haben mich begleitet und unterhalten und noch mehr die vielen Meerkatzenäffchen, die ich zu sehen bekam!! Später führte der Weg dann wieder dichter ans Meer und durch kleine Städte und die letzten 20 Kilometer waren gar richtig eben und ganz relaxt zu radeln und überall Menschen in den gelben oder grünen Bafana Bafana Trikots und mit Vuvuzelatröten.
 
Gestern Abend schaute ich mir im Fernseher die Musik Kick off Veranstaltung im Stadion in Soweto an. Ich fand die Veranstaltung sehr gelungen und die Stimmung grandios und dass diese Veranstaltung im größten Township von Johannesburg stattfand, empfand ich als große Symbolik und Botschaft. Als Desmund Tutu mit gelber Strickmütze und gelbem Trikot auf die Bühne kam und die Menschen mit seinen Worten von der einen gemeinsamen Welt und seiner unnachahmlichen Art begeisterte und erzählte, dass Nelson Mandela in Johannesburg weilt und sicherlich den Jubel der Menschen im Stadion hören wird, löste das frenetischen Beifall aus und mir kullerten dabei gar ein paar Tränen der Rührung die Backen herunter. Umso tragischer dann heute die Nachricht vom Unfalltod einer Urenkelin von Mandela nach der Veranstaltung.
 
Bemerkenswert finde ich wie schnell ich mich inzwischen überall wie zu Hause fühle; so nun auch hier in diesem Backpacker und die Gewissheit nun drei Nächte an einem Ort zu verweilen und mein Zelt nicht schon wieder am Morgen abbauen zu müssen, um weiterzuziehen, finde ich doch auch sehr, sehr angenehm. Also ich richte mich vollends häuslich ein hier und wünsche Euch ein schönes Wochenende und uns allen ein grandioses Spiel am Sonntag!!!!
Sonnige Grüße, Hardy
 
 

       


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10. Juni Umtentweni


Noch 110 km bis Durban und ein Regentag und so beschließe ich, schon um 13:00 Uhr es mit dem Radeln für heute gut sein zu lassen und schlage mein Zelt im Garten eines schönen Backpackers auf, das genau am Strand liegt und fabelhafte Ausblicke auf die recht hohe See mir bietet.

Außerdem fühle ich mich auch ziemlich müde, die Berge der Transkei stecken mir in den Knochen und es tut gut mal einen halben Tag Pause zu machen.

Mit dem Baden ist es bei dem Wellengang mal wieder etwas schwierig, außerdem hat man die Haischutznetze entfernt wegen der Sardinenschwärme, die um diese Jahreszeit hier vorbeiziehen und mit ihnen hunderte Delphine und hunderte Vögel, die sich alle an den Sardinen laben; es muss ein wirkliches Naturspektakel sein,  wenn die Fischschwärme zu beobachten sind.

Der Besitzer des Backpackers erzählte mir auch, dass gestern zwei Wale zu sehen waren, wohl Mutterwal mit Kalb; gespannt blicke ich natürlich ständig aufs Meer, doch bislang habe ich noch kein Glück; weder Sardine, noch Delphin, noch Wal...... dafür ist das Wasser recht warm und ich bade am flachen Strand wo die Strömung nicht so stark, die Wellen nicht so hoch und die Haie fern sind.

Am Morgen hatte ich nette Begegnungen in einem Supermarkt und auch ein Interview mit der lokalen Zeitung von "South Coast Herald". Alle sind nun echt im Fußballfieber hier und der Sound der Vuvuzuelatröte ist allgegenwärtig, heißa das wird bestimmt ein ohrenbetäubendes Spektakel werden, morgen beim Eröffnungsspiel und ich muss zusehen, dass ich rechtzeitig zu dem Backpacker komme, das ich mir für morgen als  Ziel vorgenommen habe.

Gestern nun war mein letzter Transkeiabschnitt und mit Erreichen von Port Edward bin ich nun bis Durban immer nur noch entlang der Küste unterwegs und ein Ort reiht sich hier an den anderen und dementsprechend ist auch der Verkehr.
Landschaftlich ist die Gegend geprägt von vielen kleinen Bananenplantagen und deren Frühte werden auch überall entlang der Straße verkauft, außerdem gibt es Orangen und kleine Ananas in Hülle und Fülle; für die kleine Ananas bezahlt man während der Saison  grade mal 15 Cent und wenn einen ein Laster überholt der welche geladen hat dann zieht er eine fruchtig süße Ananasduftspur hinter sich her und bei nächster Gelegenheit kaufe ich mir eine!

In der Transkei bekam ich nochmals ein Afrika zu Gesicht, wie wir es in anderen Ländern unserer Reise angetroffen hatten, die Städte waren übervoll mit Menschen, Autos und Bussen, überall wurden Obst und Gemüse, Hühner und manch anderes Tierisches, Secondhandkleider und Krimskrams auf kleinen Verkaufsständen feilgeboten und es herrschte ein ziemlich lebhaftes Durcheinander, das zu beobachten schon eine wahre Faszination ist.

Hier nun ist davon nichts mehr zu spüren, da ist es fast so wie wir es bei uns in Europa kennen, nur dass alle Grundstücke, Häuser, Geschäfte, Sportanlagen, Schulen,.... eben ziemlich - teilweise brachial - eingezäunt sind. 5km von hier, in Port Sephstone, ist das Nationalteam von Algerien einquartiert und auch dort wird Security groß geschrieben und das Camp ist umringt von Sicherheitspersonal.

Südafrika möchte der Welt beweisen ,dass man in diesem wunderschönen Land sicher reisen und Urlaub machen kann und ein Event wie die Fußballweltmeisterschaft ohne böse Zwischenfälle durchführen kann. Und das wünsche ich mir für die Menschen hier total, denn ich erlebe so viel Herzlichkeit und Freundlichkeit und hoffe, dies kommt auch über die Medienberichte so bis in alle Winkel dieses fußballverrückten Planeten. Das musste doch einfach mal gesagt sein!

Und nun geht es ans Spaghetti kochen und dazu gibt es 4 Käse-Tüten-Soße, die ich mir beim "kwikspar" noch eben besorgt habe. Und uns allen wünsche ich ab morgen dann eine mega-gigantisch fabelhaft faszinierende stimmungs- und torreiche Fußballweltmeisterschaft!!!!!

Herzlichste Geburtstagsgrüße gehen heute an Inge in Bermaringen und an meinen guten Schulfreund und Kumpel Christoph in Sonderbuch....... alles Gute von hier!





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8. Juni 2010 Flagstaff

Zwei landschaftlich traumhafte Tage liegen hinter mir und unglaublich viele Steigungen und Abfahrten ebenso. Auf den 12000 km durch Afrika habe ich meinen ersten Gang der Rohloffschaltung vielleicht zweimal kurz im Einsatz gehabt, in den zurückliegenden Tagen nun gleich ein paar Mal täglich; immer wieder wuchtete, schwitzte und japste ich mich steile Stiche hoch und mein Fahrrad ächzte bisweilen regelrecht und selbst im Wiegeschritt hatte ich zu kämpfen und beschloss, jedes mal Ballast abzuwerfen, wenn ich oben bin, aber dann kommt ja immer eine flotte Abfahrt und alles ist vergessen...... bis zum nächsten steilen  Stich.

Seit langem mal wieder hat sich auch mein linkes Knie zu Wort gemeldet und signalisiert dass es nun aber doch bald mal genug sein müsste...... ok, heute Abend bekommt es zur Belohnung eine Einreibung mit einer Thermosalbe, die ich seit Kairo nun mit mir rumtrage und noch nie benutzt und zum Glück noch nicht entsorgt habe.

Doch die weiten Ausblicke in Täler und Schluchten, über sanfte Hügel und massive Felsen, über dürres Farmland und zerstreute Siedlungen, auf kleine Flüsse und imposante dichte Urwälder lohnen all die Schufterei auf dem Fahrrad allemal. Ach Zeit müsste man haben oder Urlaub, um all die Natur, Kultur. Kunst und Strände wirklich auszukosten und zu entdecken...... die Transkei bietet viel, vielleicht nicht gleich auf den ersten Blick, dann aber umso imposanter und beeindruckender und verdient es einige Zeit zu verweilen.

Gestern machte ich Station in Port St. Jones bei einem Backpacker und traf da auf die Freundin des Inhabers und sie kommt aus Berlin und dann noch auf eine Frau, die mit ihren drei Mädchen in Afrika unterwegs ist. Das fand ich nun ja schon spannend, die Kinder sind zwischen 8 und 16 Jahren und nach einigen Jahren in Ägypten sind sie nun in Südafrika unterwegs und die Mädels kommen mittels dem sogenannten "home school projekt" ihren Schulaufgaben nach.

Schon interessant, wem ich alles so begegne. In Port St. Johns wird zur Zeit gerade die Lebensgeschichte von Winnie Mandela verfilmt und darauf ist der Ort schon recht stolz. Ich wollte ja unbedingt im Meer schwimmen und dies erwies sich als gar nicht so ganz einfach, weil ich dazu auf die andere Flussseite musste und es war wohl ganz gut, dass ich dieses Unterfangen nicht gleich bei meiner Ankunft schwimmenderweise in die Tat umgesetzt habe, sondern erst später mit Hilfe einer Bootsfähre, denn in dem Fluss der am Ortsende ins Meer mündet jagen wohl regelmäßig Haie. Hätte nun niemals gedacht dass die vom Meer in den Fluß rübermachen....... also immer erst Fragen, dann Baden, dann macht man nichts verkehrt, jawohll!!

Heute ist bestimmt mein Rekordtag, was die Höhenmeter anbelangt, aber da ich keinen Höhenmesser habe ist das nun eine reine Vermutung und spiegelt meine körperliche Müdigkeit wieder.

Während ich diese Zeilen in mein kleines Netbook tippe, ist es exakt 18:34 Uhr und draußen stockdunkel. Ich bin in dem Städtchen Flagstaff und sitze in der schlichten methodistischen Kirche mit meiner Kopflampe und habe mich wohnlich ausgebreitet und mein Fahrrad ist auch mit im Kirchenschiff. Auf der Suche nach einer Unterkunft habe ich das Kirchengelände gesehen und Kinder die im Garten Fußball spielten und fühlte mich beim Anblick so an meine Jungscharzeiten rund um den Wippinger Pfarrgarten erinnert, dass ich beschloss, dort zu fragen ob ich im Garten zelten darf. Der Pastor war aber nicht zuhause, die Kinder mittlerweile beim Singen in der Kirche und so setzte ich mich einfach in die hinterste Sitzreihe und lauschte dem Gesang und fühlte mich willkommen und gut aufgehoben und war mir ganz sicher, hier nicht abgewiesen zu werden mit meinem Wunsch. Als dann später der Pastor kam und zugleich auch kühle Regenwolken fragte er mich, ob ich nicht lieber in der Kirche nächtigen möchte, da gibt es Strom und es sei trocken. Und ob ich das wollte; ach was für ein guter und segensreicher Platz und was für ein lebensnaher, herzlicher Pastor. Und einsam bin ich auch nicht in der Kirche, zumindest eine Kirchenmaus habe ich schon entdeckt und ihr auch etwas von meinem Brot voller Dankbarkeit hingelegt, mal sehen wann sie wieder zum Vorschein kommt, um es sich zu holen.

Die Holzbänke und das Holzgebälk knarren von Zeit zu Zeit auch so, dass man denken könnte, man ist gar nicht wirklich alleine in diesem besonderen Ort. Wenn du nicht weißt wohin, dann geh zum Pfarrer oder in eine Kirche..... das ist schon seit meiner Jugend für den Fall der Fälle die Lösung und hat mir auf meinen Reisen schon öfter auch zu einem sicheren Schlafplatz verholfen....... Danke!!! Ach was werde ich heute Nacht seligst schlafen und morgen gestärkt weiter nach Port Edward an die Küste radeln....... noch 3 Tage bis zum Eröffnungsspiel.......... und meiner Kollegin Rita - sorry, ein bisschen mit Verspätung - noch alles, alles Gute zum Geburtstag!






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6.Juni Mhatata

Das Landschaftsbild hat sich verändert, die Wälder sind gewichen und ich bin fast den ganzen Tag durch dürre Weide- und Graslandschaft geradelt; die Straße schlängelt sich auf und ab durch die hügeligen Flächen und die Sonne zeigt sich mir in voller Pracht und je nachdem, in welche Richtung ich radle, habe ich mal Seiten- und mal Gegenwind.
Im Winter ist hier Trockenzeit und alles lechzt nach Wasser, selbst die meisten Flussbette sind von einem erbärmlichen Rinnsal mal abgesehen öde und leer und die Schafe und Kühe kauen lustlos das grobe, trockene  Gras und die Teiche der Farmen sind nur noch grünlich veralgte Pfützen.

Die Bauern brennen im Winter ihre trockenen Felder mit dem hohen Gras ab, damit dann ab September wenn der Regen kommt, neues besser nachwachsen kann; wie man mir erzählt hat, ist dieser rabiate Kahlschlag aber nicht ganz ungefährlich, weil manch Feuer außer Kontrolle gerät.

Sonntags ist anscheinend Waschtag, überall sehe ich Menschen am Fluss Wäsche waschen und weil so wenig Wasser drin ist, müssen sie bisweilen weite Wege gehen, um an eine geeignetere Stelle zu kommen; die einfacheren Häuser und Hütten haben keinen Wasseranschluss, also ist Handwäsche gefordert und die Zäune hängen voller bunter Wäsche zum Trocknen.

Doch es gibt auch ebenso recht stattliche und großzügige Anwesen und Häuser, hier in der Transkei, mit gepflegtem Rasen und flottem Auto vor der Garage, also auch hier in den Orten der schwarzen Bevölkerung lebt arm und wohlhabend eng zusammen, zumindest scheint dies für mich so zu sein.

Ich selber fühle mich auch in diesem Teil Südafrikas absolut sicher und wohl auf meinem Fahrrad und bin froh, auch hier unterwegs zu sein, einfach auch deshalb, weil es ein völlig anderes Südafrika ist, als an der Garden Route etwa. Durch die Warnungen im Vorfeld bin ich aber nicht mehr so unvoreingenommen und spüre doch gewisse Vorbehalte und das ist irgendwie schade, weil ich so doch nicht ganz unbefangen auf die Menschen zugehe und eine gewisse Distanz und Vorsicht verspüre.
Ok, die Steine werfenden Jungs sind nicht von der Hand zu weisen, aber dies war ja noch nicht in der Transkei und die absolute Ausnahme bislang. Die Menschen die mich sehen, winken und rufen mir von weitem strahlend entgegen und begegnen mir äußerst freundlich und interessiert und ich verspüre keinerlei Abneigung mir gegenüber und es ist mir auch wichtig dies weiter zu erzählen.

John aus England, den ich heute mit seinem Fahrrad traf und der auf seiner Reise durch Afrika nach Spanien ist, hat im übrigen genau die gleichen Erfahrungen bislang gemacht, er übernachtet meist im Zelt und fragt sich nach einem Platz dafür durch und fühlt sich wohl und sicher und kann nicht nachvollziehen, warum so oft so schlecht und negativ berichtet wird.... klar die hohe Kriminalitätsrate ist nicht von der Hand zu weisen und spiegelt sicherlich manches wieder, was hier zweifelsohne im Argen liegt, aber sie ist nicht allgegenwärtig und bestimmt schon gar nicht die Begegnungen mit den Menschen hier.

Ich verbringe die Nacht im Garten eines Backpackers und mache mich dann morgen früh auf den Weg zur Küste nach Port St. Johns und schaffe es nicht, mir das Nelson Mandela Museum hier anzuschauen und das ist eigentlich eine kleine Schande.
Ach ja, noch 5 Tage bis zum Eröffnungsspiel........
 




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5. Juni 2010

In East London gab es dann erst mal eine Überraschung: Barry, in Sorge um meine sichere Ankunft bei ihm, arrangierte für mich ein Begleitauto der Verkehrspolizei und so ging es mit Blaulicht 15 km durch die Stadt, ans andere Ende, nach Beacon Beach, wo Barry und seine Frau Candice und Sohn Eaten wohnen. Das skurrilste aber war, dass der Polizei nach halber Strecke aufgefallen ist, dass ich keinen Helm auf hatte und so musste ich anhalten und warten bis ein anderes Polizeiauto - auch mit Blaulicht -kam und mir einen Helm brachte; der passte zwar hinten und vorne nicht aber Ordnung muss nun mal sein und alle waren nun zufrieden und es konnte weitergehen.

Barry wiederum kaufte in der Zeit für mich einen neuen Fahrradhelm und schenkte ihn mir später und der passt auch ganz gut und in Anbetracht der gestrigen Wurfattacke ist es vielleicht ja auch ganz sinnvoll, mit Helm ein paar Tage zu radeln.

Auch organisierte Barry einen Reporter der hiesigen Zeitung "Daily Dispatch" und der kam und machte einige Fotos und war an meiner Reise interessiert und, vor allem am World Cup und meinem Eindruck, wie sich Südafrika seinen Gäste so präsentiert. Auf seiner Visitenkarte, die er mir mit auf den Weg gab, war zu lesen, dass er als "Crime Reporter" unterwegs und zuständig ist und bis jetzt ist mir der Zusammenhang zu mir noch nicht ganz klar......,aber es war auf jeden Fall ein nettes Treffen und ich hoffe es gibt auch einen schönen Bericht darüber. Hier ist der Link zum Bericht: "Fund-raising cyclist stops off in EL"

Mehr als nur schön war dann der Abend, den ich mit Barry und seiner Familie verbrachte und wo ich mal wieder sehr, sehr gastfreundschaftlich und herzlich verwöhnt wurde. Danke Barry, Candice und Eaten!! 

Überall wo ich hinkomme, begegnet mir ein Fahnenmeer; die Flaggen aller Fußballnationen, die an der Weltmeisterschaft teilnehmen, sind wirklich allgegenwärtig: entlang der Straße, in den Geschäften, den Tankstellen, den Fast-Food-Restaurants, in den Banken, den Souvenirläden, den Supermärkten...... und natürlich sind viele Autos mit einer Südafrikafahne ausgestattet und wie froh bin ich, dass ich doch da mit meiner kleinen Deutschland- und UNICEF Fahne am Fahrrad wenigstens einigermaßen mithalten kann.

Immer Freitags ist hier übrigens seit einigen Wochen spezieller World Cup Tag und alle sind aufgefordert, an diesem Tag das Trikot der Fußballnationalelf zu tragen. Das Team wird ja liebevoll nur Bafana Bafana (unsere Jungs) genannt und so sieht man freitags wirklich viele Menschen in den wunderschön leuchtenden gelben Trikots. Auch bei der Arbeit wird es stolz und ehrenvoll getragen; anstatt Anzug und Krawatte freitags Jeans und Fußballtrikot, die Kassiererin trägt es wie der Arzt, die Bedienung oder der Friseur, die Sekretärin oder der Tankwart und es verbindet so viele, viele Menschen und schürt die Vorfreude, die mit jedem Tag mehr wächst....... ich rufe von meinem Fahrrad auch immer "nur noch 6 Tage......" den Menschen zu, die wissen wollen woher und wohin und warum!!! Und dass ich mit dem Fahrrad zu den Spielen komme, finden sie wirklich respektabel und es freut sie sichtlich, wenn ich es erzähle.

Meine heutige Etappe von East London nach Butterworth führte mich nun also durch die Transkei; ein Gebiet in dem fast ausschließlich Schwarze wohnen und das recht bergig und eher unzugänglich ist und sicherlich auch aus diesem Grund noch zu Apartheitszeiten als sogenannte "homelands" der schwarzen Bevölkerung überlassen wurde. Ganz in der Nähe ist übrigens der Geburtsort von Nelson Mandela und die Heimat vieler bekannter Widerstandsaktivisten.

Meine Beine sind schwer geworden in den letzten Tagen und ich verspüre regelrecht einen leichten Muskelkater und das hatte ich nun echt schon lange nicht mehr und ist Spiegelbild der vielen, vielen Steigungen und meines schweren Fahrrades, allein am "Kei Cuttings Pass" ging es heute inmitten schönster Landschaft 10 km bergab und berghoch und dann wieder und wieder und wieder.... was würde ich doch gerne mal einfach 5 km auf ebener Strecke radeln wollen.... aber davon werde ich auch die nächsten Tage nur von träumen dürfen, denn es bleibt einfach wellig, hügelig und zur Abwechslung dann mal bergig.......    
                                                           

Die Nacht verbringe ich in einem B&B- Zimmer hier im Ort Butterworth, der alles bietet, was man hier in größeren Ortschaften so an Geschäften und Banken und Tankstellen antrifft, der aber vor allem in seinem Kern furchtbar vermüllt (viele Scherben) und schmuddelig ist und der so schon einen etwas runtergekommenen und verlebten  Eindruck vermittelt. Wobei es schon auch gepflegtere Ecken hier gibt.

Heute hatte ja Südafrika sein letztes Vorbereitungsspiel und vielleicht lag es daran oder einfach weil Wochenende ist, dass ich auch einigen schwer angetrunkenen Menschen begegnet bin hier in der Stadt und da schaue ich immer dass ich Land gewinne und lasse mich auf keine Gespräche groß ein.

Jedenfalls fühle ich mich in meinem Zimmer hier sehr wohl und sicher und hatte zugleich noch das große Glück, hier Gary zu treffen. Gary kommt aus Durban und ist ständig auf Montage unterwegs und wenn ich Durban höre werde ich sogleich hellwach und frage wie und wo ich doch da am besten unterkomme und zum Stadion komme und ob ihr es nun glaubt oder nicht hat Gary gemeint, ich könnte auch einfach bei ihm für 2 Tage vorbeischauen und im Gästezimmer wohnen und dann könnte er mir das alles zeigen...... hey, ist das nicht gigantisch und einfach nur unglaublich und nahezu umwerfend phänomenal! Also auf nach Durban.....
 




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4. Juni 2010 East London

Gestern hat mich Geerd aus George angerufen und mir erzählt, dass in einem der hiesigen Sportkanäle im TV ein Bericht über die Tour d‘Afrique im Allgemeinen und über unsere Ankunft in Kapstadt im Speziellen gesendet wurde und dass dabei auch ein Interview mit mir kam, das am Atlantikstrand geführt wurde! Hey das müsst ihr euch mal geben.... ein Interview mit mir in meinem zungenbrecherischen Englischkauderwelsch im südafrikanischen Fernsehen.... meine legendäre, unvergessliche und erste Englischlehrerin,  Frau Greif,  würde vor Stolz in die Luft hüpfen, wenn sie das sehen würde und sagen: "das habe ich doch immer schon gewusst, dass der Bub das mit dem Englischen auch noch mal hinkriegen wird; na und wegen der Grammatik wollen wir mal ein Äuglein zudrücken, da hat er sich schon immer schwer mit getan"! Ich hoffe ja, ich kriege das auch mal irgendwie zu sehen!

In Port Alfred hat mich eine Journalistin von der dortigen Lokalpresse morgens beim zweiten Frühstück im Supermarkt angetroffen und befragt; sie war sehr angetan von meiner Reise und möchte einen Artikel für die Zeitung verfassen und hat mich auch zu sich hach Hause eingeladen , aber ich muss doch zuschauen, dass ich es rechtzeitig nach Durban schaffe und da kann ich nicht schon morgens um 10:00 Uhr Quartier beziehen und die Radlerei einstellen und so lehnte ich dankend ab; das Etappenziel hieß Kidds Beach und wartete in 110 km Entfernung und es sollten ziemlich anstrengende Kilometer werden, denn es ging pausenlos und heftigst bergauf und bergab.

Tiefe Flusstäler galt es zu überqueren und die Anstiege gingen mir doch ganz nett in die Beine und so zwischendurch hab ich doch glatt die Lust etwas verloren und war auch ziemlich ausgepowert und müde und auch der überraschend starke  Verkehr auf der engen Straße setzte mir zu und ich brauchte um die Mittagszeit eine lange, lange Pause und fand ein nettes Restaurant mit einem Souvenir- und Möbelladen dabei am Rande einer Schwarzensiedlung in der Ciskei, so heißt die Gegend hier.

Ich liess es mir dort echt gut gehen und bekam einen sensationellen Spinat-Feta-Pilz -Pie mit Salat und einen vorzüglichen Käseblaubeerkuchen zum Milchkaffee und obendrein noch 3 Schockocookies geschenkt und fühlte mich danach wieder jung und frisch und energiegeladen, um die verbleibenden 55 km vollends zu schaffen.

Doch es war schon auch klar, dass es zeitlich knapp werden wird bei all den Steigungen und in Anbetracht dessen, dass es eben um 17:30 Uhr schon so dämmerig ist, dass man besser nicht mehr auf der Straße mit dem Fahrrad unterwegs sein sollte.
Bei einem der Anstiege dann riefen mir aus einer Anhöhe einige Jugendliche zu und wollten, dass ich anhielt, ich winkte und grüßte zurück stoppte aber nicht und wurde dann von ihnen mit Steinen und dicken Erdklumpen beworfen. Hey das war echt kein Spaß, denn die Teile hatten es in sich und es waren vor allem verdammt viele, die mir da um die Ohren flogen und stellten  alles in den Schatten, was ich in Äthiopien erlebte oder von den anderen berichtet bekam.
Ich versuchte mit lautem Schimpfen und Schreien dem Beschuss ein Ende zu machen, doch erreichte dadurch eher das Gegenteil und an Flucht in Form von wegradeln war wegen des Anstieges nicht zu denken. Zum ersten Mal bereute ich es dass ich seit Kapstadt keinen Helm mehr auf dem Kopf trage, denn zumindest in solchen Situationen wäre der nun sehr schützend und hilfreich. Ein Dreckklumpen traf meine Lenkertasche und einer meine Tasche am Gepäckträger, den anderen konnte ich ausweichen und sie schlugen neben mir auf der Straße auf. Andere Autos und die zunehmende Entfernung von ihnen zu mir bereiteten dem Spuk dann zum Glück bald ein Ende; aber dieser Angriff - und als solches empfand ich es - setzte mir doch zu, versetzte mich in Angst und Schrecken währenddessen und machte mich nachdenklich.

Nun wurde mir bewusst, auf was ich mich da womöglich einlasse in den nächsten Tagen und dass die Warnungen vor der Transkei doch nicht so ganz aus der Luft gegriffen waren. Andererseits wollte ich es nun auch nicht überbewerten ,denn bislang hatte ich ausschließlich nur allerbeste Begegnungen und Erfahrungen gemacht, auch in den Schwarzensiedlungen.

Ich werde also meine Sinne und Augen wach halten und darauf vertrauen, dass, sollte sowas nochmals passieren , es auch Menschen geben wird, die mir dann helfen werden und dessen bin ich nach allem was ich bislang erleben durfte hier auch sicher.

Doch etwas aufgewühlt erreichte ich dann im schönsten Abendrot gerade noch rechtzeitig Kidds Beach und hatte nach dem Erlebten irgendwie das Bedürfnis nach einer guten und sicheren Bleibe und fand diese dann auch schnell in einem schönen Bed & Breakfast Zimmer bei Malcom und Terri, wo es obendrein auch noch Tee und Kekse und ein Bierchen zu meinem Käsebaguette gab.

Nach einer heißen Dusche fühlte ich mich dann rundum wieder wohl und die Vorstellung, morgen nur mal 30 km bis East London radeln zu müssen, wo ich bei Barry und seiner Familie übernachten darf, behagte mir sehr und ermöglicht mir einen halben Tag am Strand. Barry ist im Übrigen der Sohn von Daphne und Peter, das sind die beiden bei denen ich in Port Elisabeth zuhause sein durfte.

So machte ich mich also heute früh nach dem Frühstück (Spiegeleier mit Bohnen und Pilzen und davor Müsli mit Joghurt und Obstsalat und Toast) auf und spazierte bei leichtem Nieselregen am einsamen Strand entlang und schaute, was das Meer über Nacht so alles an Land gespült hat.

Mächtige Wellen und die aufgewühlte See faszinierten mich dabei ebenso, wie all die Muscheln und Schnecken die es am Sandstrand zu finden gab und die ich leider oder zum Glück alle nicht mitnehmen kann......  und als ich mich später dann von meinen Gastgebern verabschiedete, wollten sie kein Geld von mir, sondern gaben mir noch ein Vesperpaket mit auf den Weg und wünschten mir viel Glück auf meinem weiteren Weg und zeigten sich einfach erfreut, dass ich bei ihnen eine gute Rast gefunden hatte.

Zudem bekam ich von Terri noch eine Adresse der UNICEF Zentrale in Pretoria und eine Kontaktperson, die sie dort gut kennt, da sie auch die Arbeit von UNICEF unterstützt; echt unglaublich phänomenal wie sich manchmal eins zum anderen fügt. Ach wie hat mir dies nun alles gut getan, gerade auch nach dem bösen Erlebnis am gestrigen Nachmittag. Frohen Mutes und voll Freude über all die gute Fügung, strampelte ich so vollends die 30 km nach East London. Danke Terri und Malcom für eure geniale Unterstützung!

Um East London herum ließen sich vor nun mehr gut 150 Jahren viele Aussiedler aus Deutschland nieder und so findet man hier Orte mit den vertraut klingenden Namen Braunschweig, Hamburg, Potsdam oder Berlin. In der Stadt beleuchtet ein Museum diesen Teil der Geschichte und zeigt auf, wie sich die Menschen damals hier ansiedelten und aus welchen Gründen sie die weite und gefährliche Seereise auf sich nahmen, getrieben von der sehnsüchtigen Hoffnung auf ein besseres Leben..... 
Auch tauschte ich meine letzten 100.- Euro und durfte so unmittelbar den "Sturz" unserer Währung mitansehen. Hätte ich dafür im Januar noch knapp 1100.- Rand erhalten, gab es nun gerade mal noch 902.- Rand dafür; so schnell geht das manchmal, verrückt irgendwie!

Und bevor ich nun meinen Bericht abschicke, habe ich noch das große Vergnügen Constanze in Bermaringen und meiner Tante Elfriede in Sonderbuch zum gestrigen Geburtstag gratulieren zu dürfen; alles Gute, viel Gesundheit und Glück von ganzem Herzen wünsche ich Euch!!


Sonnige Grüße, Hartmut






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1. Juni 2010, Port Elisabeth


Im Backpacker in Jeffreys Bay konnte ich mir wieder ein Buch in Deutsch gegen mein ausgelesenes tauschen; das ist echt eine prima Sache und bei fast allen Backpackers Herbergen findet sich dazu Gelegenheit und so ist man nie ohne irgendeinen Roman unterwegs und Lesen ist doch, grade wenn man alleine reist, eine schöne Entspannung am Abend. Zumal es hier in Südafrika zur Winterzeit schon um 18:00 Uhr richtig dunkel ist; meine Tage also recht kurz sind im Vergleich zu den laaaaangen hellen Abenden bei Euch in good old Germany.

Mein Ausrüstung hält sich auch noch wacker, lediglich meine Therma Rest Matratze ist ziemlich hinüber und schiebt eine riesige große Blase, die sich über die Hälfte der Matratze erstreckt und das Liegen etwas uneben und unkomfortabel macht. Ich puste nur ganz wenig Luft hinein, um nicht ganz auf dem Boden zu liegen und um die Blase einigermaßen klein zu halten und dann lässt es sich aushalten.

Am Foto ist die Linse mittlerweile total verkratzt und ich wundere mich über jedes Foto das er doch noch ganz gut hinkriegt.

Mein Fahrrad läuft und läuft und läuft.... da bin ich super zufrieden mit, zumal auch meine notdürftig reparierte Bremse ganze Dienste leistet. Auch an das Radeln mit all dem Gepäck habe ich mich nun gewöhnt und komme gut zurecht; brauche halt an den vielen Steigungen ewig Zeit bis ich oben ankomme, aber die habe ich ja, da ich außer Radeln und Landschaft bewundern keine weiteren Aufgaben innehabe, also ein sorgloses und zugleich erfülltes Dasein genieße und was für ein Glück ist es doch, dies von sich behaupten zu dürfen.

Geführt werde ich ja durch einen speziellen Fahrradreiseführer "Südafrika per Rad " von Dirk Heckmann und den kann ich wahrlich weiterempfehlen, lenkt er mich doch wirklich auf sehr schönen und vor allem verkehrsarmen Wegen durch dieses beeindruckende Land. Weniger schön an so einem Reiseführer ist, dass man darin auch lesen kann, was man alles nicht schafft abzuradeln oder welche Sehenswürdigkeiten, Safaris, Parks..... man nicht schafft zu besuchen und was man alles sonst noch so an Besonderem links liegen lässt.... ach, ich könnte und müsste viel mehr Zeit haben um gerade auch einige der vielen Wanderungen hier machen zu können, lohnen würde sich das allemal.... naja, ein andermal dann halt....!!!

Heute nun mache ich einen spontanen Ruhetag in Port Elisabeth, das ist die Stadt in der unsere Nationalelf das zweite Vorrundenspiel gegen Serbien austragen wird und wo ich bei Daphne und Peter eine sehr herzliche Bleibe habe. Die beiden kenne ich von unserer Ankunft in Kapstadt und sie haben mich eingeladen, bei ihnen Rast zu machen. Sie unterstützen ein Projekt für das auch Eric Olverson (Kairo-Kapstadt Radler; www.ericonhisbike.com) Spenden gesammelt hat und das sich für Behinderte und Kinder in den Schwarzen-Townships nach dem SOS-Kinderdorf-Prinzip einsetzt und dort medizinische und soziale Hilfe leistet.

Hier im Haus wohnen auch einige Praktikanten, die in diesem Projekt mitarbeiten und so habe ich die spannende Gelegenheit, mal etwas mehr Einblick zu bekommen und dafür ist ein Ruhetag doch super angelegt. Und so begleitete ich Eva am Nachmittag zu 4 der Häuser, die sie besucht und wo jeweils eine Hausmutter bis zu 7 Kindern, teils eigene und teils angenommene, betreut. Heute stand außerdem der wöchentliche Einkauf an und so konnte ich mich auch etwas nützlich dabei machen.

Das Township ist riesig, unzählige kleine Häuser stehen eng bei einander und sind in recht unterschiedlichem Zustand. Manche sehr gepflegt und manche auch recht runtergekommen und das ist so Spiegelbild im ganzen Township, wo Tausende Menschen leben. Es gibt recht vermüllte Plätze und dann wiederum auch welche wo man das Gefühl hat, hier wird Sorge getragen, dass das Umfeld auch in Ordnung gehalten wird.
Viele kleine Verkaufsstände stehen entlang der Straße und bieten etwas Gemüse und Obst an, hie und da brennt ein Feuer, wo Maiskolben gebraten werden und große Container sind zu Friseurläden umfunktioniert und laden zum Haare schneiden ein. Ziegen und Kühe laufen scheinbar herrenlos durch die Straßen und viele Kinder spielen mit Autoreifen und mit aus Plastiktüten gebastelten Fußbällen oder sind auf Inlinerrollschuhen unterwegs; es ist ein recht buntes Bild, das sich mir da bietet und welches mich an das Straßenbild in anderen Ländern Afrikas erinnert, durch die wir geradelt sind. Es sind absolut keine Weißen hier anzutreffen und als wir an einer Tankstelle was zu trinken holen, fragen uns die anwesenden Polizisten ob wir schon wüssten wo wir uns befänden. Ich fühle mich wohl und sicher und wir werden nur freundlich und neugierig gegrüßt und beobachtet.

Die Häuser der Familien, die wir besuchen, sind klein und recht ordentlich und da Eva eine allerherzlichste Beziehung vor allem zu den Kindern pflegt, ist es auch ein Leichtes für mich, Kontakt zu knüpfen und im Nu habe ich Kinder auf dem Arm oder spiele Fußball.
Auch besuchen wir ein Haus in dem vor ein paar Tagen die junge Mutter an Aids gestorben ist und der ebenfalls sehr kranke Vater nun die Kinder solange noch betreut, wie er es aus eigener Kraft schafft, denn auch er wird nicht mehr lange zu leben haben und die Organisation wird sich dann der Kinder annehmen. Solche Schicksale sind hier beinahe Alltag und dies mit eigenen Augen zu sehen macht betroffen, nachdenklich und traurig. Schon am Vormittag durfte ich miterleben wie Peter eine junge Frau mit ihren beiden kleinen Kindern von der Straße mit ins Haus brachte, weil sie völlig ausgehungert und ausgezehrt waren. Auch diese Frau hat Aids, ist alleine und man sieht ihr die Krankheit und die Not an; Peter gab ihr, nachdem er für sie eine Suppe gekocht hatte, Geld und Kleider und für die Kinder was zum Spielen mit auf den Weg und auch Ratschläge, wohin sie sich wenden könne.... es ist schier unglaublich mit welcher Selbstverständlichkeit und Hingabe hier in diesem Haus lebendige Nächstenliebe praktiziert wird. Eva und Jolanda erzählen mir noch einige solcher und ähnlicher Geschichten.

Link zu den Hilfsprojekten hier in den Townships: www.be-more.nl

Ich bekam heute einen völlig neuen Blickwinkel auf das Leben in Südafrika, das ich bislang so noch nicht kennengelernt hatte. Und ich bin so froh für die Zeit hier bei Daphne und Peter, zwei sogenannte Coloured in Port Elisabeth. Danke für Eure Gastfreundschaft und für Euer großes Herz.

Ab morgen geht es dann Richtung East London weiter entlang der Küste und dann folgt mit dem Abschnitt durch die Transkei das Eintauchen in eine der ärmsten Gegenden hier in Südafrika. Manche haben mir abgeraten dort alleine zu radeln, weil es eben nicht ganz ungefährlich wäre, manche wiederum meinen, ich werde dort die schönsten Erlebnisse und Begegnungen überhaupt machen und so bin ich doch etwas aufgeregt vor den Etappen, die da hinter East London in drei Tagen auf mich warten und das nicht nur weil es dort recht bergig sein wird..... aber ich will mit guten Gefühlen und einer offenen und freundlichen Einstellung auf die Menschen zugehen und werde dann auch selbiges erfahren, schließlich verbindet uns der Fußball und die Tatsache, dass wir doch alle "zu Gast bei Freunden" sind, wo immer wir auch unterwegs sein mögen...... in diesem Sinne herzlichste und sonnigste Grüße aus Südafrika,

Hartmut

 

    


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30. Mai 2010  Jeffreys Bay

In Plettenburg Bay empfing mich Roy, das ist ein Bekannter von Jos und der Sohn von Yvonne und er verhalf mir zu einem ganzen Appartement in einer Bed & Breakfast Pension und so hatte ich nicht nur ein komfortables Häusle, sondern kam doch glatt in den Genuss, mal wieder selber etwas kochen zu können. Und so gab es dann zauberhaft gekochte Kartoffeln und allerlei Gemüse mit ner ordentlichen Menge Quark und zum Nachtisch überraschend feinen Apfelstrudel und für die Lesestunde danach hab ich mir zum ersten Mal in meinem Leben überhaupt Popcorn gekauft, das man in der Mikrowelle aufpoppen lässt, was zumindest ziemlich witzig ausschaut. Da habe ich Schmacht drauf gehabt, als ich die gesehen habe im Supermarkt, musste aber feststellen dass die im Kino eindeutig besser schmecken, was aber vielleicht auch daran lag, dass ich sie einen Tick zu lange den Microwellen aussetzte.

In einem alten Elektrogrill konnte ich außerdem meine völlig durchnässten Radschuhe trocknen und vielleicht sollte ich diese Geschichte besser für mich behalten..... berichtet sei aber, dass dies mein erster Regentag seit Kapstadt war und kalt war es zudem empfindlich.
Dafür bot mir der Strand die Gelegenheit zu einem wunderschönen Spaziergang entlang der Dünen, die Bucht hier gilt als einer der schönsten und sichersten Badestrände ganz Südafrikas und das scheinen auch die Delphine zu schätzen, denn sie sind hier beinahe täglich zu sehen, wie sie sich in den Wellen tummeln.

 Roy arbeitet als Sozialarbeiter in einem Therapiezentrum für erwachsene Suchtkranke und zeigte mir noch die Wohngruppe, wo bis zu 8 Menschen in einer Gemeinschaft für 3 Monate zusammenleben und lernen sollen, ohne ihre jeweilige Sucht klarzukommen. Danke Jos, Danke Roy für all das!!!!

Am Morgen dieses Tages fuhr ich an erbärmlich armseligen Bretterverschlägen vorbei, vor denen dicker Rauch vom Feuer mit nassem Holz aufstieg und in denen gleich hinter der Schwarzensiedlung von Knysna die leben, die nirgends sonst untergekommen sind. Das beschäftigte mich dann doch ziemlich an diesem Tag; ich kam gerade aus meiner prächtigen 5 Sterne Suite und hatte königlich frischen Orangensaft, Obstsalat, Müsli und Omelette mit Käse und Gemüse gefrühstückt und bekam sogar noch ein Lunchpaket mit auf den Weg und dann sah ich eben diese frierenden Menschen, die sich am rauchenden Feuer der Blecheimer vor ihren mit Plastikfolie geschützten Behausungen wärmten. Das ist einfach ein zu krasser Gegensatz und dies so dicht bei einander. Was ist fair, was ist recht und was ist falsch, steht es mir zu dass ich mir in Anbetracht dessen, es mir so gut gehen lasse hier und was sollte ich überhaupt tun??? Ein schlechtes Gewissen hilft nicht weiter und ist auch nicht angebracht, aber dass mich dies immer wieder aufs Neue beschäftigt zumindest schon.

Der gestrige Tag nun führte mich ins herrliche Nature Valley und da die Straße dort wegen Bauarbeiten teilweise und der nachfolgende Blougranspass wegen Steinschlags gar ganz gesperrt ist verbrachte ich nahezu einen ganzen Radeltag ohne jeglichen Verkehr. Für mich war es zumindest spannend zu erleben, ob ich mit dem Fahrrad durchkomme, so ganz klar war das nämlich nicht, aber getreu nach dem Motto "wo ein Wille da ein Weg" nahm ich diese Strecke mutig unter die Räder.

Und was ich erleben durfte war einfach nur phantastisch. Es war ein perfekter Tag in einer vollkommen idyllischen Landschaft, die mir dichtesten Urwald mit Farnen, Efeu, Moos und Lianen, tiefe enge Täler, rauschende Bäche gefüllt mit dunklem Wasser vom torfhaltigen Grund, phantastische Ausblicke aufs Meer und bezauberndes Vogelgezwitscher offenbarte.

Selbst die verlassene Straße am Pass war voller feuchtem Moos und wie eine Höhle, da der Wald teilweise so dicht ist dass sich die Kronen der Bäume auf beiden Seiten der Straße über mir zu einem schützenden Dach verbinden. Hey an so einem vollkommenen Tag und inmitten einer solch reichen Schöpfung fühlt man einen tiefen Seelenfrieden in sich und man spürt eine Quelle Glück in sich sprudeln.

Träumend und schwebend und vollkommen mühelos radle ich durch diese schier unglaubliche Idylle und bin Eins mit ihr auf meinem Fahrrad. In solchen einzigartigen  Augenblicken werden Kräfte geweckt, Visionen geboren und die ganze Welt verwandelt sich in ein einziges Paradies.... ach, möge doch dieser Zustand ewig so fortdauern, ewig!!!       
   

Wie die schrill kreischende junge Dame, der ich von der Ferne bei ihrem Bungee Sprung zuschaue, ihre Gefühlslage beim 7 Sekunden dauernden freien Fall von der 216 Meter hohen Bloukransbrücke beschreiben wird, werde ich wohl nie erfahren; der Schrei klang nicht gerade glückserfüllt, aber der Sprung sah durchaus spektakulär aus und die deftige Rockmusik und die vibrierenden Bässe schallten weit durch die Lande und wurden nur vom Schrei beim Sprung übertönt.....

Nach erbärmlich kalter Nacht in meinem Zelt (ich schlief in meiner langen Unterwäsche und war gottfroh dass ich die nicht nach Hause geschickt oder verschenkt hatte) radelte ich heute bei blauestem Himmel nach Jeffreys Bay; weltweit  bekannt und geschätzt  bei den Surfern für prächtige Wellen und bei Muschelsuchern für besonders gute Funde und zumindest letzteres kann ich nun auch bestätigen. Ich selber habe beim Baden im kühlen Meere doch recht gehörigen Respekt vor den Wellen und wage mich nur in die kleineren Exemplare derselben und bevorzuge eindeutig Strände, wo mit den Surfanfängern und den kleinen Kindern geübt wird.... Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Hardy radelt..... so lassen wir das auch weiterhin sein! 

Morgen erreiche ich mit Port Elisabeth die Stadt, die auf halbem Weg nach Durban liegt und wo mich Peter erwarten wird, ein Bekannter von Eric, der wiederum mit mir von Kairo nach Kapstadt unterwegs war.

Diese Nacht verbringe ich im Zelt im Garten eines Backpackers und auch hier bin ich einziger Gast und habe Küche, Wohnzimmer und Internet für mich und mit Andre aus der Schweiz einen Fußball liebenden Herbergsvater - was will man mehr?!

Sonnige Grüße, Hartmut





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27. Mai 2010  Knysna

Gestern nun erreichte ich mit George die größte Stadt entlang der "Garden Route"; zugleich auch die Stadt die das japanische Fußballteam samt Anhang während der Weltmeisterschaft beherbergen wird und so weht dort nicht nur überall die südafrikanische, sondern auch munter die japanische Flagge.

Es ist ein angenehmes Radeln, ich lasse mir Zeit, das Wetter ist mir wohlgesonnen, lasse mich zum Cappuccino einladen und komme irgendwie doch gut vorwärts.

Auf der Straße begegnen mir hier immer wieder VW-Käfer in allen Farben und vor allem viele VW-Golfs der ersten Baureihe, die wurden hier noch bis vor 2 Jahren recht erfolgreich zusammengebaut.

Eher zum Verhängnis wird mir hier die unglaubliche Supermarktdichte: "Pig n‘Pay", "Checkers", "Superspar", "Shopritte", "7Eleven",..... um mal die Häufigsten zu nennen, sind hier allgegenwärtig anzutreffen und locken mich verführerisch zum Einkaufen und Pause machen und - ich versteh es ja auch nicht - irgendwie habe ich IMMER Hunger und finde so IMMER ein Argument, der Versuchung nachzugeben.

Absoluter Schwerpunkt meiner Ernährung ist die gute Cadbury Schokolade (Vollmilch und Nuss), die ich aufs Baguette lege und recht hingebungsvoll vertilge und um den Zuckerhaushalt wirklich aufrecht zu erhalten, gibt es ne kalte Cola dazu, auch löffle ich gerne und viel Cornflakes in meinen Magen und das wohl hauptsächlich deshalb, weil ich ständig Japs nach Vollmilch habe (was ich im normalen Leben nun nicht gerade behaupten kann) und da ich mich ja sehr bewusst ernähre und auf ausreichend Vitaminzufuhr achte, nehme ich jede Menge Mandarinen, Äpfel, Orangen und Grapefruits zu mir, denn die gibt es in Hülle und Fülle, da jetzt Saison ist für die Zitrusfrüchte vor allem.

Wie gut, dass ich so oft von meinen Gastgebern bekocht werde; denn dies bringt dann alles irgendwie wieder einigermaßen ins gesunde Gleichgewicht - also ein Hoch an Yvonne, Mary, Elizabeth und Ria. Dies sind die guten Seelen, die mir die letzten Tage zu einem vorzüglichen und ausgewogenen Abendessen verholfen haben.

Also wenn ich nicht radeln würde wäre ich bestimmt schon kugelrund, wie leider viel zu viele Menschen hier in Südafrika und das liegt bestimmt an den vielen Fast-Food-Ketten,  die noch häufiger anzutreffen sind, wie die Supermärkte.
Was mir ausgesprochen gut gefällt, ist der perfekte Service; hier menschelt es einfach noch in der Form, dass man beim Tanken noch die Scheiben gewaschen bekommt und einem das Füllen des leeren Benzintanks abgenommen wird (zugegebenerweise komme ich mit dem Fahrrad nicht in diesen Genuss), auch das Parkticket bezahlt man beim Parkwächter und nicht an einem Apparat, im Supermarkt packt eine freundliche junge Dame alles in die mitgebrachte oder gekaufte Tasche, das Obst wird einem selbstverständlich auch gewogen und eingetütet und im Cafe wird man prompt und freundlichst bedient. Überall steht Securitypersonal herum, sodass ich um mein Fahrrad mir keine Sorgen machen muss, während ich shoppen gehe. Überhaupt ist das Thema Sicherheit allgegenwärtig, sei es nun in der Zeitung, in den Gesprächen oder einfach mit bloßem Auge erkennbar, da alle Grundstücke bewacht sind und über eindrucksvolle Zäune und Tore verfügen........
Es hat den Sommer hier recht wenig geregnet und die Bevölkerung ist zum Wasser sparen aufgerufen und die Felder ringsherum sind ziemlich ausgedörrt; wachsen kann nur was, wenn mit riesigen Bewässerungsanlagen nachgeholfen wird.
Meine Route führte mich durch ausgedehntes Farmland und ich begegnete zahlreichen imposanten Kuh- und Rinderherden und viel Federvieh auf den Straußenfarmen. Dort wird, wie man mir erzählte, demonstriert, dass man auf einem Straußenei stehen kann und es gibt sogar Straußenreitwettrennen; naja, riesig sind die Vögel ja allemal.

Nun habe ich den Faden verloren; ich wollte ja erzählen, dass ich in George Station gemacht habe, weil ich von den Eltern von Jethro (er wurde Zweiter bei den Racern) eingeladen wurde, sie doch auf dem Weg zu besuchen. Mary und Geerd sind auch den Abschnitt Tanzania-Malawi mitgeradelt und so war es ein herzliches Wiedersehen mit den beiden.

Geerd nahm mich am Stadteingang mit seinem Fahrrad in Empfang und radelte mit mir zusammen zu ihrem beachtlichen Grundstück, wunderschön am Fuße der Berge hier gelegen. Mary kümmerte sich nicht nur um mein leibliches Wohlergehen, sondern wusch auch noch gleich meine ganze Wäsche und wir verbrachten einen schönen Abend zusammen - Danke Geerd und Mary für all eure guten Dienste!

So gestärkt und mit frischer Wäsche radelte ich also nun heute auf der alten "Seven Passes Road" von George nach Knysna und dies war landschaftlich einfach ein Leckerbissen. Es ging durch dichte Wälder und tiefe Täler; meist auf guten Off-Road-Straßen und völlig einsam und ohne jeglichen Verkehr in einem ständigen  Hoch und Runter und mit viel Vogelgezwitscher durch die friedliche Natur. Endlich kamen mal meine kleinsten Gänge der Rohloffnabenschaltung ihrer Bestimmung nach und halfen mir, mein schweres Gefährt auch die steilsten Buckel hochzubringen.

Die serpentinenreichen Abfahrten dagegen erforderten doch gute Nerven und viel Fingerspitzengefühl beim Bremsen da gerade die Kurven oft ausgewaschen und voller feinem Sand waren und mein Hinterradmantel inzwischen  doch ziemlich abgefahren ist und meine hintere Bremse ja nach wie vor etwas schwächelt; aber wir haben das doch gut und mit Bravour hingekriegt und ich hatte einen echt schönen Radeltag.

Tja und nun bin ich hier in Knysna und dort machen nicht nur die Franzosen und die Dänen während und vor der WM Rast, sondern hier ist auch das Hotel für das ich die Einladung vor 2 Tagen auf so wundersame Weise bekommen habe. Und - hey ich bin wie ein  Prinz in einer eigenen Suite im 5 Sterne St.James Hotel. Ein wunderschönes Zimmer mit einem noch prächtigeren Bad  und einem herrlichen  Pool vor der Tür und mit frischem Obst auf dem Tisch und Gebäck und Tee und Abendessen und Getränke aufs Haus und Frühstück morgen früh und alles garniert mit einer herrlichen Aussicht über die Lagune;  Platz ist hier im übrigen mehr als genug; wer mich besuchen kommen möchte... bitte sehr gerne:   www.stjames.co.za  Ich staune nur und sage von Herzen Danke an Derek und Trish Goldby, das ist echt sowas von mega nett und schier unglaublich und freundlich und genial und umwerfend schön alles; ach ja die Engel!!!!

Morgen geht es dann weiter entlang der Garden Route, immer der Küste entlang, immer  an den Stränden und Buchten des indischen Ozeans, wo im afrikanischen Sommer Trubel herrscht und wo es nun recht beschaulich und ruhig ist.

Und das Schönste kommt wie immer am Schluss: ein bunter Geburtstagsgruß und lauter gute Wünsche an die Klara in Scharenstetten; hei da wird es heute herrliche Kuchen geben......


PS:
Ich komme gerade vom Abendessen zurück und muß euch nun einfach berichten was es da gab: Gegegrillten Fisch, auf diversem Gemüse gebettet und mit Reis umgarnt und mit Rotwein serviert, frischen Blattsalat mit Cocktailtomaten und Paprikastreifen und feinstem Feta, garniert mit Kresse und Gänseblümchen und zum Nachtisch ein selbstgemachtes, himmlisch feines Eis mit Schokoladensauce und Passionsfrucht.... das war echt eine Wucht, sowas von lecker und fein und ich hatte 3 Messer und 3 Gabeln und 2 Löffel und 3 Gläser für all das zur Verfügung........ hab aber von allem nur eines gebraucht.......so macht man sich Freunde beim Spülpersonal......(alter Trick!)





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25.Mai 2010 Albertinia

Es war einmal ein illustrer schwäbischer Radfahrer irgendwo im südlichsten Südafrika mit seinem nachtblauen Fahrrad und einem Bärenhunger unterwegs und wie er sich so abmühte mit all seinem schweren Gepäck am Radel und bergauf und bergab und schon wieder bergauf sich strampelte und schnaufte, da kam er zu seiner großen Freude zu einem "Farmstall"(Bauernhofladen und Gaststätte) und beschloss es sei Zeit für eine ausgiebige Rast. Und was er da dann vorfand, ließ sein Herz höher schlagen und ihm das Wasser im Munde zusammenfließen. Alles was er sich in den letzten Stunden an Eßbarem so erträumte, fand er nun hier auf wundersame Weise vor; hausgemachte Kuchen und Muffins,  getrocknete Früchte und Nüsse aller Art, frisches Obst und selbstgebackenes Brot und hofeigenen Käse und Milch und Cappuccino und mit Schokolade überzogene Früchte und, und, und ...... und in seinem grenzenlosen, gesunden Appetit wählte er von allem etwas aus und zugleich noch eine anständige Portion von allem als Reiseproviant für später..... (man weiß ja nie!). Und nicht nur deshalb fand die Besitzerin des Farmstalls großen Gefallen an unserem schwäbischen Radfahrer; ja sie war nahezu beglückt, nun doch endlich einmal Besuch aus dem deutschen Schwabenland zu bekommen und erzählte ihm voller Inbrunst von Engeln und wie sie uns beschützen und begleiten und wie sehr sie daran glaube und sie bat unseren staunenden Radfahrer, dass er doch bitte nie schneller radeln solle, als sein Schutzengel fliegen könne (was nun wiederum mit dem Fahrrad und dem schweren Gepäck nahezu ein Ding der Unmöglichkeit ist).

So gestärkt und mit guten Wünschen behaftet, verstaute unser Schwabe seine ersteigerten Schätze in seinen Taschen und wollte gerade wieder losstrampeln, als er von einem älteren Ehepaar nach Ziel und Zweck seiner Radreise befragt wurde und er erzählte in perfektem schwäbischem Englisch von seiner bisherigen Tour und das Pärchen war davon so angetan, dass sie ihn spontan zu sich in ihr Hotel in Knysna für eine Nacht einluden. Das war schon mehr als perfekt, denn dieses Knysna nun liegt haargenau auf der Strecke und 2 Radtage vorneweg..... welch ein Segen.

Freudestrahlend bedankte sich unser Radler bei den beiden und um sein Glück mit jemandem zu teilen, eilte er zurück in den Farmstall und erzählte mit leuchtenden Augen der Besitzerin von alledem, was ihm gerade wiederfahren ist und dass doch die Engel wirklich ganze Arbeit geleistet hätten. Milde lächelnd erwiderte die Frau nur, als sei es das selbstverständlichste überhaupt:"ich habe es dir doch gesagt, dass dich die Engel begleiten werden!" Und unser illustrer schwäbischer Radfahrer schwang sich auf seinen geliebten, nachtblauen Drahtesel und strampelte abwechselnd vergnügt pfeifend und "Halleluja" jubilierend beschwingt wie selten weiter und winkte allen munter zu die ihm begegneten....

Gestern nun durfte ich eine Nacht bei Yvonne (eine gute Bekannte von Jos, einem Mitradler) in ihrem prächtigen Holzhaus verbringen und wurde von ihr mit viel frischem Gemüse versorgt. Das Haus ist eine wahre Pracht; komplett aus massiven Rundholzbalken und mit einem Naturstrohdach; ein geniales Raumklima hat es da drin.  

Mir geht es doch echt sowas von gut und heute habe ich doch tatsächlich noch Franz und Carolina auf dem Weg nach Mossel Bay auf der N2 Nationalstraße getroffen; die beiden sind auch Tour d‘Afrique Radler und haben sich nun ein Auto gemietet, um die Küste zu erkundigen und wir haben beim Abschied in Kapstadt noch zum Spaß gesagt "bis irgendwo unterwegs", aber kaum geglaubt, dass wir uns wirklich nochmal begegnen werden und da war die Freude und das Erstaunen  dann heute umso größer.

Witzigerweise ertappe ich mich entlang der Strecke immer mal wieder dabei, wie ich mich umdrehe auf dem Fahrrad und Ausschau halte nach all den anderen Radler, so als könnte mal eben Ruben, Gisi, Jethro, Gerald, Jos, Gabrielle, Paul, Rainer, Katja, Eric, Simon....... auftauchen, um mich ein Stückchen zu begleiten nach dem Motto "Zusammen ist man weniger allein".

Tja, 4 Monate gemeinsame Zeit ist prägend und ich denke doch viel an die zusammen verbrachte Zeit und die geteilten Erlebnisse auf dem langen Weg durch Afrika. So bin ich nun also heute bei Einbruch der Dämmerung in Albertinia eingetroffen, um dort feststellen zu dürfen, dass der Campingplatz geschlossen hat und da ich nun doch nicht  "wild" campen möchte, wenn es denn nicht unbedingt sein muss, habe ich mich entschlossen, mir ein B&B Zimmer zu nehmen und gefunden habe ich eine wunderbare Dame, die mich für sagenhafte 10.- Euro in einem schönen Zimmer nächtigen lässt und mich obendrein mit Obst und Tee und Abendessen ( leckerem gebratenen  Fisch und Salat) aufs Beste verköstigt.....,was meint es das Leben doch gut mit mir - Danke!


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23. Mai 2010 Hermanus

Der Campingplatz hier in Cape Aghulas ist verwaist und steht leer; der ganze Ort hier macht einen sehr verlassenen Eindruck und dies, obwohl es ein ganz, ganz besonderer Ort eigentlich ist. Aghulas ist nämlich die südlichste Siedlung auf dem afrikanischen Kontinent und wenn man da so steht und über‘s weite, endlose Meer schaut, ist es schon faszinierend zu wissen,  da ist nun nichts mehr als Wasser, Wasser, Wasser und dann kommt 6135 km weiter noch der Südpol....... und an dieser ohnehin schon bedeutenden Stelle, hier am Cape Aghulas, treffen sich auch noch der kalte Atlantik und der mildere indische Ozean und brechen ihre Wellen an der zerklüfteten, steinigen Küste.

Über allem wacht sehr markant ein prächtiger Leuchtturm, dessen Licht in der Nacht noch bis 55 km weit auf hoher See zu erkennen ist und dessen Turm ich heute voller Freude (ach, ich mag Leuchttürme) bestiegen habe. Dieser Küstenabschnitt galt in früheren Tagen als einer der gefährlichsten überhaupt, was  mit den heftigen Winden und der felsigen Küste und den vielen Riffen zusammenhängt und hunderte Schiffe verunglückten. Aus aller Welt kam finanzielle Hilfe um an dieser Stelle den Leuchtturm zu errichten, um die Schifffahrt an dieser Passage sicherer zu machen und schließlich wurde dann dieser Leuchtturm 1848 erbaut und er ist mittlerweile der zweitälteste noch funktionierende Leuchtturm Südafrikas.  

Und um diese Zeit, zu Beginn des südafrikanischen Winters, ist  hier einfach totale Flaute, sprich Nebensaison und kein Mensch ist unterwegs und viele Camps und Restaurants und Geschäfte haben geschlossen und so bin ich wirklich recht einsam unterwegs..... das wird sich Richtung Durban aber mehr und mehr ändern, weil dort das Klima milder ist und der indische Ozean ganzjährig zum Bade und vor allem zum Surfen einlädt.

Interessant wird es hier am südlichsten Teil Afrikas wieder ab Ende Juni wenn die Glattwale in die Buchten geschwommen kommen, um sich hier zu paaren oder auch um ihre Jungen zu gebären. Nirgendwo auf der Welt sonst kann man diese Urtiere der Meere so nah und zahlreich beobachten wie hier.

Eine weitere touristische Attraktion ist das Tauchen in sicheren Käfigen, um dem Weißen Hai ganz nahe zu kommen; überall wird mit furchterregenden Bildern vom weit aufstehendem scharfen Gebiss des Tieres dafür geworben...... aber das brauche ich genauso wenig, wie den weltlängsten Bungee Sprung von über 210 Metern den man hier auch in der Nähe machen kann...... Wale zu sehen wäre natürlich schon Klasse gewesen, aber da bin ich wohl 1 Monat zu früh unterwegs...... naja, ich beobachte mal die See, vielleicht hat sich schon so ein Meereskoloss früher als üblich hierher gewagt.

Das Radeln nun alleine ist schon eine ziemliche Umstellung und ich vermisse doch meine Tour d‘Afrique Mitradler und Freunde sehr; niemand zum Plaudern, niemand der dich überholt, keine Versorgungsstelle auf halber Strecke mit leckersten Sandwiches und frischem Obst...... tja, nun gilt es sich um alles selber zu kümmern.
Das ganze Gepäck am Rad zu haben ist schon auch sehr gewöhnungsbedürftig, vor allem bei Gegenwind und  berghoch zieht es mich beträchtlich nach hinten und ich schleiche dahin  und das Strampeln braucht viel mehr Kraft. Typischerweise bin ich einfach auch zu überladen und habe viel zu viele Dinge eingepackt, die ich wohl nie brauchen werde; aber ein Schwabe trennt sich nun mal nur sehr schwer von seinen Sachen..... immerhin habe ich in den 3 Tagen die ich nun alleine radle schon zweimal meinen ganzen Besitzstand  einer ernsthaften Prüfung unterzogen und das ein und andere Teil inzwischen schon verschenkt, darunter meinen dicken geliebten Fleecepullover..... und den habe ich gestern Abend prompt frierend vermisst. Es gilt aber noch mehr Ballast abzuwerfen, denn es warten noch viele, viele Steigungen und kleinere Pässe auf mich auf dem Weg nach Durban und Johannesburg.

Manchmal geschieht dies auch nicht so ganz freiwillig, indem ich etwa mein dickes Fahrradschloss einfach am Zeltplatz liegen lasse, wie zuvor ja schon meinen Radhelm.... mal sehen, was ich sonst noch so alles vergesse. 

Die letzten 3 Tage war ich immer entlang der Küste unterwegs; der Abschnitt Kapstadt bis Hermanus gilt als einer der beeindruckendsten seinesgleichen überhaupt und ich empfand diese Strecke auch als sehr spektakulär, mal abgesehen von den 30 km, die ich gestern früh im dicksten Nebel zurückgelegt habe.

Nebel kennt der Schwabe ja, aber Nebel mit dem Geräusch von sich brechenden Wellen und Möwengeschrei war mir dann doch neu........ morgen nun geht es nach Swellenkamp, weg von der Küste und dort wartet auf mich schon eine Herberge. Von Jos, Jethro und Marius bekam ich einige Adressen mit auf meinen Weg und so habe ich doch ein paar Anradelstellen.... super!

Hier an der Küste mit seinen einladenden Buchten und Stränden leben viele recht wohlhabende Menschen und die Häuser sind neu, modern und einfach schön und die Grundstücke großzügig. Krass auffallend dazu die Wohnsiedlungen der Schwarzen; kleine einfachste Wohnhäuser, die eng bei einander stehen und ein Gewirr an Stromleitungen und Wäscheleinen von Haus zu Haus. Doch auch riesige Ansammlungen von primitivsten Wellblechhütten habe ich schon entlang meiner Route gesehen und dieser Kontrast macht betroffen und zeigt, dass auf Südafrika und auf uns alle noch eine große Aufgabe wartet.

Ich fühle mich auf meinem Fahrrad in diesem Land bislang sehr wohl und sicher; die Menschen - egal ob nun weiß oder schwarz, begegnen mir sehr freundlich, hilfsbereit und vor allem interessiert und so habe ich ein prima Gefühl hier unterwegs sein zu dürfen und ich hoffe dies bleibt auch so, wenn ich in Gegenden unterwegs bin, die abseits der Touristengegenden liegen.

Am gewagtesten ist es auch hier auf der Straße, die Menschen sind es nicht gewöhnt dass überbreite Fahrradfahrer unterwegs sind und überholen mich bisweilen mit äußerst geringem Abstand und oft hupenderweise..... als könnte ich mich in Luft auflösen, wenn nur kräftig gehupt wird, tstststs!!!!!

So nun sage ich ciao; wünsche frohe Pfingsten und  außerdem alles, alles Gute zum Geburtstag meiner guten Tante Moni in Marbach und natürlich auch Helga in Neu-Ulm.

Hartmut






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20. Mai 2010 Paarl

Gestern war nochmal Bummeln an der schönen Waterfront am Hafen Kapstadts angesagt; Straßenmusik, die Statuen der vier südafrikanischen Friedensnobelpreisträger,  Menschen aus aller Welt, Jugendliche in ihren Schuluniformen und Möwen, die einem die Eiswaffel aus den Händen stibitzen.... ein buntes Treiben unterhalb des Tafelberges, der immer präsent ist hier in Cape Town.

Am Abend in der Rush Hour ging es dann mit einem ehemaligen Ulmer nach Paarl, wo Frank mit seiner Frau Elizabeth seit 11 Jahren wohnt und wo ich gastfreundschaftlich willkommen geheißen und mit Käsenudeln und Salat verwöhnt wurde.

Heute ein gemütlicher Tag mit viel, viel Sonne in Paarl; das liegt 60 km außerhalb von Kapstadt  in der Weinregion. Hab im Antiquariat einen dicken deutschen Roman erstanden, den ich die nächsten Wochen mit dem Fahrrad nun durch Südafrika schleppen werde, aber es ist einfach schön, was zum Schmökern dabei zu haben.

Am Nachmittag dann machte Elizabeth mit mir einen wunderschönen Ausflug in die Weinberge und wir besuchten zwei große, stilvolle Weingüter und das war auch wegen des farbenfrohen, stimmungsvollen Sonnenuntergangs einfach ein besonderes Erlebnis. Danke an Frank und Elizabeth an dieser Stelle!
Morgen früh fahre ich um 5:30 Uhr mit Frank im Auto zurück nach Kapstadt, dort wartet bei Jos ein üppiges Frühstück auf mich und dann geht es mit Jos und Anka zusammen auf dem Fahrrad weiter, die beiden begleiten mich einen halben Tag lang und das ist klasse. Back on the road also.
Am Samstag gilt es dann einen Übernachtungsplatz zu finden, wo das CL-Finale Mailand-Bayern gezeigt wird..... hoffe das gelingt mir; so ein Spiel erlebt man ja nicht alle Tage, auch als Bayernfan nicht!

Bevor ich euch nun ein sonniges Wochenende wünsche gratuliere ich herzlichst meinem Freund Thomas Kayser zu seinem Geburtstag - alles Gute aus Südafrika!!!!!!

liebe Grüße, Hartmut





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19. Mai 2010 Kapstadt

Hallo aus Cape Town;

Die Sonne malt ein zart rotes Band über das Meer und erhellt mühelos das Grau der Nacht und das Leben erwacht; die Möwen fliegen, die Jogger rennen, die Hunde schnüffeln von Stein zu Stein und ihre Herrchen und Frauchen stehn etwas ungeduldig daneben...... und ich sitze vor einer riesigen Fensterfront im Wohnzimmer von Jos, einem Mitradler, und genieße diese atemberaubende Sicht aufs Meer hier in Camps Bay, mit die beste Wohngegend in ganz Kapstadt. Für die Terrasse ist es mir so früh am Morgen noch zu frisch in meiner kurzen Hose (hey, hier ist immerhin Winter!), da wird dann später gefrühstückt und der Brandung gelauscht.

Ich kann ja gar nicht recht glauben wieviel Glück mir wiederfährt, seit wir in Kapstadt sind. Da war erst diese wundervolle Begrüßung und all die Feiern und dann eben die Einladung von Jos, dass ich bei ihm ein paar Tage wohnen kann; dann das prächtige Leben hier in der Stadt und gestern wurde ich mit Dan, Daniel und Staff von einem weiteren Mitradler, der auch hier in Kapstadt wohnt, noch einen Tag lang auf Sightseeing mitgenommen und eingeladen..... es ist unglaublich und ich war schon etwas nervös, wo ich denn hier in dieser Weltmetropole unterkommen werde, nachdem dann klar war, dass mir Marius eben keine Unterkunft verschaffen wird können (dafür aber hatten wir ein schönes Mittagessen zusammen).

Soviel Glück steht doch einem allein gar nicht zu!! Na, aber ich nehme es einfach dankbar an und freue mich und kann es doch nicht recht fassen!

Ich habe noch nie in meinem Leben eine so moderne Wohnung gesehen, wie die hier von Jos und darin gelebt schon gleich zweimal nicht; es ist riesig und alles was man so tut, wird mit einer ipod Fernbedienung gesteuert; ich hab ein riesiges, wundervoll bequemes Bett und ein mega Badezimmer, die Küche ist vom Feinsten und ich bin faszinierd von all den Geräten und wie das eben alles funktioniert, die Terasse hat ein langes Schwimmbecken, um sich die Müdigkeit am Morgen aus den Gliedern zu schwimmen, die Sitzecken sind beheizt und ich könnte den ganzen Tag einfach dort sitzen und die Aussicht übers Meer genießen..... und Jos verwöhnt seine Gäste nun wirklich, gestern waren noch ein paar holländische Mitradler da und andere Bekannte und es wurde gemeinsam gekocht und geschlemmt und ich bekomme hier die besten südafrikanischen Weine vorgesetzt und Jos fragt mich dann immer "und wie findest du den??" und ich bin ja in Weinfragen wie in kulinarischen Angelegenheiten überhaupt ein wahrer Banause und ein total Unkundiger, wobei schmecken tut mir ja so ziemlich alles und ich finde schon lobende Worte...... Danke Jos für deine Gastfreundschaft!!!!!!!!

Am Montag waren Rainer und Eric und ich auf dem Tafelberg; bequem wie wir Radler nun mal sind haben wir uns von der Seilbahn nach oben bringen lassen und haben die phänomenale Aussicht über Kapstadt genossen und ebenso die wunderbare Karottentorte im Cafe dort. Es war fast schon gruselig vom Tafelberg aus zu beobachten, wie dicker Nebel vom Atlantik her sich über der Stadt wie ein dicker grauweißer Lavastrom ausbreitete und die Szenerie nach und nach in ein Meer Nebel und Wolken legte, während gleichzeitig auf dem Berg die Sonne sich langsam ans Untergehen vorbereitete und mit den Farben spielte.

Getroffen habe ich mich dort auch mit Ulli, der mit dem Fahrrad über Westafrika nach Kapstadt geradelt kam und Fußbälle unterwegs an Kinder verteilt hatte. (www.kicktothecape.de); witzigerweise haben wir am selben Tag und Jahr Geburtstag und sind nun beide mit dem Fahrrad nach Kapstadt gekommen auf unterschiedlichen Wegen; bedauerlicherweise hat man seines jedoch in Windhoek geklaut.

Gestern nun die Tour ums Kap der guten Hoffnung; zum Leuchtturm, zu der Pinguinkolonie, zum Fischessen und entlang von Chapmans Peak, einer faszinierenden Panoramastraße die sich entlang der Küste in den Bergen schlängelt und famose Blicke bietet. Und all das bei Sonnenschein und prächtigem Wetter und das sah eben letzte Woche hier auch noch ganz anders aus, da war Dauerregen angesagt - also wir sind vom Glück schon richtig begünstigt hier und ich sage einfach Danke für diesen prächtigen gemeinsamen Tag.

Wie geht es nun weiter? Ich habe eine Adresse hier in Paarl, 60 km außerhalb in der Weingegend gelegen. Dort wohnen Frank und Elizabeth, ihre Adresse bekam ich von Helge aus Ulm und dort darf ich die nächsten beiden Tage freundlicherweise verbringen und ein wenig diese berühmte Stadt in der sich fast alles um Wein dreht kennenlernen. Und am Freitag geht es schliesslich wieder aufs Fahrrad und mit vollen Radtaschen dann der Küste entlang auf den weiten Weg nach Durban immer in Reichweite vom indischen Ozean, der merklich spürbar ruhiger und wärmer sein wird als der Atlantik.

Zuvor brauche ich noch einen Bikeladen um mich für die Tour vollends gut zu rüsten. Wobei mein Fahrrad wirklich super gut durchgehalten und außer der Hinterradbremse keinerlei Reparaturen braucht. Ein großes Kompliment an Aarios in der Schweiz für dieses tolle und zuverlässige Reiserad. Ein Hohelied gilt auch der super Rohloff Speedhub 14 Nabe die einfach ohne Murren die ganze Tour durchgestanden hat und keinerlei Wartung bedurfte - da bin ich schon auch sehr dankbar dafür und beides kann ich uneingeschränkt weiterempfehlen - Aarios und Rohloff!!!!

Jos und Anka werden mich am Freitag auf der ersten Etappe begleiten..... wird schon ein beträchtlicher Unterschied sein mit vollen Taschen und alleine dann unterwegs zu sein und die Umstellung wird wohl ein paar Kilometerchen dauern.... aber die WM (ohne Ballack, unfassbar!!!) lockt und motiviert!!

Euch alles Gute, dies gilt im Besonderen für Hartmut Kayser, der heute in Asch seinen Geburtstag feiern darf und dem ich aufs herzlichste gratuliere!!! Und gratulieren möchte ich heute auch Gisi Gartmaier für ihren beeindruckenden Tour d`Afrique Sieg beim längsten Radrennen der Welt (das habe ich vor lauter Euphorie bei meinem letzten Bericht doch glatt unterschlagen). Gisi das war echt eine gigantische Leistung - laß dich hochleben und feiern und alles Gute für all deine weiteren Radrennpläne!!!! Bei den Männern hat Stuart aus Australien das Rennen für sich entschieden und auch ihm gratuliere ich herzlich-großen Respekt vor Euch Beiden!

ciao, Hartmut





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16. Mai 2010, Ziel

Es ist vollbracht!

Gestern um die Mittagszeit hatten wir unseren triumphalen Einzug in die phantastische Stadt von Cape Town.

Es war die kälteste Nacht unserer ganzen Tour, das Thermometer zeigte grade noch 2 Grad über dem Gefrierpunkt an und doch versprach gerade dies, dass es ein schöner, sonnenreicher Tag werden könnte, denn die Nacht war sternenklar.

Dick eingemummelt machten wir uns auf den Weg und tatsächlich mit der Sonne kam die Wärme und bereits nach 30 km ging es wieder ans Ausmummeln und die Euphorie steigerte sich zunehmend. Von weitem konnte man den Tafelberg sehen und das Rauschen der Atlantikwellen drang trotz des Verkehrs bis zu unseren Ohren.

Bei Kilometer 60 dann Lunch- und Fotostop und die Szenerie war atemberaubend: Blauer Himmel, Meereswellen und der freie Blick auf den Tafelberg, dem Wahrzeichen von Kapstadt. Stolz wie Oskar machten wir unzählige Fotos von uns und unseren Bikes; das Fernsehen war da, es gab Interviews und was noch viel wichtiger war, ein erstklassiges Büfett mit viel südafrikanischem Obst - einfach nur herrlich!!

Im Konvoi und mit Polizeieskorte ging es dann nach über eine Stunde vollends die restlichen 30 km ins Herzen der Stadt an die Waterfront und diese Fahrt machte natürlich ungemein viel Spaß.

Der Anblick auf die am Fuße des Tafelberges liegende Stadt und die beeindruckende Küste davor ist sowas von faszinierend und malerisch schön, dass man es kaum glauben mag.

Kaum zu glauben war schließlich auch der Empfang, den wir mit Gänsehaut und Jubelstürmen erleben durften. Da waren viele Familienangehörige und Freunde und Radbegeisterte, die uns enthusiastisch begrüßten; der deutsche Konsul war da, der zweite Bürgermeister der Stadt, ein Bierzelt mit leckerstem Inhalt und und und...... WOW.... wir sind am Ziel und die Begeisterung war unermesslich in uns und um uns herum sowieso!

Es gab von der Tour d`Afrique Organisation eine große Feier und Ehrung für all uns Radler, es gab Sekt und Blumen und Medaillien und Reden und Fahnen und Applaus, Applaus, Applaus........ und sovieles zu berichten und zu sehen und zu umarmen..... ach, was war das doch schön!!!!

Am Abend schliesslich noch ein feines Essen in einem Restaurant mit Hafen- und Stadtblick und die Übergabe der Preise an die Schnellsten und Tapfersten und Markantesten und auch an die Pechvögel der Tour. Mit einer emotions- und erinnerungsweckenden wunderbaren Diashow endete dieser Abend; der aber für viele im Dubliner Pub noch eine lange Fortsetzung fand.

Welch genialen Tag durften wir doch da gemeinsam leben; die stimmige Krönung einer phantastischen Tour.

Fortsetzung folgt!
 
liebe Grüße, Hartmut








Hier noch ein paar Fotos von Jaana Coloniel:




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13. Mai 2010  Atlantik

Ich sitze hier in einem Restaurant in Eilands Bay und schaue aus dem Fenster auf die tosenden Wellen des Atlantiks. Seit Safaga in Ägypten sehen wir zum ersten Mal wieder das Meer und das präsentiert sich wild und rauh und mit hohen Wellen und an Baden ist nicht zu denken.

Ich spazierte im böigen Westwind und bei Dauernieselregen und dauergrauem Himmel am Strand entlang und wurde gleich mal von einer heftig großen Welle überrascht und meine Radelhose war naß und ich hatte Mühe, Sandbodenhaftung zu bewahren und nicht ins Meer gespült zu werden......  aber gleich mal ein paar Meterchen zurück, wo wirklich nur noch ein bisschen Salzwasser ans Ufer strömt...... ach, was habe ich mich doch auf diesen Tag gefreut, wo wir ans Meer kommen und nun ist so gar kein Bade-Strand- und Beachvolleyballwetter..... aber so ne stürmische See ist zumindest sehr beeindruckend - vom Fenster aus betrachtet oder mit Regenjacke und Kapuze am Strand.

Unser Campplatz ist am
verlängerten Strand und die Nacht wird bestimmt super schön und der Schlaf umsäuselt vom Meeresrauschen...... uiuiui, nun schüttet es aber richtig runter draussen und die Wetterprognose verheißt für die restlichen zwei Tage auch nicht gerade das Blaue vom Himmel..... es bleibt regnerisch und stürmisch von West und das bedeutet morgen auf einem langen Stück nochmals üblen Gegenwind auf der vorletzten 146 km langen Etappe nach Yzerfontein. Und dort werde ich dann Marius Loubser treffen. Ihr fragt euch nun sicherlich wer in alles in der Welt ist denn nun Marius Loubser und ich kann euch verraten, dass dieser marius Loubser schuld dran ist, dass ich diese Reise gemacht habe. Tobi und ich trafen ihn nämlich auf unserer Radtour nach Beijing im Hotel dort und er lud uns ein, doch zur Fußball WM nach Südafrika zu kommen und so setzte er mir einen Floh in den Kopf und der hat solange mich gekitzelt und keine Ruhe gegeben, bis schlussendes diese Reise Kairo-Kapstadt mit Tour d`Afrique Wirklichkeit wurde. So freue ich mich darauf, morgen Marius wieder zu sehen und ihm Danke zu sagen, für seine ausgesprochen gute Idee, damals in Beijing, kurz vor den olympischen Spielen 2008. Wenn ich dann ganz viel Glück habe, vermittelt mir Marius noch ein Gästehaus in Kapstadt, wo ich 3 Nächte bleiben könnte nach unserer Ankunft am Samstag...... wäre natürlich ne feine Sache, aber sicher ist noch nichts. Wobei es auch so nicht sehr schwer sein wird, eine gute Unterkunft zu finden, die Weltmeisterschaft ist noch weit und die Saison vorüber - also jede Menge freier Backpackers-Hotels und Zimmer..... hoffe ich mal.

Eine Nacht sind wir noch vom Veranstalter im Hotel untergebracht und es erwartet uns sicherlich nach unserer umjubelten Ankunft (im Dauerregen?????) eine rauschende Feier, von der ich Euch natürlich umgehend berichten werde. Noch zwei Tage oder 233 km bis Kapstadt..... 118 Tage liegen hinter uns und so
richtig glauben können wir es alle nicht, dass unser gemeinsamer Weg in zwei Tage zu Ende sein wird und wir auseinandergehen und uns mit neuen Plänen wieder in alle Himmelsrichtungen aufmachen werden, ein jeder mit einem dicken Rucksack voller Erinnerungen und erfüllt mit vielen Erlebnissen und Eindrücken und der Gewißheit, Afrika auf besondere Weise erfahren und erradelt zu haben.

Einige bleiben noch ein paar Tage in Kapstadt (Tafelberg, Fallschirmsprung, Gefängnisinsel, Aquarium, Stadtrundfahrt.....), einige fliegen schon am Tag nach der Ankunft nach Hause, weil sie bald schon wieder Arbeiten (!?!?!?) müssen, viele bekommen Besuch von Freunden und Familie, ein paar machen noch Urlaub in Südafrika und mieten sich ein Auto hier und gehen auf Safari in einen der vielen Nationalparks........ Knut und Tim und Gerald und ich werden Fußball gucken. Gerald wohnt in Pretoria und zu ihm werde ich dann auch von Durban aus radeln; Knut und Tim reisen mit Auto und Bus weiter. Knut ist ja vom Nordkap aus in zwei langen langen Etappen nun bis Kapstadt geradelt und hat nun über 18000 Radkilometer in den Beinen - in der Tat eine beachtliche Tour.

Ich selbst werde nun sehen, wie lange ich in Kapstadt bleiben kann, mache mich dann auf den Weg zu Frank und Elizabeth nach Paarl (65 km östlich von Kapstadt, in der Weinregion) wo ich freundlicherweise
zu Gast sein darf. Ihre Adresse bekam ich von Helge von der Friedensdorf-Gruppe aus Ulm (Danke) und von den beiden werde ich sicherlich nützliche Tips für die Weiterfahrt entlang der Küste bekommen und bei ihnen kann ich auch erstmal verschnaufen und das tut mir mit Sicherheit gut.

Soviel dazu, doch nun gilt es erstmal zu schauen, dass wir den Sturm am Atlantik vollends gut überstehen (denn hier ist nun wirklich Land unter auf dem Campingplatz und die Zelte schwimmen in kleinen Seen und um die Trucks herum hat es riesige Pfützen) und dann die restlichen beiden Radeltage nach Kapstadt und dann erst darf gefeiert werden........

Gefeiert werden dürfen nun aber schon Klaus in Dornstadt und Hans in Bermaringen; an beide gehen meine herzlichsten Geburtstagsgrüße - alles alles Gute!
Ciao und bis bald wieder, Hartmut



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11. Mai 2010


Nur noch 6oo km nach Kapstadt, es ist bitterkalt und ich radle mit Handschuhen (Weichei!!!), ansonsten aber alles bestens....

Tickets für zwei Spiele der WM bekomme ich vom DFB, 5 Tage Pause in Kapstadt, dann warten nochmal gut 2500 km auf mich, zuerst nach Durban dann nach Johannesburg, diese Reise ist ein großes Geschenk und Afrika ein grandioser Kontinent.

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10. Mai 2010 Südafrika

Yeaaaaaaaaaaaaaaahhhhhhhhhh - wir sind in Südafrika!

Ich habe südafrikanischen Asphalt unter den Rädern, südafrikanischen Boden unter den Füßen, atme südafrikanische Luft und über uns scheint die uns allen gemeinsame und uns immer verbindende Sonne und strahlt und leuchtet mit uns um die Wette!

Für die Menschheit war das ein völlig unbedeutender Moment als wir die Grenze passierten, doch für den schwäbischen Radreisenden Hartmut war es ein famoser, euphorischer und grandioser Augenblick und ganz bestimmt auch für viele seiner Wegbegleiter und Mitradler.

Leider war die Grenze an sich recht unspektakulär; es gab kein besonderes "Welcome in South Africa"-Schild und auch die Flagge hing sehr schlapp am Masten, also kein Fotoshooting, das was hergeben hätte können, aber was solls, ich bin in Südafrika, nach ca. 11 000 geradelten Kilometern sind wir in unserem Zielland angekommen und das ist schon mal einen Jubelschrei wert - Juhuuuuuuuu!

Südafrika begrüßt uns mit recht kühlen Temperaturen und einem frischen Südwest-Wind und wir packen Arm- und Beinlinge und Stirnbänder und Windjacken wieder aus und dennoch dringt der kühle Wind bis auf die Haut.... immerhin ist es entgegen der Wettervorhersage trocken geblieben und das wünsche ich mir und uns auch für die nächsten gut 700 km vollends nach Kapstadt oder Cape Town oder Kaapstad, ganz wie ihr wollt!
 
glücklichste Grüße, Hartmut




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09.05.2010 Felix Unite

Die Route die uns durch Namibia führt ist einfach nur spektakulär und genial und wir alle sind richtig begeistert über die Landschaft sowieso aber auch über die prima Campplätze die wir haben auf den letzten Tagen unserer langen Tour.

Die Wüste hier im Süden bietet phantastische Ausblicke und es ist schon phänomenal, wie eine eigentlich ja total lebensfeindliche Landschaft so faszinierend sein kann.

Vorgestern radelten wir ja zum Fish River Canyon, der zu den Größten seinesgleichen weltweit zählt und der Blick hinein in seine tiefe Schluchten war schon grandios; unglaublich, was die Gewalt des Wassers da in Jahrmillionen geschaffen hat und ich darf es sehen - das ist doch das allergrößte überhaupt.

Natürlich ist es auch ein angenehmes Reisen so wie wir unterwegs sind; du weißt genau nach 75 km wartet der Lunchtruck und serviert Brot, Spiegelei, Tomaten , Obst und mehr, es gibt Wasser und Energiedrinks und für unterwegs noch einen Powerbar Riegel......da lässt es sich schon gut durch die heisse unendlich scheinende Wüste radeln..... wie anders ist das dann doch wenn man völlig alleine unterwegs ist und all das mit sich rumtransportieren muß. Wir können uns ganz auf das
konzentrieren was uns umgibt und brauchen uns weder um Essen und Trinken noch um einen Übernachtungsplatz kümmern..... haben quasi ein sorgenfreies Leben und können unsere Sinne schweifen lassen... was nicht heißen soll es wäre nicht anstrengend, zumal es einige Steigungen und bisweilen tiefen Sand gab, der alle Muskeln in den Waden und Oberschenkel herausforderte. Der Wind dagegen war uns meist wohlgesonnen und auf einer langen Abfahrt kam ich so gestern auf flotte 71 km/h und das ist schon ganz schön rasant auf einer off road Pistenstraße mit nem Trekkingbike.

Nun haben wir heute unseren letzten Ruhetag in Felix Unite am Fuße des Orange Grenzflußes und morgen überqueren wir die Grenze zu Südafrika..... ich kann es schier nicht fassen.... in 6 Tagen werden wir mit Kapstadt das Ziel unserer 4 monatigen Afrikareise erreichen, das ist einfach nur sensationell!!!!

Und zu diesem Superlativ passt nun auch die Nachricht, dass ich vom DFB Tickets für die Spiele unserer Fußballnationalmannschaft gegen Australien und Ghana zugesagt bekommen habe und somit geht die Reise dann in Südafrika weiter nach Durban und Johannesburg und ich werde unsere Jungs so gut ich kann bei den beiden Vorrundenspielen anfeuern- ole oleoleole........ und meinen allerherzlichsten Dank an meinen Heimleiter in Dornstadt, Herr Köhler, der mir zu diesen Tickets entscheidend verholfen hat.

In den nächsten verbleibenden Tagen wird der Wind eine zentrale Rolle spielen. Er bläst zu dieser Jahreszeit normalerweise durchaus heftig von Südwest und dies hätte für uns unangenehme Folgen..... naja wir werden es erleben und ich hoffe auch bei Gegenwind schlussendes am Samstag Kapstadt zu erreichen und da wartet dann sicherlich eine richtig dolle Party.

Es ist schon auch ein zwiespältiges Gefühl wenn so eine besondere Reise nach solanger Zeit sich seinem Ende nähert..... ein Mischmasch aus Freude, Wehmut, Glück, Dankbarkeit, Enthusiasmus, Sentimentalität........ aber nun haben wir ja noch 6 Radtage, also sinniere ich darüber nun mal nicht weiter.

Euch einen schönen Sonntag und bis bald wieder aktuell dann aus Südafrika, dem Land der Fußballweltmeisterschaft 2010!!!!!!


sonnige Grüße, Hartmut


      









5. Mai 2010 Seeheim
 
Was sind das doch für herrlichste Radtage die wir hier auf unserem letzten Tourabschnitt erleben dürfen, inmitten dieser beeindruckenden Landschaft.
 
Wir sind umgeben von einer faszinierenden Bergkulisse und umgeben von allerlei Wildtieren und wer Glück hat, sieht Gamsbock und Springbock, Zebras, Antilopen, Giraffen und Schakale.
 
Manchmal hat man das Gefühl, man ist ganz alleine hier, so einsam ist es, alle 40km kommt mal eine Farm, auf der Straße überholt einen alle halbe Stunde mal ein Jeep und ansonsten sind wir Radler unter uns und wenn man inne hält und Pause macht, ist man umgeben von einer tiefen Ruhe und Stille und das ist so wohltuend und ungewöhnlich zugleich und ich bin davon sehr überwältigt und könnte mich mit diesem Innehalten durchaus länger anfreunden, aber nein, nein ich muss und will ja weiterradeln und auf dem Fahrrad holpert es dann doch auf diesen Pisten und dann ist es mit der Stille vorbei und der Sand knirscht unter den Rädern.
 
Einige Höhenmeter galt es zu bewältigen und im tiefen Sand und bei Wellblechpiste erfordert das nochmals alle Kräfte und Konzentration, schnell bricht da mal das Vorderrad aus und man droht zu stürzen. Glücklicherweise ist die Piste aber meist in einem echt guten Zustand, auch dank der regelmäßigen Wartung mit den Pistenraupen, welche die Unebenheiten und Sandhaufen glätten und wir sind den Arbeitern echt dankbar, wenn wir ein neu gehobeltes Stück Piste vor uns sehen, da rollt es dann wie auf feinstem Flüsterasphalt.... naj zumindest fast so gut!!!
 
Es sind also nochmals ganz besondere Tage, die wir auf uns einwirken lassen und ich hoffe, die Fotos geben ein bisschen von dem wieder, was uns hier so umgibt.
 
Das einzig befremdliche ist, dass ganz Namibia eingezäunt scheint; das gesamte Land ist aufgeteilt in riesige Farmen und so sieht man - außer in den Nationalparks - überall einen einfachen Zaun entlang des Weges.
 
Gestern war Geburtstag meiner Tochter Jule und es machte mich doch traurig, dass ich ihr nicht mal ne SMS schicken hab können, da einfach kein Netz zur finden war mit dem Handy in diesem einsamen Teil Namibias. Jos hat mich am Abend auf ein Gläschen Wein eingeladen und so konnte ich zumindest auf Jule anstoßen und auf ihr Wohl einen guten Rotwein zu mir nehmen und sie kräftig hochleben lassen und das ist ja auch schon mal was.... also alles alles Gute, liebe Julietta!!!
 
Apfelkuchen und Kaffee gibt es nun bald jeden Tag; sei es in den Campplätzen oder, so wie heute, in Helmeringhausen im Restaurant, wo ich diesen Genuss in Gesellschaft zweier deutscher Reisegruppen teilen durfte. Der Ort besteht inzwischen nur noch aus einem Laden, einer Tankstelle und der Gaststätte, alles andere steht leer und das gepflegte Örtchen macht so doch einen eher verlassenen und wehmütigen Eindruck, jedoch für uns ausgezehrten Radler war es ein willkommener Stopp und wir leerten die Kühlregale der Softdrinks und die Eistruhe und die einen verspeisten Landjäger und die anderen die Schokoriegel und manche auch beides!
 
Kalt ist es hier inzwischen geworden; im Mai beginnt hier in Namibia der Winter und das bedeutet vor allem kalte, richtig kalte Nächte und es dauert auch tagsüber eine Weile bis die Sonne das Thermometer nach oben klettern lässt. Am Morgen habe ich alles, an was meine Garderobe so hergibt; Arm- und Beinlinge, Unterhemd, Stirnband, Trikot, Windfleece und Jacke und natürlich meine langen Handschuhe und so überstehe ich die ersten 20 km (sehe dabei zugegebenerweise etwas unsportlich aus, ist aber besser als frieren) und dann ist es auch inzwischen warm geworden und alles wandert in die Satteltasche.
 
Ich hoffe bei euch ist es andersherum und alle Sommerklamotten sind nun erste Wahl in Germany.
 
Wir radeln nun weiter zum Fish River Canyon und das soll auch eine sehr spektakuläre Gegend sein dort..... ich berichte.........











03.Mai 2010 Sossusvlei

Wir sind im Sossusvlei und es ist einer der grandiosesten Orte unserer ganzen Tour; schon die letzte Radetappe war phantastisch und ich machte Unmengen an Fotos und ständig stoppten wir und es war ein "Ooooh" und "Wow" und "Boooh" nach dem anderen, das im Anblick dieser phantastischen Landschaft über unsere Lippen huschte.

Die Wüste formte hier bizarre Hügel und Berge, ein Meer an verschiedenen Braun- und Ockerfarben wechseln ebenso, wie die Beschaffenheit des Bodens und dessen Bewuchses. Gräser, Büsche und wenige Bäume bieten hier solch prächtigen Tieren wie Giraffen, Springböcken, Oryx, Antilopen und Schakalen Lebensraum und uns war es vergönnt, diese Tiere hier auf dem Fahrrad zu erleben. Und nachdem die letzten Gewitterwolken seit gestern sich verzogen haben, lacht über uns ein tiefblauer Himmel und wir sind alle selig und glücklich, diesen wundervollen Flecken Erde sehen zu dürfen.

Heute morgen um 4:30 Uhr machten wir mit 2 Jeeps einen Ausflug zu den weltberühmten Sossusvlei-Dünen und um diese Zeit ist es hier in der Wüste bitter, bitter kalt, zumal in einem offenen Jeep, bei rasanter Fahrt; aber wir wollten schließlich vor Sonnenaufgang bei den Dünen sein, also nahmen wir das frierend in Kauf.

Es hat sich mehr als gelohnt und bleibt mir sicherlich ein unvergesslicher Augenblick wie ich auf der erwanderten Düne stehe, wie die Sonne aufgeht und alles, was sie anscheint, in ein beeindruckendes, leuchtendes rotbraunes Licht taucht und wir von einer so friedvollen unendlichen Stille umhüllt, einfach nur dieses Spektakel im Sand sitzend genießen.

Jede der unzähligen Dünen hat eine ganz eigene, geschwungene Form, geschaffen allein vom Wind, der seit Jahrmillionen um sie streift und das Zusammenspiel von Schatten und Licht macht all das so eindrucksvoll.

Ein weiteres Highlight war dann später, als wir die steile Düne barfuß hinuntergesprungen sind in das "dead vlei" - wo inmitten von hartem, weißem  Boden einige Baumgerippe emporragen, die Zeugnis ablegen ,dass hier vor langer Zeit mal genügend Wasser im tiefen Sand verborgen lag.

Diese phänomenale Landschaft und dieses faszinierende Licht ist ein wahres Eldorado für alle Fotografen und auch für Leute wie mich, die ohne große Kenntnis drauflos knipsen eine große Freude.

Abschluss fand dieser wundervolle Ausflug mit einem stilvollen Picknick am Fuße einer Düne und mit dem Besuch eines Schakals, der neugierig um unser Lager schlich.

Es war einfach nur ein perfektes Erlebnis und auch die nächsten Tage dürfen wir noch diese einzigartige Landschaft auf unseren Fahrrädern bestaunen. Noch fünf Tage „dirt road“-Piste mit langen Etappen und dann erreichen wir die Grenze zu Südafrika........!!!!

Ach ja, dieses riesengroße Vogelnest ist einem recht kleinen Vogel zuzuschreiben, einer Spezie der Webervögel; sie bauen entweder kleine Nester für sich oder aber in ganzen Scharen  ein richtiges, gigantischen Kommunennest sozusagen, in dem wohl Hunderte dieser Vögel leben und nisten. Bisweilen übertreiben sie das allerdings und der Ast oder der ganze Baum kippt von dieser mächtigen Last einfach um...... beeindruckend allemal!!

Es ist schon fabelhaft, wie in einer eigentlich sehr unwirtlichen Gegend soviele Tiere auf so unterschiedliche Weise leben. Und beinahe genauso fabelhaft ist es wie eine Gruppe von unermüdlichen Radlern hier voller Hingabe und Dankbarkeit entlangstrampelt.......Wow!!


 

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02. Mai 2010


Hallo, mir geht es super, habe hier atemberaubende Natur in der Wüste; morgen früh um 4:00 Uhr geht es zum Sonnenaufgang zu den Dünen, phantastisch ist das hier; heute total blauer Himmel, noch kein, kein, kein Regen und wir vermissen ihn auch nicht. Hier gibt es an den Tankstellen grandios leckeres Softeis...., ob ich mir noch eines gönne...., was spricht dagegen? Vielleicht die kalte Cola und die zwei Eis die ich vorhin hatte? Schaun mer mal.... Ach ja, Bayern ist Meister, Namibia feiert...., ich mit!

Ciao, schönen Sonntag
Hartmut,

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01. Mai 2010  Sesriem

Da wären noch ein paar Stichworte zu Windhoek nachzutragen: Reinheitsgebot, 300 gr. Milka Vollnussschokolade, Denkstätte, zum Wurzelsepp, allgemeine deutsche Zeitung, Panoramablick, Oma Streuselkuchen, Andys lecker-luftig-lustige Pizza, Ritter Sport, Schutztruppen Gräber, Gamsbergpass,  Schwaben Schwarzbrot, Leberkäse, Ripple mit Sauerkraut und Weizenbier, ......die Liste könnte ich ewig weiterführen, sie soll einfach ein wenig davon spiegeln, wie sehr man hier deutschen Produkten und deutscher Vergangenheit und Lebensweisen begegnet. Und eben auch der deutschen Sprache; als ich im Supermarkt Christina etwas frage antwortete mir die dunkelhäutige, eindeutig nicht deutsch aussehende Kassiererin in fehlerfreiem Deutsch und mit einem breiten Grinsen im Gesicht und ich war doch sehr perplex und das nicht nur da........

Ach, wie habe ich diesen Ruhetag in Windhoek genossen und wie sehr hat er mir gut getan, ich war schon lange, lange nicht mehr so entspannt und erholt wie nach dieser Zeit bei Oliver, Christina und Co, danke nochmals dafür!!!

Und die Fahrt zur Pizzeria kommt in die Schublade Abenteuer. Erst standen wir nach dem Wolkenbruch knietief im Wasser, als wir aus dem Auto ausgestiegen sind und dann war da noch die atemberaubende Fahrt durch den Fluss bei der überfluteten Straße...... Christina, ich hoffe das Auto ist ok!

Und wie sehr genieße ich all die guten Kuchen hier in Namibia und vor allem das grandiose Brot. Es ist der höchste Genuss überhaupt, ein kräftiges Schwarzbrot mit Butter und einem knackigen Apfel dazu verspeisen zu dürfen; dafür lasse ich alles andere gerne links liegen, das ist das Größte, ihr könnt es mir glauben! Butterbrot mit Apfel -mehr braucht es nicht, allein beim Schreiben bekomme ich schon wieder Appetit darauf ( obwohl ich doch gerade eine riesige Portion Spaghetti hatte ) und jedesmal wenn ich selber das esse, denke ich an meine Grundschullehrerin, die genau dieses immer in der großen Pause auf dem Schulhof mit wachsamen Blick auf ihre Schülerschar verzehrte - nur in der Variante Weißbrot ohne Rinde und Apfel ohne Schale.... warum auch immer!

Oh ich werde nostalgisch, dabei wollte ich doch eigentlich von unseren grandiosen Radetappen nach Windhoek erzählen: Es stand nämlich die persönlich historische Überschreitung der 10.000-km-Marke an und zu diesem Zweck hatte Gerald ein Fotoshooting mit dieser phänomenalen Zahl drauf vorbereitet und ihr seht darauf Sunil, Gerald, Rod, Stuart, Juliana und Dan neben mir.

12 km nach Windhoek begann dann die dirt-road Piste; die ist hier in recht gutem Zustand, manchmal etwas ausgewaschen und manchmal auch tiefer sandig, doch in aller Regel gut zu befahren mit dem Fahrrad.

Die Landschaft veränderte sich nach und nach, wir durften über zwei Pässe klettern und erreichten so immerhin wieder die 2000 Meter Höhenmarke und durften dafür weite Blicke über die offene Busch-und Graslandschaft mit vielen Bergen im Hintergrund erhaschen.

Die Gegend mit ihrer Prärie erinnert so ein bisschen an die Wildwest Filme und ich schaute mich immer mal wieder um, ob ich nicht irgendwo meinen "Freund" Winnetou auf seinem Pferd erblicke, voller Hoffnung, dass der mir vielleicht mal eine Cola vorbeibringt.... denn es war heiß geworden am Nachmittag und hier im einsamen und dünnbesiedelten Namibia gibt es vielleicht alle 100 km mal sowas wie einen Laden oder ein Kiosk.

Namibia hat gerade mal 1,9 Millionen Einwohner und jeder 5. davon lebt in Windhoek und der Rest verteilt sich aufs ganze, weite, weite Land..... unglaublich, wenn man das mal mit Deutschland vergleicht!
Unser Camp befand sich auf einem großen Reiterhof, auf dem es außerdem ein Steinlabyrinth gab, das zu durchgehen einem spirituelle Impulse schenken kann.


Es war ein interessanter Platz mit netten Besitzern und mit 3 deutschen Praktikantinnen, die sich vor allem der Pferde wegen sehr, sehr wohl dort fühlen.

In der Nacht dann wieder ein Gewitter nach dem anderen und Regen, Regen, Regen..... the never ending story..... tja und auch heute am 1. Mai, wo doch nun wirklich die Sonne zu scheinen hat, war das schlechte Wetter unser Wegbegleiter und einige von uns wurden gar von Graupelschauern überrascht beim Passieren des Spreetshoogtepasses!!!! 

Dieser Pass freilich war ein ganz besonders spektakuläres Erlebnis, von seiner Spitze aus bot er unendlich grandiose Blicke ins weite Tal und die Abfahrt mit locker 20 % Gefälle war nichts für Angsthasen...  mir rutschte ein ums andere Mal das Herz bis in die Hosentasche, so rasant ging es da zu Tale und meine Bremse hat doch einen leichten Defekt und ich bereute es zutiefst in diesen Augenblicken, dass ich sie in Windhoek im Radladen nicht habe reparieren lassen...... da hilft dann wieder nur..... "von guten Mächten wunderbar geborgen.....!" Und so war es ja schließlich auch.


Nun haben wir heute auf einem schönen Campplatz bei einer Tankstelle mit einem Laden und einem Restaurant und einem kuriosen Automuseum davor unsere Zelte aufgeschlagen. In der Bar dudelt deutsche Schlagermusk im Stile von Bernd Clüver und den Flippers, doch der absolute Höhepunkt ist die Bäckerei dabei. Hier backt ein imposanter deutscher Bäcker den - ich zitiere- "besten Apfelkuchen Afrikas" und nebenbei auch Schneckennudeln, Semmel, Muffins und süße Schweineöhrchen und kräftiges Schwarzbrot und und und...... wieder mal bin ich nicht nur deshalb richtig glücklich und zufrieden und außerdem kugelrund gefuttert von all den Köstlichkeiten und morgen warten frische Brötchen beim Frühstück auf uns und dann geht es wie von alleine nach Sossusvlei, wo die weltberühmten Sanddünen auf uns warten und ein Ruhetag..... damit wir auch Zeit haben, diese zu erwandern....... und - ich wage es ja kaum zu hoffen - vielleicht gar ohne Regen! Ich halte Euch auf dem Laufenden und wünsche Euch einen fabelhaften Wonnemonat Mai......


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