| Reiseberichte
von unterwegs wird es regelmäßig hier zu lesen geben, sowie auf dem Online-Portal der Südwest Presse Ulm. Fernsehbericht auf Regio-TV Schwaben vor Antritt meiner Afrikareise: Video und Link zu Regio TV Schwaben. |
| 28. Februar 2010 Yabello Ruhetag in Yabello und wir haben hier nichts als Regen, Regen, Regen....... und ich fühle eine richtige Tristesse und mit ihr hat sich eine Sehnsucht mit dem Namen Heimweh eingefunden. In der Nacht hatten wir ein heftiges Gewitter und seither richtigen Dauerregen und das anscheinend in fast ganz Afrika. Alles ist irgendwie klamm und feucht, die Klamotten, der Schlafsack, die Packtaschen....... Yabello liegt recht weit im Süden Äthiopiens und ist ein kleines Städtchen, das einfach auf dem Weg zur Grenze liegt und außer den beachtlichen Termitenhügeln drum herum nicht wirklich viel zu bieten hat. Wir sind mit unseren Zelten, sofern man sich keine Zimmer genommen hat -die nebenbei bemerkt auch geflutet wurden beim Gewitterregen - im Innenhof des Motels der Stadt untergekommen und verbringen die Zeit auf der Terrasse. Es gibt kein Internet im Ort und somit für mich keine Möglichkeit, mit den Kindern und mit zuhause zu kommunizieren und dies verstärkt mein Heimweh natürlich beträchtlich. Glücklicherweise hat das Motel einen super Sport-TV-Sender und so schauen wir etwas Olympia und vor allem die Live-Spiele der 1. Englischen Fußballliga und irgendwie ist es schon fast bizarr, da schießt irgendwo in England in irgendeinem Spiel irgendein Spieler ein Tor und in Äthiopien stehen die Menschen (die Äthiopier wohlbemerkt) voller Begeisterung von ihren Stühlen auf und applaudieren..... tja Fußball verbindet einfach die Welt!!! Ansonsten wird gefuttert, was die Küche so hergibt; das local Injera, leckere Pfannkuchen und Spaghetti-Spaghetti-Spaghetti..... was wären wir ausgemergelten Radler ohne diese genialen Nudeln, die einfach immer und jedem schmecken. Die Kellner haben einen mächtig stressigen Tag mit uns und unserem anscheinend unstillbaren Hunger; zudem liegt die Küche gut 50 m von der Terrasse entfernt und die armen Burschen müssen ständig durch den Regen laufen und dies von morgens bis weit in die Nacht...... Schichtwechsel oder sowas gibt es hier nicht. Am Mittag lichtet sich der Himmel etwas und es hört tatsächlich zeitweise auf mit regnen; die gewaschene Wäsche, die betröppelt und klatschnass auf der Leine vor sich hinplätschert, wird davon allerdings nicht trocken..... also morgen in nassen Klamotten radeln.....klasse!!! Ich widme mich meinem Heimweh und bin in Gedanken weit, weit weg von Afrika und tagträume mich dahin, wo mein Herz sich hinsehnt........ und das ist ok und gehört zu einer solchen Radreise wohl auch dazu!! Hilda überrascht mich später mit einem frischen Rührkuchen, den sie im Städtchen aufgetrieben hat und Gerald hat wohl die einzigste Internetmöglichkeit weit und breit ausfindig gemacht ,bei einem jungen Theologiestudenten und kann auch meine Berichte senden und bekommt obendrein eine kleine Bibel geschenkt..... und ich bin einfach froh zu wissen, dass ein kleiner Gruß von mir doch noch die Heimat erreicht aus dem fernen, fernen Yabello. Und morgen geht es wieder aufs Rad - komme was da wolle und das ist gut so!!!!!!!!!!!!!!! Vom See
Koga ging es in einer einfachen, flachen Etappe zum einzigsten Badesee
Äthiopiens dem Lake Lagano und dort hatten wir einen erholsamen Nachmittag und
konnten im See, der vom Sand her eine Farbe hat wie Schwarztee mit Milch,
ausgiebig baden und uns im dazugehörigen Cafe fühlen, wie richtige Badeurlauber.
Unser Camp lag an einem Zelt- und Badeplatz, der auch von den Einheimischen
aufgesucht wird; der See hat eine Tiefe von 46 m und interessant ist, dass die
Wasseroberfläche warm und der Grund sehr kalt ist, also Tauchen ist da richtig
erfrischend! Nach den
beiden Flachetappen ging es wieder mächtig in die Berge hier im Süden des
Landes und wir bewegen uns wieder in Höhen von 2000- 2500 m und über jeden Berg
und über jeden Hügel geht die Straße; ein kräfteraubendes Auf und Ab mit
beachtlichen Steigungen und da habe ich doch zu tun und mir mein Lunch- und
Abendessen immer redlichst verdient -
will ich mal behaupten. Doch
eigentlich wollte ich euch heute mal durch eine Siedlung mit hindurchführen und
versuchen, zu beschreiben, was da uns so begegnet: Schon vor dem jeweiligen Ort begegnen uns viele Menschen, die allerlei Dinge auf die verschiedenste Weise Richtung Ortschaft bewegen; sei es auf dem Kopf, dem Rücken oder natürlich mit den unzähligen Eselskarren oder den aus Stangen zusammengebundenen Holzschubkarren, deren Rad entweder aus Holz oder aus Eisen ist..... Früchte, Tefkorn, Brennholz, Langholz und Heu und Stroh. Hirten führen ihre Rinder und Ziegen aus dem Ort und füllen die gesamte Straße. Am Ortseingang gibt es riesige Stapel von ewig langen Holzstangen, die vielleicht einen Durchmesser von 10 cm haben und die zum Haus- und Gerüstbau Verwendung finden und in den nahegelegenen Wäldern geschlagen werden. Entlang der Dorfstraße weiden überall Kühe, Schafe, Ziegen und Esel und meist friedliche Hunde ziehen dort ihre Runden und schauen, ob was für sie übrig bleibt. Kinder und Jugendliche machen sich in ihrer einfachen Schulkleidung in einem uni Farbton auf den Weg zur Schule und laufen in großen Gruppen und haben natürlich den allergrößten Spaß an uns Radlern und testen ihr gelerntes Englisch. Vor den Häusern brennt oft ein Feuer mit einem Teekessel drauf und wenn das Feuer aus Dung besteht dann raucht es doch recht kräftig. Auch finden sich oft kleine Backstuben, die helles Brot oder frittierte Kringel anbieten. Es scheint so, dass nicht alle Kinder zur Schule gehen, zumindest sind mindestens ebenso viele zu sehen, die sich an den Tischkickern vergnügen oder beim Tischtennisspielen anzutreffen sind. Die kleinsten Kinder tragen leider viel zu oft erbärmliche Fetzen als Kleider und T-Shirts wo dann Bugs Bunny oder Benjamin Blümchen draufsteht, einige Kinder sah ich, die in Skioveralls steckten oder mit Tom & Jerry Schlafanzug umherliefen. Recht schick dagegen sind die jungen Menschen gekleidet; die hübschen Mädchen haben bunte Schals und Tücher und ihre Augen leuchten darunter hervor. Lange Schlangen bilden sich an den Wasserstellen des Dorfes, wo meist Frauen mit gelben 20 l. Kanistern warten, bis sie an der Reihe sind, um an das lebenswichtige Trinkwasser zu gelangen; ein alltäglicher Gang, der wohl auch gerne zum Plausch genutzt wird. Eselskarren stehen auch vor den Wasserstellen und erleichtern den Transport. Im Ort gibt es viele kleinste Läden, zum Teil nur Wellblechhütten, wo sowohl Lebensmittel, wie auch Kanister und Krimskram angeboten wird. Kleine Cafes laden zum Verweilen, es gibt Kleider (meist nicht afrikanischen Ursprungs) zu kaufen oder Plastiksandalen und Plastikschlappen und das Schild vom Barber lädt zur Rasur und das der Friseurin zum Zöpfe flechten, Musik dröhnt aus einem Geschäft, das mit CD`s handelt. Frauen sitzen auf Tüchern, die Babys im Tragetuch und bieten Früchte und Gemüse an; die kleinen Tuctucs fahren recht keck umher und die Kleinbusse werden übervoll mit Passagieren und Gepäck beladen. Viele halbfertige, angefangene und auch leerstehende Häuser sind zu sehen; es überwiegt ein Braunton, nur wenige Häuser haben einen farbigen Anstrich. Ein neuer, schneeweißer Landcruiser der UNO kommt entgegen und grüßt mit der Lichthupe. Die Seitenstraßen sind in den kleinen Orten meist ungeteert und nach Regen so wie heute, total schlammig. Aus der Kirche wird lautstark das Gebet übertragen und das nicht nur aus den Moscheen, sondern auch aus der christlichen Kirche. Und überall viele, viele Menschen, die unterwegs sind oder in Gruppen zusammenstehen. Auffällig gerade für uns ist, dass auch Jungs und Männer händchenhaltend umherschlendern, das ist hier ganz normal und nicht nur den Mädchen und Frauen oder den Pärchen vorbehalten. Begrüßt wird, indem man sich erst die Hand schüttelt und sich dann mit der rechten Schulter berührt und umarmt. Kinder spielen mit Felgen oder einfachen Ringen, die sie mit einem Stab am Laufen halten und halten oft Zuckerrohrstückchen in der Hand aus denen sie den süßen Saft saugen. Eine Fahrt mit dem Fahrrad durch eine solche
Ortschaft ist für mich recht abwechslungsreich und meist willkommen; ich habe
dann immer gut zu tun, um "alle" zu begrüßen und bisweilen gibt es
echt ein richtig großes und lautes Hallo
und ich mache die Laola-Welle auf dem Fahrrad; natürlich bietet jeder Ort die
Chance auf eine kalte Cola und das ist, vor allem am Nachmittag, sehr
willkommen..... nur manchmal habe ich auch keine Lust von wahnsinnig vielen
Menschen umringt zu werden wenn ich wo anhalte und verzichte dann sogar auf die
Cola. Die größeren Orte haben natürlich auch Restaurants, Saftbars und kleine
Hotels und man kann sehr lecker Essen und v.a. den sehr sehr guten, äthiopischen
Kaffee, aber auch Tee genießen und dazu gibt es Gebäck, wenn man will. So
ungefähr ist so eine Fahrt durch eine Siedlung hier, ich hoffe ihr könnt euch
das nun so ein bisschen vorstellen, von wieviel Leben und Eindrücken ich umgeben
bin. Wir sind
nun ja schon recht weit im Süden angekommen und hier ist es richtig tropisch;
Bananenstauden sind allgegenwärtig und es gibt Mangos, Ananas und Avocados
überall zu kaufen. Die Menschen haben zu tun um mit ihren Macheten den dichten
Bewuchs zurückzuhalten und es ist bergig, waldig und absolut grün. Die
Lehmhäuser mit den Wellblechdächern sind runden Hütten mit Strohdächern
gewichen, die Erde ist von braunroter Farbe. Gestern Nacht hatten wir ein
Gewitter und Dauerregen und ein riesiger Dunst hängt über den Bergen und
abseits der einzigen Teerstraße ist es wahnsinnig schlammig und der klebt dir
sofort an den Schuhen. Die Kinder johlen uns ein fast schon ohrenbetäubendes
"youyouyouyou" entgegen sobald sie uns erblicken und versuchen, neben
uns herzurennen, was ihnen am Berg vorzüglich gelingt; wir sind ja schießlich
nicht umsonst im Lande der großen Läufer, wie Bekele oder Haile
Gebreselassie....... Und auch
heute gibt es dolle Geburtstagsgrüße an
Peter in Bermaringen und an Gerd in Ringingen. Berichte
und Fotos gibt es wohl erst wieder aus Morsabit in Kenia wo wir in einer Woche
eintreffen werden....hier im Süden Äthiopiens in Yabello hat es keine
Internetmöglichkeit. Alles Gute und regenreiche Grüße aus Yabello, die Regenzeit ist viel zu früh........ Da behaupte
noch einer Fahrradfahren sei gesund. Im Konvoi ging es heute 20 km aus Addis raus und das morgens zur Rush-Hour; da schafft man sich vielleicht Freunde unter den Taxi- und Busfahrern.......; doch auch für uns war dies kein Vergnügen, mal abgesehen von der Begegnung mit dem absolut fröhlichen Mann, der auf seinem LKW-Anhänger voller Zementsäcke steht und voller Freude tanzt und klatscht und singt und uns anfeuert, dass es nur so staubt aus seinen Säcken. Über der Stadt aber lag eine dicke Dunstglocke, viel Verkehr und Gehupe und Gedränge auf der Straße, die Busse und LKW's hüllen uns Radler in eine warme schwarze Rußwolke; die Abgase hinterlassen ein Kratzen im Hals und mit der Zeit ein dumpfes Kopfweh und schlecht wird mir davon irgendwie auch. Entlang der Straße wird
Teer in Fässern flüssig gehalten mit einem großen Feuer und ihr könnt euch
sicherlich vorstellen, was das für eine imposante schwarze Rauchwolke
hinterlässt; Tierkadaver vervollständigen mit ihrem abscheulichen
Verwesungsgestank dieses Horrorszenarium für die Geruchsnerven. Begegnen sich
zwei Trucks oder Busse auf der Straße, wird es eng und gefährlich und man sieht
besser zu, dass man sich davonmacht. Überholt wird auch dann, wenn ein
Radfahrer einem entgegenkommt, schließlich kann der ja auch neben der Straße
radeln! Entkommt man all diesem einigermaßen glimpflich, dann läuft einem garantiert
ein Schaf oder ein Esel direkt vor der Nase über den Weg- aber das soll Glück
bringen, hab ich gehört...... also dann kann mir nichts mehr passieren hier!!!!!! Nach 65 km verzweigt sich die Hauptstraße und der Verkehr wird deutlich weniger und die restlichen Kilometer zum Camp nahezu ein Vergnügen. Unser Zeltplatz liegt am See Koka und bietet ein beachtliches Schauspiel in vielerlei Hinsicht. Auf der Wiese am Seeufer weiden stattliche Rinder und tummeln sich riesige Marabuvögel und einzelne Flamingos. Unter den Bäumen nehmen Fischer ihren Fang von erstaunlich großen Fischen mit gebogenen, höllisch scharfen Messern auseinander; es sieht irgendwie barbarisch aus und zugleich auch faszinierend, wie geschickt sie dies verrichten. Im seltsam grünfarbenen See werden Kleider gewaschen, Kinder gebadet und zugleich ausgiebig darin getollt. Entlang der Straße sitzen viele Frauen mit Eimern die randvoll mit Tomaten und Zwiebeln gefüllt sind und warten auf Kundschaft; auch Melonen gibt es zu erstehen. Und für uns soviel zu beobachten und zu bestaunen; einige von unseren Rugbyspielern werfen sich diesen seltsam, unförmigen Ball zu und erklären uns Unwissenden die Spielweise und so entsteht rund um den See ein richtig buntes Treiben und Leben. Geburtstagsgrüße gehen heute ins schöne Batzenhäusle zu Maren - alles Gute!! 22. Februar 2010 Heute schreibe ich nun aus Äthiopiens 4 Millionenstadt Addis Abeba, wo wir auf einer schönen, weichen und grünen Hotelwiese unsere Zelte aufgeschlagen haben, insofern man nicht die Variante Hotelzimmer gewählt hat. Es heißt Abschied nehmen von Georgi und Mark, die "nur" die Strecke Khartoum-Addis mitgeradelt haben und nun wieder nach Hause fliegen und die sich als Sahnehäubchen in der Blue Nile Gorge verlobt haben...... viel Glück!! Hier in Addis nun stoßen wieder zwei neue Radpärchen zu unserer Gruppe, darunter auch Alexander (aufgewachsen in Geislingen) und Mirijam aus Zürich. Alex hatte die Tour vor 2 Jahren gemacht, damals konnte die Tour d`Afrique nicht durch Kenia radeln, wegen der Unruhen im Rahmen der Unregelmäßigkeiten bei den Wahlen und so möchte Alex nun diesen Teil der Tour nachholen. Der Weg nach Addis war umrahmt von vielen, vielen Höhenmetern und garniert mit einem frechen Gegenwind, der es einem bisweilen schwermachte, diese wunderschöne Landschaft hier in Äthiopien in all ihrer Pracht wahrzunehmen. Ich hatte mir dieses Land wirklich ganz anders vorgestellt und es reduziert auf Dürre und Armut und Konflikte. Doch hier gibt es eben auch grandiose Landschaften, viel Geschichte, historische Ausgrabungen, wundervolle Kirchen, Christen und Moslems eng beieinander und Menschen, die den Stolz Afrikas in sich tragen. Das Camp vor Addis war an einer spektakulären Schlucht des Yemen-Flusses gelegen, an dessen Rand ein äthiopisch-deutsches Paar eine kleine Hotelanlage betreibt (sie kommt aus Überlingen). Mit Ruben zusammen spazierte ich zu einer 400 Jahre alten portugiesischen Brücke, die bestens erhalten ist und damals den Christen die Flucht auf die andere Talseite ermöglichte. Heute ist sie ein willkommenes Ausflugsziel und bietet wundervolle Blicke in die Schlucht und in der Regenzeit wird sie von einem wilden Fluss samt Wasserfall umspült; die Brücke hat die Jahrhunderte wohl auch deshalb so gut überstanden, da sie mit Eiweiß und Eierschalen als Bindemittel erbaut wurde. Viele Vögel lassen Vogelkundler aus aller Welt zum Beobachten hierher kommen und auch Paraglider haben diese Schlucht für sich entdeckt. Mein Augenmerk gilt den großen Kakteen mit ihren immensen Stacheln und ihren gelben, großen Blüten........ dieselbe in mini hatte ich in meiner Jugendzeit, als Kakteen sehr populär waren, mal in meinem Zimmer stehen. Von Addis werde ich wohl nicht all zuviel mitbekommen; eine große Stadt mit viel Verkehr und schlechter Luft, wo man auf der einen Seite alles bekommt, was man sich als Europäer oder Amerikaner so wünscht, wo man schicke und moderne Äthiopier trifft und Musik, Geschäfte, Restaurants und und und...... und wo auf der anderen Seite auch viele Menschen in Slums und bitterer Armut leben und betteln müssen, um in dieser Stadt zu überleben! Kontraste die doch sehr heftig ausfallen. Wie um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, sind wir heute am Morgen von unserem Camp aus ins Luxushotel Sheraton gefahren, wo wir für 20 Dollar zum Frühstücksbrunchen verweilten und es nicht schafften, das Büffet zu räumen. Es ist schon total krass; dort bekommst du nach jedem Happen einen neuen Teller, labst dich bei Omelette, Waffeln, Pfannkuchen, diversen warmen Speisen, Käse und Lachs und frischestem Obst, bei Kuchen, köstlichsten, frisch gepressten Säften und verschiedenen Brötchen und Croissants und bist umgeben von Springbrunnen, Palmen und Swimming-Pool und einer schlossartigen Halle und wenn du dann wieder den Sicherheitscheckpoint der Eingangshalle verlässt, triffst du wieder in die wirkliche Welt und weißt, genau dort leben Menschen, die nicht wissen, woher das Brot kommen soll, das sie heute sättigen soll. Es ist ein großer Zwiespalt und Wiederspruch und ein Ringen mit mir und doch schäme ich mich nicht zu sagen, es war ein herrlicher Genuss, dieser Brunch und ich habe es voller Dankbarkeit genossen und mich an all diesen frischen Köstlichkeiten, die ich doch im Laufe der letzten Wochen vermisst habe, mehr als nur satt gegessen. Freude machen die vielen VW-Käfer, die hier noch anzutreffen sind; Nostalgie pur in allen Farben und er läuft und läuft und läuft!! Von Addis aus geht es morgen nun weiter Richtung Süden. Noch 7 Radeltage in Äthiopien, bis wir die Grenze zu Kenia erreichen werden. Euch Allen eine gute Zeit, nochmals Danke für alle Begleitung und auf bald wieder!! Hartmut Sicherlich der Höhepunkt in Äthiopien heute: the Blue Nile Gorge / Schlucht!!!!
Doch zuvor möchte ich mich noch zurück aufs Rad melden; nach einer
Fiebernacht mehr in der ich dermaßen viel geschwitzt habe, dass meine
Merinohemden Schwierigkeiten hatten, den ganzen Schweiß aufzusaugen, ging
es mir schon am Morgen danach überraschend gut und ich konnte mich
tatsächlich aufs Fahrrad wagen.
Lange Etappen mit vielen Höhenmeter liegen auf dem Weg von Bahir Dar nach Addis Abeba und vor allem in den Steigungen fehlte mir dann doch die Kraft und ich versuchte einfach mit den kleinen Gängen möglichst ohne extreme Anstrengung die Anforderungen zu meistern und das ist mir doch ganz gut gelungen bislang. Geblieben ist noch leichtes Halsweh und eine Schnupfennase und ich bin unendlich dankbar, dass ich so schnell mich regenerieren konnte.... mal sehen, ob das so bleibt und was noch alles mich erwartet...... auch im Camp hat sich allgemein die Magen-Darmproblematik zum Glück gebessert; nur viele Gesichter sind deutlich dünner geworden und viel Hosen lassen den rechten Sitz vermissen.... die Tour d`Afrique ist wahrlich ein Gewichtsreduzierer und es ist gut, wenn man, wie ich, mit einem soliden Polster anreist!!! Doch zurück zur spektakulären Etappe heute: Von unserem Camp
inmitten eines dichten Waldes auf ca. 2400 m Höhe (wir hatten sogar
etwas Regen in der Nacht), ging es erstmal 49 km in ständigem Auf und Ab
durchs Hochland; interessant ist zu beobachten, wie die Bauern gerade
das abgeerntete Getreide mit ihren Ochsen dreschen, indem diese
stundenlang im Kreis über das Getreide laufen und so die Ähren vom Halm
brechen; das Stroh wird drum herum zu runden, hohen Haufen geschichtet
und später wird dann noch im Wind die Spreu vom Weizen getrennt und das
Korn in Säcke gefüllt. In dieser Gegend wird sehr viel Getreide
angebaut und die Felder sind voller dieser runden Strohhaufen und sie
erstrecken sich so weit das Auge reicht.
Viele Rinderherden ziehen mit den Hirten übers abgeerntete Land und die afrikanischen Rinder mit ihren stolzen Hörnern und dem Kamelhöcker im Nacken sind recht imposant anzuschauen. Auf dem Fahrrad muss man stets bremsbereit sein, da man nie weiß, wann so einem Rind oder Esel es einfällt, mal eben die Straßenseite zu wechseln..... Leider gibt es immer wieder frustrierende Erlebnisse mit Steine werfenden Kindern und einige Radler haben davon üble, blaue Flecken abbekommen und Hilda hat es nur ihrem Helm zu verdanken, dass sie ohne Kopfplatzwunde davon gekommen ist.... das ist echt deprimierend, da wir nun ja wirklich mit guten und positiven Absichten durch Äthiopien radeln; in Erinnerung werden aber genauso die vielen, vielen fröhlichen und grüßenden und "youyouyou" und "wheredoyougo"- rufenden Menschen entlang der Straße bleiben, die sich an uns freuen und uns willkommen heißen. Nun haben wir in diesem Jahr das große Glück, dass wir auf einer neu geteerten Straße diesen Abschnitt radeln dürfen und so versuche ich nun ein wenig das zu beschreiben, was uns mit der 17 km langen Abfahrt in die Blue Nile Gorge geboten wurde. Die Hitze hat die neue Straße mit einigen tiefen Wellen versehen und so war die rasende Abfahrt nicht ganz ungefährlich, vor allem deshalb, weil man ständig in diese unglaubliche Schlucht blicken möchte und die Augen so nicht auf der Straße hat und einige Wellen dann leicht übersehen werden, was einen mächtig durchschüttelt. Was der Blaue Nil hier über Jahrmillionen geschaffen hat, ist dermaßen gewaltig und von spektakulären Dimensionen, dass es mir so manches "WOW" entlockt oder ich einfach nur ungläubig staune und die Ausblicke genieße und in mich aufnehme; die Schlucht die sich da vor uns aufreißt ist so gigantisch und ich fühle mich darin so klein, wie eine Ameise, wenn ich versuche, das ganze Spektrum zu erfassen. Im Talgrund dann führt eine neue Brücke über den Fluss, der um diese Jahreszeit nur relativ wenig Wasser führt und geleitet uns sanft zum Beginn einer imposanten 19 km langen, serpentinenreichen Steigung, um wieder aus der Schlucht aufzusteigen. Zugleich Bergzeitfahren, aber darauf verzichte ich als Expeditionfahrer dankend und gratuliere Eric und Gisi, die am schnellsten die 1500 Höhenmeter meisterten. Ich kurbelte relativ gelassen den Berg hoch, stoppte für manchen Ausblick und manches Foto und war etwas irritiert, als plötzlich Schüsse zu hören waren; naja nun mal keine schlechten Gedanken hegen und schon gar nicht auf mich beziehen, dachte ich so und radelte weiter bis ich auf Gerald traf der bei 3 Männern stoppte und mir dann aufgeregt berichtete, dass dort irgendein Feuergefecht von lokalen Rebellen auf der gegenüberliegenden Bergseite im Gange sei...... einer der Männer war bewaffnet und beobachtete die Szenerie, vermittelte aber nicht akute Gefahr, so dass wie einfach weiter radelten, um 2 km weiter nochmals auf zwei bewaffnete Männer zu treffen, die den Berg herunter spazierten und uns wohlgesonnen begrüßten.... gut die Schüsse hallten von der Ferne, aber so ganz wohl war uns dann doch nicht, denn sowas kannten wir bislang nur aus Berichten. Nochmals loderte ein Schußwechsel auf, nochmals trafen wir auf Männer die in der Hocke sitzend den Hang beobachteten, doch dann kehrte Ruhe ein und was da so wirklich vor sich ging werden wir wohl nie erfahren, auch unsere äthiopischen Begleiter konnten sich keinen Reim drauf machen. Der restliche Anstieg bot faszinierende, landschaftliche Ausblicke, die Hänge waren durchzogen von verschieden farbenen Gesteinschichten und die große Schlucht barg in sich kleine Seitenschluchten, die Erde war nur wenig bewachsen mit Gestrüpp, dürrem Gras und niederen Bäumen und erst ziemlich weit oben trafen wir wieder auf besiedeltes Gebiet und tatsächlich auch auf ein kleines Cafe. Es ist schon auch faszinierend, wie der Mensch diese unüberwindbar scheinende Schlucht im Laufe der Jahrhunderte für sich bezwang und aus einem Trampelpfad, ein Handelsweg und schliesslich, in Zusammenarbeit mit den Japanern, diese Straße nun baute und es wird ein ewiges Ringen mit den Naturgewalten bleiben, wie manch Geröllabgang eindrucksvoll unter Beweis stellt. Für uns alle war es ein ganz besonderes Erlebnis heute und jeder der die Schlucht hinab und wieder hinaufradelte war mit sich und dem Tag und dem, was er schauen durfte, restlos zufrieden und von den Nudeln zum Abendessen blieb diesmal nichts übrig............ 16. Februar 2010 Ich bin richtig krank und das kam so: Nach überschaubaren 61 km erreichten wir gestern Bahir Dar, eine Stadt am See Tana gelegen und durchaus lohnenswertes Reiseziel, liegen doch die Blue Nile Wasserfälle und 3 Klosterinseln inmitten des Sees vor den Toren der Stadt und das wäre heute auch eigentlich mein Programm gewesen. Wie immer, wenn wir vor den Ruhetagen ankommen, versuche ich erstmal all das zu erledigen, was ich eben erledigen muß - Wäsche, Fahrrad, Duschen,..... um mich dann ausschließlich den schönen Dingen widmen zu können: Internetcafe, Stadt erkunden, Essen gehen....... Bahir Dar ist auch bekannt für seine vielen Saftbars; frischer dickflüssiger Saft aus Guave, Papaya, Avokado, Ananas, Orange....... bekommt man hier für ganz wenig Geld serviert und das ist durchaus auch eine Augenweide, da die Säfte auch kombiniert werden können und dann verschiedene, farbliche Schichten aufweisen. Nach dieser Vitaminbombe ging es auf den nahegelegenn Markt und das war sehr faszinierend, findet man dort so ziemlich alles, was das Land und seine Menschen so anbauen und produzieren und sammeln: Zuckerrohr, Hühner, Eier, Plastikkanister, riesige Auswahl an Gemüse und auch Obst, Leinentücher und Hemden, Eisenwaren, massig Knoblauch und allerlei Gewürze und Korn, es sind Näher mit ihren Nähmaschine und Schuster da und die allgegenwärtigen Schuhputzer sowieso...... kurzum man bekam nicht genug davon, durch die engen und z.T ziemlich dreckigen Gassen zu laufen. Mit dem Fotografieren ist es so eine Sache, viel wollen sich nur gegen Bezahlung fotografieren lassen, was ja auch ihr gutes Recht ist, aber dann lasse ich es doch freundlich bleiben...... Am Abend stand eine American Karnevalparty an, nun ja so gar nicht mein Ding, aber ich wollte nun auch kein Muffel sein und suchte auf dem Markt nach "Verkleidungsmöglichkeiten" und steckte mich dann, als es soweit war, in Sack und Tuch. Es war nichts berauschendes aber nachdem endlich Musik aus den Lautsprechern dröhnte, wurde zumindest ausgelassen getanzt. Gegen 22:00 Uhr begab ich mich eigentlich ganz wohlfühlend in mein Zelt, um 2 Stunden später mit Schüttelfrost aufzuwachen; meine linke Halsseite war dick geschwollen und ich diagnostiziere mal eine Seitenstrangangina..... die ganze Nacht war vollends eine Qual, am Morgen musste ich mich auch noch einigemale übergeben und so hab ich wohl auch noch diese Magen-Darmsache, die bei uns seit einigen Tagen die Runde macht. Ich fühle mich also richtig elendig und mit Fahrrad fahren ist es wohl nun erstmal ein paar Tage getan. Aber so ist das einfach, von einem Tag auf den nächsten kann sich soviel ändern und die Kunst besteht wohl darin es so anzunehmen, wie es nun mal ist. In 6 Tagen sind wir in Addis Abeba, der Hauptstadt von Äthiopien und ich werde mich vorher nicht melden können. Lasst es Euch gut gehen! liebe Grüße, Hartmut 14. Februar 2010
Sonntag und Valentinstag und wir werden mit einer wunderschönen Etappe belohnt. Von Gondar geht es über das Hochland und durch eine spektakuläre Landschaft; zwei beachtliche Anstiege und ebensolche Abfahrten lassen die Radlerherzen höher schlagen. Phantastische Ausblicke von der Passhöhe aus über das weite, weite Land, umrahmt von einzelnen, madonnenhaft aufragenden Felsmassiven. Es ist sowas von schön und das auch jetzt in der Trockenzeit; wie sehr wird sich diese Landschaft in wenigen Monaten ins Grüne verwandeln, wenn der Regen kommt und den dörren Boden drängt und die Flüsse füllt. Riesige, ausladende einzelne Bäume bieten Mensch und Tier Schatten; die Felder sind meist abgeerntet und werden für die Regenzeit vorbereitet und ich kann beobachten, wie mit einem Zweier-Ochsengespann gepflückt wird. Angebaut wird hier Mais und eine heimische Getreideart, aber auch vereinzelt Kaffee (wenn ich das richtig erkannt habe), Tomaten , Knoblauch, Zwiebeln, Kartoffeln und Kraut. Dann wächst hier noch Teff, eine grasartige Pflanze, aus der das typische, äthiopische "Fladenbrot" -injera- hergestellt wird, indem ein Teig mit Wasser mehrere Tage stehen gelassen wird, bis das Ganze fermentiert und dann wie riesige Pfannkuchen gebacken wird. Das Injera ist von brauner Farbe, hat eine schwammige Konsistenz und einen sauren, leicht essigartigen Geschmack. Vor allem verschiedenen Linsengerichte werden auf ihm serviert und dann mit den Fingern gegessen; es schmeckt interessant und füllt mächtig den Magen, nur allzviel kann ich davon nicht essen und schon gar nicht jeden Tag, aber hier ist es Grundlage jeder Mahlzeit. Auf den Fotos könnt ihr sowohl das Injera, wie auch ein Büffet mit einheimischen Speisen in einem Lokal in Gondar erkennen. Unser Camp ist umringt von Kindern und Jugendlichen und es wird eine Schnur -wie ein Weidezaun- um das Camp gespannt und diese Grenze wird auch meist akzeptiert. Das klingt nun sicherlich befremdlich und schwer nachvollziehbar, aber es ist die einzige Möglichkeit, um campen zu können; die Kinder nutzen wirklich jede Gelegenheit, um etwas von uns an sich zu bringen und so sehr man das vielleicht nachvollziehen kann, so sehr nervt es doch auch auf Dauer. Auch heute gab es wieder das eine und andere Steinwurfattentat und es ist schmerzhaft für all die, die es trifft; fairerweise muss aber schon betont werden, dass die absolut größte Mehrzahl der Menschen auch hier uns sehr freundlich zuwinkt und uns begrüßt. Probleme macht mir mehr das ewige Betteln um Geld und die vielen leeren Hände, die mir hoffnungsvoll und fordernd entgegengestreckt werden. Ich versuche ja wenigstens alle hier zu grüßen und zuzuwinken und so auch ein bisschen was von mir zu geben und ich bin auch überzeugt so, dem einen und anderen Stein zu entkommen. Naja, ich denke dieses Thema wird uns alle noch einige Zeit beschäftigen. Die Straßen sind voller Menschen und es scheint, alles ist auf den Beinen; die Frauen tragen Holz, getrocknete Kuhfladen als Brennstoff, Wasser, grüne Tomaten, Zwiebeln, Stroh,...... meist auf dem Kopf und ich denke zum Verkaufen auf dem Markt. Die Männer sind mit den Eseln unterwegs und transportieren die Kornsäcke und Holzstämme; die Kinder helfen bei alledem natürlich mit und für manchen ist das Gewicht, das er zu tragen hat, eindeutig zu schwer; vor allem Frauen und Kinder sind viel barfuß unterwegs und der Trampelweg neben der geteerten Straße, wo sie gehen, ist voller Steine und dornigem Gebüsch. Auffällig ist auch, dass alle, wirklich alle Jungs und Männer mit einem Stock ausgestattet sind, den sie in der Hand oder lässig über den Schultern wie James Dean tragen, fast so als ob er ein Statussymbol darstellen soll. Morgen eine kurze Etappe und dann folgt schon wieder ein Ruhetag und ich kann euch Bericht und Fotos senden und das nach immerhin schon geradelten 3000 km. Geniesst die letzten turbulenten Faschingstage und hütet euch vor der ätiopischen Höhensonne!!!!!! auf bald Gruß, Hartmut 13.Februar 2010
Als notorischer Frühaufsteher bin ich auch heute, am 2. Ruhetag hier in Gondar, schon seit 5:45 Uhr auf und habe so Ruhe und Muse, um einige Notizen zu machen. Ich mag diese erwachende und friedliche Stimmung am Morgen und hier von der Hotelterrasse aus ist es ein phantastischer Anblick, um die noch schlafende Stadt zu betrachten und über alles mögliche zu sinnieren. Unseren Truck hat es richtig böse erwischt; der Motor ist wohl hinüber und er wird uns erst in Addis Abeba wieder zur Verfügung stehen und solange wird ein normaler Laster als Transportgerät genutzt werden müssen. Morgen wird definitiv weitergeradelt und viele Höhenmeter gilt es mit den immer noch müden Muskeln zu bewältigen, aber da nur 2 Etappen bis zum nächsten Ruhetag in Bahir Dar anstehen, schreckt dieser Ausblick nicht. Gestern in der Früh haben einige von uns eine Schule hier in Gondar besucht, die von einem der Tourteilnehmer (Toni Nester aus England) schon seit einigen Jahren unterstützt wird und es war für uns ein sehr beeindruckender Besuch dort. Die Schule liegt am Rande eines armseligen Viertels der Stadt und allein der Fußweg dorthin und zu sehen wie da viele der Kinder in notdürftig zusammengebauten, kleinen Wellblechhütten und umgeben von Schmutz und Abfall leben, ging unter die Haut. In der Schule wurden wir schon aufgeregt erwartet, es gab eine Begrüßung und eine Führung durchs Schulgelände und in die einfachen Klassenräume. Die Jungs spielten Fußball und eine Tanzaufführung wurde präsentiert, es gab frisch zubereitetes Popcorn und wir kamen in den Genuss einer traditionellen Kaffeezeremonie. Toni schaffte es in den letzten Jahren mit seinen Spenden neue Klassenräume und Toiletten zu bauen und vielen Kindern so überhaupt erst den Schulbesuch zu ermöglichen und es ist schon beeindruckend wenn man sieht, was hier am wachsen ist und wie grundlegend wichtig Schulen wie diese sind. Mit dem Geld das wir spendeten, können nun 30 Kinder mit Schulkleidern und Schulutensilien ausgestattet werden und die Freude dieser Kinder und das Leuchten und der Stolz in ihren Augen miterleben zu dürfen, war ein ganz besonderer Augenblick für uns alle. Vielleicht klingt das nun etwas seltsam und selbstzufrieden, aber es hat mir einfach auch gut getan, mal etwas Konkretes zu tun, etwas zu unterstützen, ein klein bisschen wo zu helfen und nicht nur immer an so vielem Elend nur vorbeizuradeln und so viele Bitten abzuweisen. Auch wenn es sicherlich nur ein ganz bescheidener Beitrag ist, wurde mir sehr deutlich, wie unendlich sinnvoll Schulen für Afrika sind und somit auch mein UNICEF Projekt, für das ich um Spenden bitte . Danke Toni!! Den restlichen Tag verbrachte ich mit Internet und Essen und chillen, wie man das wohl neudeutsch nennt, also mit Nichtstun. Am Abend wurde es dann irgendwie skurril und fast schon surreal. Unsere ganze Truppe war von der Dehan Brauerei eingeladen, die hier einige Kilometer entfernt liegt und dort wartete ein grüner, moderner Biergarten auf uns und es gab Sandwiches und Pommes satt und Freibier ohne Ende und wenn ich heute früh darüber so nachdenke, muss ich mich zwicken, damit ich es glaube dass ich gestern nicht in der Pflugbrauerei in Hörvelsingen, sondern wirklich hier in Gondar in Äthiopien war. 11. Februar 2010 Wir sind überglücklich in Gondar, der Hauptstadt des alten Äthiopiens, angekommen und bevölkern das Goha Hotel, von dem man einen phantastischen Blick über die Stadt hat. Weit über die Hälfte von uns Radlern hat sich eines der schmucken Zimmer hier genommen und nur die ganz leidenschaftlichen Camper -zu denen auch ich gehöre- hat im Vorgarten der Anlage das vertraute Zelt aufgebaut. "No riding tomorrow" war die Devise des Tages und hat sicher nicht nur mich über die Berge getragen; die Aussicht auf einen Ruhetag verleiht eben auch Flügel. Landschaftlich war es ein wirklich beeindruckender Tag; vom Camp weg ging es gleich mächtig hoch und ein gut 15 km langer Anstieg forderte nochmals alles. Um uns herum die Berge mit meist niederen Bäumen, die eher in großen Abständen zueinander stehen und nun langsam ihre zarten Blätter zum Vorschein bringen. Es hat lange nicht geregnet, der Boden ist tief aufgerissen, die Flussbetten ausgetrocknet; an den wenigen Wassserlöchern treffen sich Mensch und Tier. Wasser ist das Lebenselixier und was es bedeutet, wenn man es nicht selbstverständlich zu Verfügung hat, kann man hier wirklich gut sehen. Lange Wege müssen vorwiegend die Frauen in Kauf nehmen, um die Plastikkanister zu füllen und dann auf dem Kopf tragend nach Hause zu bringen. Es fasziniert mich immer wieder aufs neue mit welcher Leichtigkeit und mit welch aufrechter Haltung und Würde die Frauen die Lasten auf ihren Köpfen tragen. Die Siedlungen entlang der Straße sind oft sehr verdreckt und zeugen von großer Armut ihrer Bewohner. Meist werden wir freudig gegrüßt; vereinzelt werfen Kinder Steine oder schlagen mit Stöcken....... ich bin wachsam und schimpfe lauthals wenn ich bemerke, dass einer der Jungs einen Stein aufhebt...... das Schreien zeigt gewisse Wirkung...... leider nur gewisse...! Oft flehen die Kinder "money....money" oder "give me....." und halten uns die Hände entgegen und es ist wahrlich ein mieses Gefühl, einfach immer nur dran vorbeizuradeln. Sobald man wo anhält, ist man schnell von unzähligen Kindern umringt und alles wird mit den Händen begutachtet und so ist mir wohl heute auch meine Hunde- und Löwenabwehrtrillerpfeife an der Lenkertasche abhanden gekommen..... naja, es gibt Schlimmeres. Etwa der Sturz von Adrian heute, er ist bei einer Abfahrt mit einer Frau kollidiert die ihm einfach ins Rad gelaufen ist. Sein Schlüsselbein ist gebrochen und er hat einige Schürfwunden; auch die Frau ist ziemlich glimpflich davongekommen; es hätte schlimmer enden können und dennoch ist es für Adrian bitter da er einer unserer 3 besten Radler ist und nun doch einige Etappen lang ausfallen wird. Die Straßen sind echt gefährlich, da voller Menschen und auch Tieren und niemand schaut, bevor er über die Straße läuft. Zu allem Überfluß hat nun auch noch einer der beiden Trucks einen heftigeren Motorschaden und muß erstmal in die Werkstatt und wie lange das dann dauert, bis die Karre wieder flott ist, weiß noch niemand zu sagen....... eine solche Tour durch Afrika fordert einfach alles von Mensch und Material. Wir Radler genießen nun aber erst mal unseren Ruhetag morgen; es wird laaaaange geschlafen und es gibt mächtig viel an Kalorien nachzulegen, die wir alle in den letzten harten Tagen auf den Wegen und Straßen haben liegen gelassen. Das Geld mit dem in Äthiopien bezahlt wird, heisst im übrigen Birr und ein Bier kostet meist 10 Birr und das sind so ca. 60 Cent und es schmeckt ganz süffig, muss ich sagen...... also ich glaube ich genehmige mir dann nochmal eines...... in diesem Sinne: "zum Wohl" und herzliche Grüße aus Gondar, von einem in der Zwischenzeit wieder fast sauberen und mueden Radler. Nachfolgend noch einige Bilder von den letzten Tagen: 10. Februar 2010 Jos geht es besser, er hatte eine heftige Gehirnerschütterung und braucht nun vor allem noch Ruhe; vielleicht kommt er ja nach Addis Abeba nach. Die letzten Tage haben sichtlich ihre Spuren hinterlassen; einige Radler (17 an der Zahl) sind krank, bzw. sehr geschwächt und sind nach Gonder mit dem Bus vorgefahren, um so zwei Ruhetage zu gewinnen und um sich dort zu regenerieren, was absolut Sinn macht. Auf den üblen dirt roads der letzten Tage kam es zu vielen Stürzen und Schürfwunden und wir alle kommen ziemlich auf dem Zahnfleisch daher; auch gestern war nochmals eine gnadenlos harte Etappe mit 110 km holpriger Piste und 32 km Asphalt und die 40 Grad Mittagstemperatur machen die Etappen auch nicht gerade einfacher und jede Hütte, die kalte Getränke im Angebot hat, wird dankbarst aufgesucht und so ergeben sich auch immer sehr nette Begegnungen. Ich hatte gestern meinen ersten Platten, gleich morgens nach 6 km, doch damit noch nicht genug , ein weiterer Platten und eine defekte Luftpumpe brachten meinen Zeitplan mächtig durcheinander und ich musste schon wieder um das Erreichen des Tageszieles kämpfen und kam wieder erst bei Anbruch der Dämmerung im Camp an und das nun schon den dritten Tag am Stück und das ist echt mega anstrengend, weil ich kaum zum Regenerieren komme.... ich brauche echt einen Ruhetag und eine Dusche und meine Klamotten und mein Fahrrad sehen, wie ich, so was von verdreckt aus, dass ihr mich wahrscheinlich kaum wiedererkennen würdet...... Kräftezehrende Tage sind das und dies, umgeben von Menschen die zum Teil in ziemlich desolaten Hütten mitsamt ihren Tieren leben. Gestern hatte mich wieder mal eine ältere, zahnlose Frau vor einem Laden um Geld gebeten und es ist schon ziemlich hart, dem nur mit einem hilflosen freundlichen Lächeln zu begegnen; aber es ist halt auch nicht möglich, jedem etwas zu geben und auch bei den Kindern ist es so, dass man ein Chaos hervorrufen würde wenn man einem etwas geben würde und den anderen nicht und dabei ist es sowas von krass zu sehen, wie hier viele Menschen leben und gleichzeitig zu wissen, dass jeder von uns mit mindestens 1000 Dollar in der Satteltasche durch die Gegend radelt....... Ich denke es ist für jeden einzelnen von uns keine leichte Aufgabe damit zurecht zu kommen. Gestern nun hieß es auch Abschied vom freundlichen Sudan zu nehmen, denn heute früh passierten wir die Grenze und sind nun in Äthiopien und dort auf dem Weg nach Gondor, wo morgen der ersehnte Ruhetag sein wird. Die Grenze ist insofern eine witzige Sache, da über die Straße lediglich eine einfache, alte Stoffschnur, befestigt an zwei krummen Holzästen, gespannt ist und ansonsten nichts zu sehen ist, was man an einer Grenze so erwartet. Gedauert hat dann alles doch eine zeitlang, da die Äthiopier mehrere Bücher mit unerwünschten Personen führen und jeder einzeln unserer Ausweise mit diesem Personenregister abgeglichen werden musste; also nichts mit Datenspeicherung und Computer oder so...... hier wird noch richtig gearbeitet und wir hatten Zeit zum Geld wechseln und Pepsi trinken und dem lebhaften Treiben zuzuschauen, das um uns herum sich abspielte. Nicht nur das Land, auch die Szenerie hat sich total gewandelt, es ist nicht mehr nur flach sondern zunehmend huegelig und am Horizont sind schon die Berge zu sehen, die hier in Aethiopien auf uns warten, schon morgen warten ueber 2400 Hoehenmeter auf uns. Ach ja und Bier gibt es nun ja auch wieder zu haben und das haben wir uns heute auch richtig verdient auf unseren ersten 107 km in Aethiopien. Probleme macht das Buschklo hier: die Erde ist so ausgetrocknet, dass es verdammt schwer faellt, ein Loch zu buddeln.... aber das nun nebenbei erzaehlt und nur fuer diejenigen, die dieses Thema besonders interessiert. Unser Camp war am Abend Versammlungsort der kleinen Siedlung, die Frauen verkauften uns Bier und Cola, die Kinder begutachteten die Raeder und die Zelte und alles was so vor sich geht und die Maenner stehen mit dem Gewehr um die Schulter und wachen ueber das Ganze. Probleme machten vereinzelte Kinder entlang der Strasse die mit Steinen auf einige von uns Radlern warfen, ich wurde gar einmal mit einer Schleuder beschossen, bekam aber die kleinen Steinchen darin nur ans Rad.... das ist vielleicht schrill und ich werde mir wohl eine Strategie fuer solche Angriffe einfallen lassen muessen........ Ich halte euch auf dem Laufenden...... und sende nebenbei ganz ganz herzliche Geburtstagsgruesse an Rainer und Joerg..... feiert schoen und alles Gute!!!!!! Hartmut 8.Februar 2010 Der Tag der Zermürbung war das heute; der Tag der Leiden und des Willens und so mancher Dramen entlang der Strecke, da doch viele heute ihren EFI-Status (each faboulos inch-jeden fabelhaften Meter) verloren haben, da sie nicht das Ziel auf dem Rad, sondern in einem der Trucks erreichten. Und eigentlich hätte ja alles so schön sein sollen und quasi ein besonderes Zuckerl auf dem Weg durch den Sudan, stand doch der Besuch des Dinder National Parks an und wir hatten eine Sondergenehmigung, um mit unseren Fahrrädern dort hineinzugelangen. Der Park ist im Südosten des Landes und ist ziemlich groß und darin tummeln sich solch prächtige Tiere wie Geparden, Löwen, Affen, Giraffen, Elefanten und mehr und schon allein diese Vorstellung war im Vorfeld recht prickelnd. Der Weg dahin führte über miserabelste Piste und das einzigste Highlight war ein Cokestop in einem kleinen Dorf umringt von unzähligen Kindern. Im Park angekommen mussten wir dann wegen unserer Sicherheit im Konvoi durch schreckliche Holperpisten radeln und selbst wenn da irgendwo ein Tier zu sehen gewesen wäre, hätten wir es wahrscheinlich nicht entdeckt, da die volle Konzentration der Holperpiste und dem Vordermann galt und dennoch kam es zu einigen Stürzen und v.a. auch zu vielen platten Reifen was den Konvoi endlos in die Länge zog. Bereits da war dann auch klar, dass für viele das Etappenziel am Abend nicht zu schaffen war. Im Park gab es dann an einer Wildhüterstation einen herzlichen Empfang und es wurde für den Tourismusverband gefilmt und interviewt und geknipst und ganz sicherlich werden wir alle für Werbung für den Park im Sudan TV herhalten. Und dann ging es zur Sache, warteten doch noch stramme 50 km Piste in der prallen Mittagshitze. Der Weg war über weite Strecken ein grässlicher, mit tiefen Rissen durchzogener Wildhütertrail, mitten durch Savanne und Wald und war zum Radfahren so ungeeignet, wie ein ausgetrocknetes Bachbett zum Schwimmen; immer wieder musste ich mein Rad schieben und wenn es zum Radeln ging, schmerzten meine Unterarme höllisch und jeder Holperer war wie ein Stich und auf jedem Meter gab es mindestens 3 heftige Holperer und somit 3 peinvolle Stiche und jeder Kilometer war eine reine Qual und ich kam streckenweise mit gerade mal 9 km in der Stunde vorwärts und es wurde mir mehr und mehr klar, dass mir die Zeit anfing, davonzulaufen wenn ich noch vor Einbruch der Dunkelheit ankommen wollte. Ich versuchte verschiedene Strategien, um mir die Zeit und mein Dasein erträglicher zu machen; fing an zu singen "kein schöner Land zu dieser Zeit....." oder "nehmt Abschied Brüder....."; dann versuchte ich mir Geschichten von wilden Löwen auszudenken, die um mich herum lauerten (zumindest theoretisch ja denkbar) und unlogischerweise war es zudem so, dass wir auf dem Weg in den Park Konvoi fahren mussten in Begleitung eines Wildhüters im Jeep, aber auf dem holper Weg aus dem Park war ich meist völlig alleine auf meinem Radel unterwegs und das war schon ein spannendes Gefühl, wenn man da so an die Löwen und Geparde und an Daktari und so weiter dachte; ein nettes Spielchen war auch die verschiedenen Kothaufen auf dem Weg den Tieren zuzuordnen und zumindest der Haufengröße nach zu urteilen, waren da schon stattliche Tiere unterwegs. So verging dann Kilometer um Kilometer und Stunde um Stunde und es wurde später und später und ich musste mich entscheiden: will ich um meinen EFI-Status kämpfen oder nicht und ich entschied mich für ersteres und gab meinem Rad die Sporen und biss auf die Zähne (blutige Lippe!!!!) und erreichte dann völlig erschöpft, bei beginnender Dämmerung, das trockene Flussbett, das zugleich Ende der Holperstrecke und Ende des Nationalparks und Ende der offiziellen Etappe bedeutete- geschafft- yeahhhhhhhhhh!!!! Und kurz davor kreuzte auch noch ein stattlicher Affe meinen Weg- als Belohnung quasi. Aber bis zum Camp waren es immer noch 10 km, doch erstmal ging es durch eines dieser nun schon vertrauten Dörfer und ich wusste in jedem dieser Dörfer gibt es einen kleinen Laden mit einem Kühlschrank voller Softdrinks und ich radelte ins Dorf, das wie überall voller Menschen war und rief "hello" und "Pepsi" und "Cola" und alle halfen mir und wiesen mir den Weg zur Labestation und ich kaufte mir 2 Flaschen Pepsi- eisgekühlt- für 3 sudanesische Pfund (1 Euro) und eine Flasche trank ich in einem Zug leer und spürte wie wieder Leben und Kraft und Glück in meinen ausgepowerten Körper kam und um mich herum waren staunende und fröhliche Menschen, die irgendwie spürten, dass ich es wirklich total nötig gehabt habe... Als ich dann im Camp ankam, war es vollends dunkel und da einige Ziegen- und Kuhherden samt Hirten noch unterwegs waren, musste ich ziemlich Acht geben, nicht noch auf den letzten Metern mit eben diesen zu kollidieren. Im Dunkeln das Zelt aufzubauen macht nicht wirklich Spaß, zumal wenn man völlig am Ende ist und verdreckt und verschwitzt, aber auch das hab ich geschafft und es gab ja noch ein köstliches Essen und viele Radler kamen -meist im Truck dann- noch lange nach mir an und es gab viel zu diskutieren über diesen beinharten Tag und jeder hatte seine speziellen Leiden und jeder ist tausend Tode auf dem Rad gestorben und doch wieder irgendwie zu Kräften gekommen. Im Camp schüttete ich nochmals kaltes Cola und Wasser in mich und hatte doch das Gefühl überhitzt und ausgetrocknet zu sein und war den ganzen Tag über einmal nur beim Pinkeln und das nur mit Anstrengung und aus purer Gewohnheit. Zu später Stunde setzte ich mich dann noch neben mein Zelt und aß noch 2 von diesen köstlichen Grapefruits, die es hier gibt und schaute in die Sterne und dankte einfach für diesen Tag und dass ich ihn so schaffen durfte. Ach ja, die Schale der Grapefruits eignet sich im übrigen excellent zum Säubern der Füße und hinterlässt einen verführerischen Duft..... aber das jetzt nur mal am Rande bemerkt. Eine wirklich üble Geschichte ist die von Jos aus Südafrika; er ist ein Bär von einem Mann und ist vor zwei Tagen wahrscheinlich an einem Bahnübergang gestürzt, da er alleine unterwegs war, wissen wir es nicht genau. Er kam dann noch mit dem Fahrrad zum Camp geradelt und es fiel uns allen erstmal nur auf, dass er so ruhig ist; wenn man ihn fragte ob er ok sei sagte er immer "Yes" und so schenkte man ihm nicht viel Beachtung und erst als er dann beim Essen immer noch abseits stand merkten wir, dass da was nicht stimmt. Jos hatte keinerlei Erinnerung an den Tag und konnte nicht erzählen was wirklich geschehen war und wurde mehr und mehr abwesend. Caroline, die Krankenschwester legte ihm dann eine Infusion und er wurde ins nächstgelegene Krankenhaus gebracht.... .nun ist er in der Klinik in Khartoum und wir alle können nur hoffen und beten, dass er sich wieder richtig erholt. Wow, was für ein kräfteraubender Tag heute. Es hieß am Morgen, Abschied nehmen von den überraschend guten, geteerten Straßen und knapp 100 km dirt road standen uns bevor. Kurz bevor es in die Prärie ging, legten wir noch eine schöne lange Tee- und Kaffeepause ein und das sollten wir insofern noch bereuen, da uns diese Zeit am frühen Morgen später sehr fehlte. Doch der Kaffee war extraklasse und die Zubereitung ist absolute Frauensache; überall sind in den Dörfern vor den kleinen Läden Frauen zu finden, die Tasse für Tasse extra brühen und in ihren Kesseln und Töpfen nochmals aufkochen, bevor das Koffeingebräu mit viel Zucker kochendheiss serviert wird- hey das gibt einen richtigen Kick so ein Kaffee. Die Frauen haben neben dem Kaffee auch diverse Tees, wie Schwarztee oder Gingertee im Angebot und es ist immer eine kleine Zeremonie, wie alles zubereitet wird. Doch das war es dann auch mit dem gemütlichen Teil des Tages; ausgewaschene Waschbrettstraßen stellten unsere Räder und unsere Kondition vor eine wahre Bewährungsprobe, besonders für all die Radler die keine Federung in der Vordergabel haben, war es ein echt harter Ritt und unsere Arme wurden dermaßen zusammengestaucht und durchgeschüttelt, dass mir nun alles weh tut. Und morgen soll es grade so weitergehen, na klasse! Erst der Hintern, dann das Zahnweh (das anhält), dann das schmerzende Knie und der Muskelkater vom Fußballspiel und nun die Arme.... um Jahre gealtert und malträtiert sitze ich also vor meinem Zelt und bin rundum zufrieden. Um uns herum ist ein einfaches Dorf mit Strohdächern und alle Dorfbewohner sind in einem Abstand von vielleicht 50 Metern versammelt -getrennt nach Männern, Frauen, Buben und Mädchen- und schauen unserem Lagerleben interessiert zu. Manche der Männer haben gar ihre Betten hergetragen, damit das Beobachten auch in gemütlicher Position möglich ist..... solch Unterhaltung und Abwechslung gibt es hier abseits der großen Straße sicherlich nicht oft...... wie Fernsehen, nur viel viel besser und absolut live. Überhaupt war es absolut phänomenal, was wir heute auf dieser Route alles sehen und erleben durften, ein ganz neues Afrika, ganz anders als entlang der geteerten Straße. Wir kamen durch einige solcher einfachsten Siedlungen und die Menschen standen stundenlang am Weg und warteten begeistert auf uns weiße Radler und jubelten und klatschten und riefen und lachten uns entgegen.... das war sowas von phänomenal!. Entlang des Weges begegneten wir immer mal wieder Hirten mit ihren Tieren, die durchs ausgetrocknete Flussbett zur Wasserstelle wanderten und Frauen und Mädchen mit großen Reisigbüscheln auf dem Kopf. Die Arbeiten scheinen klar aufgeteilt zu sein. Sowohl die Hirten, wie auch die Frauen, freuten sich an uns, winkten und hatten Freude daran, fotografiert zu werden. Für alle die, die nun eben nicht mit mir hier radeln können und trotzdem so ein wenig Anteil nehmen dürfen an diesen beeindruckenden Menschen und Landschaften, mit all ihren Farben und Weiten. Herzliche Grüße von einem durchgerüttelten und ziemlich verdreckten Radfahrer
aus Afrika. (mehr Fotos gibt es am Ruhetag vom Internetcafe aus) Ich habe nur wenig geschlafen, da mein Knie sehr schmerzt und ich bei jeder
Bewegung davon aufwache, warum nur bewegt man sich auch nur soviel in der
Nacht????? Überraschend gut geht es auf dem Rad; besser als Laufen allemal.
Heute war der Tag der Unfälle, es gab gleich 3 Stürze und die symphatische
Laura aus Belgien hat es am heftigsten erwischt. Ein junger Mann stellte sich
ihr in den Weg, er hat wohl ihre Geschwindigkeit völlig unterschätzt und sie
knallte vom Rad und mit dem Kopf auf den Asphalt, zum Glück dämpfte der Helm
vieles ab, dennoch hat sie wohl eine leichte Gehirnerschütterung und natürlich
auch einen ziemlichen Schock. Caroline unsere erfahrene Krankenschwester fuhr
mit ihr zur Sicherheit in ein nahegelegenes Krankenhaus und wir waren doch sehr
froh als sie später beide wieder im Camp eintrafen und hoffen alle, dass sie
sich schnell wieder völlig davon erholt. Unser Camp liegt
hier nahe am Blauen Nil. In Khartoum treffen ja Blauer und Weißer
Nil zusammen und unsere Route führt nun den Blauen Nil
entlang, der in Äthiopien seine Quelle
hat. So gab es auch heute wieder ein erfrischendes Bad und das an einem fast schon richtigen Sandstrand-
herrlich. Unweit unseres Camps trafen wir dann auch auf einige junge Männer die
dort Ziegelsteine herstellen. Nilschlamm wird dafür mit Dung vermischt und in
Formen gedrückt und zum Trocknen in die Sonne gelegt; später werden die
trockenen Ziegel dann zu einem großen Block zusammengestellt, mit Sand
abgedeckt und durch unterirdische Löcher befeuert und gebrannt... die Jungs
schufteten da ganz schön in der Sonne und sind von all der Arbeit sehnig und sehr muskulös und hatten zum Glück
auch keine Probleme damit, das wir sie fotografieren wollten. Ach ja ich muß ja noch mein Ergebnis vom Zeitfahren kundtun. Ich habe für die 20 km genau 38:10 min gebraucht und fuhr damit grade noch unter die Top 10 der Männer; geradelt ohne Klickpedale und in Sandalen und mit einem 50-er Mantel. Adrian der junge Australier gewann das Zeitfahren mit seinem Rennrad mit einer phantastischen 32-er Zeit. Bei den Frauen fuhr Gisi ( 37:18) hinter Jenny (36:40) auf den zweiten Platz. Heute ist mir das Größte wiederfahren, das einem deutschen Kreisliga B Reservefußballer überhaupt passieren kann: Mir wurde die Ehre zuteil, auf einem echt afrikanischen Fußballfeld gegen eine Auswahl der sudanesischen U 17 Nationalmannschaft zu spielen. Gleich bei Ankunft im Camp machten Martjin und Stephen von unserer Radelgruppe ein Fußballspiel aus und so ging es mit geschenkten T-Shirts vom Sudan Tourismusverband in einem völlig überfüllten Bus vom Camp in die Fußballarena. Das Fußballfeld ist einfach ein hartes Sandfeld, auf dem, neben großen Steinen, Glas und Metallstücken und allerlei anderer Müll zu finden ist; als Außenmarkierung dienen alte, eingebuddelte Autoreifen, auf denen auch die Zuschauer einen bequemen Platz finden und die gab es reichlich für dieses Freundschaftsspiel. Die jungen Kerle waren uns natürlich total überlegen was die Leichtigkeit und den Spielwitz anbelangte und am Ball total verspielt und mit genialen Tricks ausgestattet und spielten uns des öfteren schwindelig; aber sie nahmen das ganze natürlich auch als netten Spaß und wir standen robust, körperbetont (schliesslich hatten wir mit Sam, Steven, Michael und Simon einige leidenschaftliche Rugbyspieler in unseren Reihen) und zahlreich in der Abwehr und so hatten die fußballverrückten Jungs durchaus etwas zuviel Respekt vor uns, desto mehr, je näher sie zu unserem Tor kamen, das von Eric souverän gehütet wurde und so ging das nette Spiel schlussendlich 0:0 aus, auch deshalb weil Sam einen geschenkten Elfer neben das Tor setzte. Hey das war echt stark und ein super schönes Erlebnis; hoffe auf den Bildern kommt das so ein bisschen rüber, das Gruppenmannschaftsfoto zeige ich euch, sobald ich es von Martijn bekomme. Nun habe ich ja seit Jahren kein Fußball mehr gespielt und so muß ich diesen Einsatz nun mit einem ziemlich wehen Knie und einer Schürfwunde und etwas Muskelkater büßen, aber das war es allemal wert und radeln müsste trotzdem möglich sein morgen. 03.Februar 2010
Hallo! Wir sind in Khartoum und das kam so: Es ist ja nun keine Kaffeefahrt, auf der ich mich befinde und so stand heute morgen erst mal ein 20 km Zeitfahren auf dem Plan; nun bin ich kein Racer sondern mache die Expeditionstour, doch so ein bisschen steckt das Rennfahren ja in uns allen und so hab ich natürlich versucht mein Aarios Trekkingbike samt Lenkertasche und Packtasche im Kampf gegen die Uhr zu positionieren und bin die Strecke in einem Affenzahn abgestrampelt und bin dann mal gespannt auf das Ergebnis..... schwachsinnig, mag mancher denken, aber es hat echt Fun gemacht. Die restlichen Kilometer nach Khartoum waren auch noch sehr bemerkenswert, da wir auf Termitenhügel und v.a. auf prächtige Kamelherden trafen und so freilebende Kamele erfreuen einen Radnomaden von der schwäbischen Alb doch ungemein. Am Stadtrand stand der Lunchtruck, wir stärkten uns und warteten auf die Polizeieskorte zum Campplatz und schliesslich ging es im Konvoi 37 km durch Khartoum und das bei prallem Sonnenstand zur Mittgaszeit. Es ist schon sehr sehr beeindruckend was wir da alles zu sehen bekamen; einfachste, halb eingefallene und halb unfertige Baracken mit einem großen Straßengraben davor, in dem der unendlich zahlreiche Müll verbrannt wird und vor sich hinschmort; dann sehr geschäftige Siedlungen voller Märkte und Menschen, meist aufgeteilt in verschiedene Branchen: die Straße der Holzhändler folgte auf die Straße der Sanitärhändler und dann kommen die Autositzkissenverkäufer und dann die afrikanischen Souvenirverkäufer und dann die Bausteinhändler und die Korbmacher und die Eisen- und Schrotthändler und die Altpapierhändler und die Reifenhändler sowieso........ viele Tuc-Tucs und kleine Busse und Taxis, meist französicher oder asiatischer Bauart, teilen sich mit den Eselskarren und den aufgepeppten Fahrrädern der Kids die Straße und dann kommt da dann unsere große Truppe mit den Trucks dahinter und sorgt für Staunen und Stau zugleich. So kamen wir also zu unserem Campground und auf dem ist zugleich eine Art Fußballnachwuchssportjugendherberge und viele viele junge sportbegeisterte Sudanesen und für morgen wird nun ein kleines Freundschaftsspiel geplant.... mal sehen, was draus wird... ich halte euch natürlich auf dem Laufenden. Ich machte mich nach der Dusche im Camp auf den Weg zur Familie Schilling und das sind Christoph und Tina mit den Kindern Nathanael, Mirijam und Johann-Amos samt Hund und Katz. Die Adresse bekam ich über meinen immer motivierten Arbeitskollegen Günter und so komme ich also heute in den Genuss eines Bettes und einer Waschmaschine und Internetzugang und vor allem von sehr viel Gastfreundschaft. Christoph ist Pfarrer und unterrichtet an der hiesigen Bibelschule; Tina gibt Unterricht an der internationalen Schule in arabisch und zuhause wird neben schwäbisch und englisch auch finnisch gesprochen, da Tina von dort herkommt und des arabischen sind auch alle mächtig...... ist das nicht beeindruckend?!?! Der Weg zum Haus war recht spannend, da ich nur eine vage Ahnung hatte und zweimal wurde ich in die jeweils entgegengesetzte Richtung geschickt, als ich nach dem Weg fragte und dann musste ich noch durch eine wirklich erschreckend ärmliche Siedlung radeln, die voller Müll und Dreck war und mich betroffen machte, auch wenn die Menschen dort mir freundlich und fröhlich begegneten. Nicht weit davon entfernt befindet sich der neue Golf Platz der einer reichen Familie gehört und das steht sowas von mega im Kontrast zu dem, was drum rum sich abspielt; aber so geht es zu in der Welt und es so absolut nah zueinander zu erleben, dieses arm und reich, dieses im Überfluss haben und im Dreck zu leben, ist nicht einfach zu ertragen. Auf den Fotos der letzten Tage konntet ihr im übrigen Ruben (Ruben von Fürstenberg) und Rainer und Gisi (Gisi Gartmair) kennenlernen, mit denen ich doch die meiste Zeit hier verbringe. Morgen nun also Ruhetag und dann warten heftigere Radeltage auf uns mit erstmal viel Verkehr und schliesslich mit einigen Höhenmetern, wenn es Richtung Äthiopien geht, dann werden auch bei den Racern die Karten neu gemischt und ich bin mal gespannt wie sich mein schweres Trekkingbike in den Bergen macht- ich halte euch auf dem Laufenden....... Danke für alle e-mails und von Herzen auch für alle Spenden aufs UNICEF Konto; das motiviert mich natürlich ungemein...... Hartmut 02.Februar 2010 Hallo wieder; ach was war das doch für ein schöner Tag heute. Unsere Etappe über 148 km führte uns plunderplatt durch die Wüstenlandschaft und ein gnädiger Wind unterstützte uns dabei noch. Die ersten 80 km bin ich mt Ruben geradelt, der mir ein total angenehmer Gesprächspartner und Begleiter ist und der für seine zarten 25 Jahre schon mächtig viel studiert und getan hat und einfach klare Vorstellungen hat und das imponiert mich doch sehr. Nach der Imbisspause am Lunchtruck bin ich anfangs noch mit einer Gruppe mitgeradelt, habe mich dann aber zurückfallen lassen, da ich einige Fotos machen wollte. Am Morgen sind wir in den wunderschönen Sonnenaufgang hineingeradelt, der die Wüste in ein faszinierendes Licht tauchte. Am Nachmittag wiederum wirbelte der Wind viel feinen Sand auf und dieser schimmerte leicht rötlich am Horizont, was auch beeindruckend aussah. An einer Wasserstelle stoppte ich, stieg vom Fahrrad und spazierte die 250 Meter dorthin, wo viele Kamele und Ziegen versammelt und getränkt wurden und Kinder und Hirten die Tiere hüteten und Wasser mit einer modernen Pumpe aus dem Wüstenboden pumpten. Wie immer hier im Sudan eine sehr herzliche und freundliche Begegnung, ich durfte fotografieren und die Männer bestanden auf ein Foto mit ihrer Pumpe, auf die sie ganz besonders stolz sind und die sicherlich vieles erleichtert hier. Die Wüste hat einfach solch gigantische Ausmaße und unendliche Weiten. Man stelle sich nur mal vor, man radelt von Nord nach Süd durch ganz Deutschand und alles, wirklich alles ist eine einzige heiße ausgetrocknete sandene Wüste und der Sudan ist um einiges größer als unser beschauliches, schönes, grünes Deutschland und zum allergroßen Teil eine einzige Wüstenlandschaft. Und obwohl wir Temperaturen am Nachmittag um die 44 Grad haben, steht der Sommer hier noch bevor und in den Monaten Mai bis September ist es dann einfach völlig unerträglich heiss und wir Radler lechzen an jeder sich bietenden Gelegenheit nach cool Softdrinks und plündern die Kioske und sind im Vergleich zu den Sudanesen doch wahre Weicheier, denn die bestellen die Felder und sorgen und kümmmern sich auf einfachste Weise um ihren Lebensunterhalt und trinken heißen, zuckersüßen Tee und Wasser aus den Tonkrügen, die überall am Wegesrand zu finden sind und machen um die Hitze nicht soviel Aufsehen wie wir. Das ist der feine Unterschied. Interessant finde ich aber auch, wie schnell wir uns eigentlich alle hier in dieser für unsere Verhältnisse krass anderen Welt wohlfühlen; abseits von feinen Restaurants, hygienischen Klos und Duschen, abseits von Komfort und unbegrenzten Möglichkeiten und umgeben von allereinfachsten Hütten und Lebensverhältnissen......wie schnell wird das fast schon zum normalen Alltag und zum fast schon Selbstverständlichen und das liegt sicherlich am meisten an den freundlichen Menschen denen wir hier jeden Tag begegnen dürfen und an dem gegenseitigen Respekt, der da immer zu spüren ist dabei. Und wie gut geht es uns Radlern doch; zum Frühstück gab es heute Müsli mit Honig und -Achtung jetzt kommts- mit Fladenbrot mit NUTELLA; nach 80 km wartet der Lunchtruck mit Thunfisch und Gemüsesandwiches und Energiedrinks, am Camp gibt es, wenn man ankommt, heisse Suppe und am Abend steht Nudeln mit Gemüse, Fetakäse aus dem Sudan und Oliven aus Ägypten auf dem Speiseplan - wir haben also absolut keinen Mangel und das können die Menschen denen wir am Wegesrand und in den Siedlungen hier begegnen, leider wohl nicht jeden Tag behaupten und das macht schon auch betroffen. Morgen geht es die restlichen 60 km nach Khartoum und dort wartet ein 40 km langer Polizeikonvoi zum Campplatz auf uns und so alles klappt, radle ich dann zur Familie Schilling, die in der Hauptstadt wohnt und arbeitet und darf dort einen Tag zu Gast sein und darauf freue ich mich schon sehr. Und Euch halte ich auf dem Laufenden.....wer ist Familie Schilling?? Und was macht Familie Schilling in Khartoum????? Und woher kennt der Hardy denn die Familie Schilling?????? Fragen über Fragen........ Ach ja, zu guter Letzt möchte ich noch herzliche Geburtstagsgrüße an Erwin Schrade und an Iris Peuker los werden..... alles alles Gute und sonnigsten Grüße aus dem Sudan!!!!! sendet auch allen anderen Hartmut 01.Februar 2010 HALLO ins verschneite Deutschland! Die 40 Grad Marke ist nun locker überschritten und ab Nachmittag ist es wirklich backofenheiss auf dem Rad, selbst im Camp, im Schatten, möchte man sich so wenig wie möglich bewegen; es sei denn der Nil lockt zu einem erfrischenden Bad, doch das bedeutet einen längeren Fußmarsch in der Hitze......tja, so habe ich doch bisweilen schwierige Entscheidungen zu treffen. Heute Nacht um 0:00 Uhr hatte ich noch wohlige 29 Grad im Zelt; erst gegen Morgen kühlt es leicht ab und so sind die Morgenstunden auf dem Rad bei 23 Grad ein wahrer Genuss. Unsere Etappen auf dem Weg nach Khartoum betragen um die 150 km und sind doch überschaubar, da es eine gute Strasse ist und es absolut flach durch die sandfarbene Wüste geht in der durch die Hitze die ein und andere Fata Morgana den Sinnen einen Streich spielt und man denkt da taucht ein riesiger See in der Ferne auf...... Viele Kamelherden durften wir erblicken die karawanenhaft von in weißen Gewändern umhüllten Kameltreibern mit dem klassischen Turban auf dem Kopf, durch die Wüste geführt werden. Entlang der Straße liegen verstreut etliche teils skelettierte, teils mumifizierte Kadaver und, für mein Empfinden etwas makaber, lag in unmittelbarer Nähe eines solchen anscheinend seit Jahre dort liegenden total vertrocknetem Kamel unser "dead camel desertcamp". Traumhaft klar und unendlich prachtvoll ist der Sternenhimmel und dank des prallen Vollmondes sind die Nächte sehr hell. Das wiederum hat den Nachteil dass man auch des Nachts weit zu laufen hat, wenn man das Wüstenklo fürs große Geschäft aufsuchen muß. Bewaffnet mit einem dicken Spaten und einer Rolle Klopapier zieht man dann los und buddelt sich erstmal eine Grube bevor man sich dem eigentlichen Geschäft widmen kann; nach getaner Tat schaufelt man die ganze Pracht dann wieder zu und markiert die Stelle damit nicht der nächste genau wieder dort anfängt zu buddeln......noch Fragen????? Unsere Route hat 100 km nach Dongola den Nil nun verlassen, der hier einen Knick macht und auf den wir erst wieder in Khartoum stossen werden. Noch nie zuvor habe ich erleben dürfen, wie sehr alles Leben und Gedeihen von einem einzigen Fluß abhängt, wie hier in dieser unendlich weiten und trockenen Wüste. Viel Kummer macht mir doch mein Hintern; dachte ich doch vor der Tour, dass ich auf diesem Gebiet wohl recht abgehärtet bin, muß ich mich nun mit einer schmerzenden, entzündeten Druckstelle rumplagen und die wird natürlich nicht besser wenn man jeden Tag sie wieder malträtiert auf dem harten Ledersattel..... Auf der Chinatour hatte ich da längst nicht solche Probleme, aber da muß ich jetzt wohl oder übel durch und wende alle mir bekannten Strategien und Salben und Entlastungen an. Unterschlagen habe ich im übrigen noch die Katja als deutsche Radlerin; aber da sie in Südafrika lebt, habe ich sie einfach in die südafrikanische Schublade gesteckt, da sie auch dort die meisten Kontakte hat- man sehe es mir nach. Ab morgen werde ich dann mit der Malariaprophylaxe beginnen und ich hoffe, ich werde das Doxycicllin gut vertragen und v.a. keine extreme Sonnenempfindlichkeit davon bekommen, denn sonst müßte ich mir wohl hier was anderes zur Prophylaxe besorgen, denn an Sonne ist wahrhaftig kein Mangel. Auch heißt es ab Äthiopien dann lange Klamotten ab dem Nachmittag anzuziehen, denn das ist natürlich der allerbeste Schutz überhaupt und ich denke mal, da muß ich mich noch gut erziehen, da ich ja doch zu gerne so wenig wie nur möglich gekleidet mich in dieser Hitze aufhalte. Ägypten hat den Africa Cup gewonnen; ich glaube die Sudanesen haben eher für Ghana gehalten, auf die ja unsere Jungs dann im Juni bei der WM treffen werden; aber das sei nun hier nur am Rande bemerkt, als Gesprächsnotiz meiner Unterhaltungen die ich an unseren Rastplätzen entlang der Strecke heute mit einigen Sudanesen geführt habe. Fußball ist nun mal die schönste Nebensache der Welt......naja, vielleicht ein bisschen wichtiger als das. Was mir irgendwie gefällt, ist der Ruf zum Gebet vom Muezin; wenn es nicht gar so ausartet, wie in Dongola als ab 5:00 Uhr über eine Stunde lang in voller Sequenz zum Gebet aufgefordert wurde; keine Ahnung was an diesem Tag von wichtigerer Bedeutung war, als sonst wo weitaus weniger intensiv der Ruf ertönt. Für mich ist das immer Anlass, mich auch zu sammeln und auf meine Art meine Gedanken und mein Gebet an den Gott zu tragen der mir am nächsten ist und ich fühle da auch absolut keinen Widerspruch dabei. Und anscheinend brauche ich sowas wie ein Rufen dafür, denn in den weit entlegenen Wüstencamps vergesse ich bisweilen diesen besinnlichen Start in den Tag. liebe Grüße und alles Gute Hartmut Freitag 29.Januar 2010
Ich liege in meinem Zelt und lausche der ausgelassenen Stimmung einer Hochzeitsgesellschaft und der arabischen Tanzmusik und versuche meine juckenden Füße zu ignorieren, was gar nicht so einfach ist. Etliche rote Pünktchen haben dort die riesigen Ameisen hinterlassen, die auf unserem schönen Campplatz im ehemaligen Zoo von Dongola in Scharen anzutreffen sind; von den Mücken abgesehen, deren Stich nicht weniger juckt, sind aber keine Tiere mehr im Zoo; dafür haben wir zum ersten mal auf unserer Reise richtiges Gras hier und das inmitten der nubischen Wüste, durch die wir die letzten Tage geradelt sind. Wobei es sich im weichen Wüstensand sehr bequem schlafen lässt da der Körper sich eine richtige Kuhle in den Sand gräbt, die sich anatomisch maßgerecht anpasst; nur ist halt, so sehr man auch aufpasst, immer irgendwie alles doch voller feinem Sand im Zelt. Seit 3 Tagen und 410 km sind wir nun im Sudan; fächenmäßig das größte Land in Afrika und wir fühlen uns hier alle sehr sehr wohl. Das Radeln ist auf der neuen Straße bei null Verkehr und Wind ein richtiger Traum und die Wüstenlandschaft wird immer wieder unterbrochen von kleinen, einfachsten Siedlungen entlang des Nils, der sich wie ein grünes Band durchs Land zieht. Die Menschen versuchen diesem Band mühsamst ein wenig Anbaufläche für ihre Nahrung abzuringen, doch der Wüstenboden ist nicht fruchtbar und nur in Verbindung mit Nilschlamm gedeihen Getreide und Gemüse. Mit Nilschlamm und Dung vermischt, werden auch die Ziegelsteine geformt und zum Trocknen dann der heissen Sonne ausgesetzt und anschliessend zu dicken Mauern aufgestapelt.... und all das geschieht in reiner Handarbeit und mit einer ausserordentlicher Fröhlichkeit. Die Menschen hier begegnen uns sehr freundlich und viel zurückhaltender wie noch in Ägypten und insofern kann ich nur bestätigen, was im Reiseführer zu lesen war, dass die Sudanesen zu den freundlichsten und zuvorkommensten Menschen überhaupt zählen; warum es dann aber in diesem armen Land seit Jahrzehnten im Süden einen zerstörerischen Bürgerkrieg gibt, lässt sich dann noch weniger nachvollziehen. Wir jedenfalls fühlen uns sicher und wohl und man kann auch, wie ich, alleine hier völlig unbesorgt nachts durch die Stadt schlendern, ohne ein mulmmiges Gefühl haben zu müssen und das sudanesische Abendgetümmel in sich aufsaugen. Da es tags über nun doch mit über 35 Grad sehr heiss ist, verschiebt sich das Leben auf den Straßen in die Nacht; denn dann ist es angenehm und die Strassenküchen und all die kleinen Läden haben geöffnet und locken die Menschen in die Gassen. Gegessen wird Falafel und ein Bohnen-Eier-Kräutergericht namens Full mit Brot, wenn man sich zur Gattung der Vegetarier zählt und ansonsten Fleisch am Spiess vom Grill und Kebab. Es gibt schon immer etwas Aufsehen, wenn so eine Horde inzwischen braungebrannter, weißhäutiger, ausgehungerter Radfahrer auftaucht, die sich nach Softdrinks und Chips sehnt.... Alkohol gibt es im Sudan absolut nicht; es drohen bis zu 40 Peitschenhiebe, sollte man mit welchem erwischt werden; also dann wirklich lieber kein Bierchen am Abend, zumal man mit einem alkoholfreien bierähnlichen Getränk namens Moussi eine echte Alternative hat. Nun also morgen Ruhetag in Dongola und mal wieder jede Menge Handwäsche hier im Camp mit dem kalten Wasser aus dem Wasserschlauch, der auch als erfrischende Dusche herhalten muß; wobei man zu Wasser schon eine neue Beziehung findet, wenn man sieht, wie kostbar und rar es hier in der Wüste ist und nicht immer und überall ganz selbstverständlich zur Verfügung steht. Auch meine leichten Blessuren, wie mein muckendes linkes Knie und meine etwas schmerzende linke Pobacke, gilt es morgen zu pflegen, schliesslich warten noch viele viele Radkilometer auf mich und ein wunder Hintern ist so ziemlich das quälendste, was ich mir denken kann. Unser nächster Ruhetag wird dann in Khartoum, der Hauptstadt sein. In der Gruppe fühle ich mich soweit ganz wohl; ich kann mich schon einigermaßen gut mit meinem Englisch verständigen; schwierig wird es, wenn mehrere beinander sind, da geht mir dann alles zu schnell und ich verstehe nur noch Bruchstücke; einfacher sind da die Unterhaltungen mit den Holländern, die sprechen zwar auch besser Englisch als ich, sind aber gut zu verstehen und wir haben ja dann noch unsere kleine, beschauliche deutsche Gruppe und so ist es ganz gut. Da ist zum einen Ruben aus dem Badischen, der sich nach einer Fußballverletzung völlig unvorbereitet in diese Tour stürzte und der mir ein sehr guter Dolmetscher und Wegbegleiter ist und dann Rainer, vielbereist und mit 68 Jahren mit der älteste Teilnehmer und von beeindruckender Ausdauer und wie Gisi aus München kommend. Gisi ist eine Rennradsportlerin und somit auch mit gewissen Ambitionen, was das Rennergebnis anbelangt, hier immer an vorderster Stelle unterwegs; sie wird sich mit Juliana wohl bis zum Schluss ein packendes Duell um den Gesamtsieg liefern. Wen das interessiert kann auf der Homepage www.tourdafrique.com die Rennergebnisse verfolgen und zudem manche Story und viele Bilder sich anschauen. Obwohl ich mich ja nicht als Racer angemeldet habe, war ich jetzt doch immer ziemlich schnell auf meinem Tourenrad mit dabei, werde es aber nun auf den folgenden 500 km nach Khartoum vollends ruhiger angehen lassen; zum einen wegen meinem Knie und vorallem aber entgeht einem doch so manches, wenn man nur in einer schnellen Truppe mitfährt (so sehr das auch Spass macht) und keine extra Stops einlegt und die Fotos werden auch besser, wenn man sie nicht auf dem Fahrrad macht, sondern dafür anhält, ganz zu schweigen von den Begegnungen, die man so dann auch zahlreicher bekommt. Euch Allen wünsche ich ein schönes Wochenende und sende wie immer die sonnigsten aller Grüße aus dem Sudan, saalam alykum Hartmut Radeln in der Nubischen Wüste / Fotos aus Dongola / Im Internetcafe mit Gabriele Hallo, nochmals Grüße aus Dongola!
Ach wie herrlich ist doch so ein Ruhetag! Das Rad ist geputzt, die Waesche gewaschen, der Hintern mit Bepanthen aus der Apotheke hier im Ort geschmiert und der Rest des Tages genutzt, um einfach NICHTS zu tun. Buch lesen, Fuesse hochlegen und die juckenden Stiche kuehlen, ab und an geht es unter den Gartenschlauch und natuerlich geniesse ich auch den Bummel durch das Staedtchen und die Begegnungen die sich da so ergeben. Und auch hier bin ich erstaunt dass jeder Michael Ballack und Oliver Kahn kennt und das in einem Land, dessen Fussballteam an 140 Stelle der FIFA Rangliste zu finden ist; selbst nach Rummenigge hat sich einer erkundigt und interessant finden es die Leute hier auch zu wissen, ob ich aus West (BRD) oder Ost (DDR)- Deutschland komme. Anbei nochmal ein paar Fotos und wir gehen dann nun mal die allgegenwärtigen Bohnen essen und ich bin so froh, dass mein Magen bislang alles verträgt, was ich ihm so zumute. Grüße in Eure wunderschöne Winterlandschaft, von der ich hier den Sudanesen erzähle ... Hartmut zurück zur Datumsübersicht Wir sind im Sudan angekommen und das war schon ein Erlebnis der besonderen Art. Mit unseren Rädern durften wir den Stolz Ägyptens, den Assuanstaudamm befahren, was normalerweise Radfahrern nicht erlaubt wird, sie müssen sich ein Auto nehmen und die Räder darin verstauen, um an die Schiffsanlegestelle zu kommen. Wir waren sehr zeitig am Morgen am Hafen und somit die ersten, die aufs Schiff gingen, einfach auch um sicherzustellen, dass alle Räder mit an Bord kommen. Also Fahrrad schultern und auf das Schiffsdeck tragen und an der Reling abstellen; dort machten auch wir uns es dann erstmal bequem und beobachteten das Treiben um uns herum. Gut die Hälfte unserer Gruppe bekam eine 2-er Kabine zugewiesen und für den Rest hieß es auf Deck die nächsten 24 Stunden zu verbringen. Um uns herum herrschte mehr und mehr hektisches Treiben, Stunde um Stunde kamen Menschen mit unzähligen Paketen und Koffern und suchten sich einen Platz auf dem Schiff, das immer voller und voller wurde und auf Deck knallte die Sonne recht erbarmungslos hernieder. Wir waren nach 11:00 Uhr auf dem Schiff und um 18:30 Uhr legte es dann nach dem Abendgebet endlich ab und solange war es ein endloses Bepacken und Verstauen, bis wirklich kein noch so kleines Plätzchen auf dem Deck, den Kabinen und dem Schiffsbauch mehr übrig blieb; also nun weiß ich was ein überladenes Boot ist..... Schön waren die Begegnungen mit anderen Reisenden: zwei deutschen Pärchen und einem österreichischen die mit Wohnmobil und Truck durch Afrika ziehen und einem Paar aus Berlin, das vollbepackt (inklusive 2 Trommeln) mit dem Fahrrad auf einer 2-jährigen Weltreise ist. Doch es gab natürlich auch viele nette Kontakte mit Sudanesen und Ägyptern; überhaupt war trotz der Enge die Atmosphäre eine angenehme und recht rücksichtsvolle und geprägt mit viel Freundlichkeit. Nachts um 22:00 Uhr hiess auf einmal dass wir zur Passkontrolle in den Speiseraum müssten und allein der Weg dorthin war sehr beschwerlich, da wir im Dunkeln über all die Menschen, die zum Teil schon schliefen, hinwegklettern mussten, um dorthin überhaupt gelangen zu können. War das geschafft wartete im engen Speiseraum der medizinische Einreisecheck der so aussah, dass ein im weissen Gewande gekleideter und Zigarette rauchender Funktionsträger einem für eine halbe Sekunde lang ein Fieberthermometer ins Ohr steckte (bei Allen natürlich daselbe) und dann mit ernster Miene sein OK gab. Das war sowas von einer urkomischen Situation und die reinste Farce und wir hatten irgendwie unseren Spaß daran und das steckte dann auch den Medizinmann irgendwann an..... Tja danach hieß es dann wieder, sich einen Weg bahnen, um zu seinem Platz an Deck zu kommen und zu hoffen, dass dieser noch frei war; der Sternenhimmel war eine Pracht, auf Deck bliess ein kalter Nachtwind und ich konnte mich auf meiner Isomatte kaum drehen so eng lagen wir da alle nebeneinander und hofften, dass auch diese Nacht irgendwann ein Ende nehmen wird und das tat sie dann auch tatsächlich. Wirklich entschädigt wurden wir dann mit dem Anblick auf den Ramses Tempel von Abu Simbel, der ja mit dem Bau des Staudammes im See unterzugehen drohte und der in einer spektakulären Aktion vollständig abgetragen und neu aufgebaut wurde, um ihn der Welt zu erhalten. Nach einer weiteren Passkontrolle kam der Sudan in Sichtweite und die Überraschung war groß, als wir mitten im Nirgendwo mit dem Schiff anlegten; da war kein Hafen oder geschweige denn eine Besiedlung zu sehen; nein nichts- absolut nichts, außer einer Anlegestelle, einer kleinen Bucht und einigen Felsen. Von der Ferne kamen dann auf einer staubigen Wüstenstraße ein Truck und ein Bus angebraust und tatsächlich wurde dann angefangen, das Schiff zu entladen und nach und nach konnten die ersten Passagiere von Bord und es dauerte wohl wieder um die 2 Stunden, bis auch wir dann dran waren und unsere Räder von Deck tragen konnten. Solange standen wir an der Reling und beobachteten das emsige Treiben, das da um uns herum stattfand und so froh wir waren, als wir das Schiff verlassen konnten, so unvergesslich wird dieses Erlebnis bleiben. Natürlich gab es an Land nochmals eine Passkontrolle und jedes Gepäckstück und das Fahrrad sowieso bekamen einen Sticker mit Unterschrift, bevor wir uns auf den Weg zum Campplatz im Stadion von Wadi Halfa machen konnten. Dort fand an diesem Tag eine Polizeiparade statt und es herschte buntes Treiben und viele Menschen waren fröhlich und in bunten Gewändern versammelt und wir konnte uns so gar keinen Reim drauf machen, was denn da wohl los ist. Am Abend ging es dann mit einem dieser wundervollen Tuc-Tuc-Taxis ins Zentrum von Wadi Halfa, wo wir es uns bei Reis, Kartoffeln, weißen Bohnen, leckerem frischen Brot und die Nichtvegetarier bei diversen Fleischgerichten (Hammel oder Huhn) gut gehen ließen und die wenigen Straßenrestaurant bevölkerten. Hey, wir sind im
Sudan und vom ersten Moment an fühlen wir uns bei diesen freundlichen und eher
zurückhaltenden Menschen sehr sehr wohl. Auch hier haben wir wieder
Einheimische, die uns begleiten und sich für uns sorgen, solange wir in ihrem
Land mit unseren Rädern unterwegs sind und es ist angenehm, diesen Kontakt zu
haben. Heute dann die erste Etappe mit 150 km auf einer niegelnagel neuen
Straße, die von den Chinesen im Tausch gegen Bodenschätze gebaut worden ist.
Zählten die Radtage bis Khartoum im letzten Jahr noch zu einen der schwierigeren,
wartete auf uns der glatte Asphalt und guter Wind und die 150 km konnte ich in
meiner Gruppe mit einem 32-er Schnitt locker angehen lassen. Die
Wüstenlandschaft ist hier nicht so eintönig, wie phasenweise in Ägypten und
gleicht bisweilen einer Ansammlung riesiger Maulwurfshaufen; Hügel um Hügel
in den unterschiedlichsten Braun-, Ocker- und Grautönen bilden eine faszinierende
Kulisse durch die wir da mit unseren Rädern rollen. Später blickten wir auf
richtige hohe Berge mit angewehten Sanddünen, die aussehen wie Skipisten, nur
halt in Sandfarben; dass hier in dieser Dürre auch vereinzelte Bäume wachsen, ist
mir ja ein Rätsel, aber natürlich umso schöner anzuschauen. Unser Camp liegt
hier am Rande einer kleinen Siedlung und so hatten wir Besuch von einigen Kindern
und auch Erwachsenen samt Eseln. Nicht weit weg ist der Nil und so kam ich noch
zu einem erfrischenden Bad nach einem heißen Radeltag....und gibt es nun
Krokodile im Nil oder nicht....wie war das gleich mit: "ich bin Schnappi
das kleine Krokodil....."; auf jeden Fall halten wir die Augen auf!!!!!!!
Bis dann; Hartmut Hier noch der Link zu Haralds Tourblog (er ist Journalist und füttert seinen Blog täglich): www.africanride.blogspot.com zurück zur Datumsübersicht Sonntag 24.Januar 2010 Hallo; tja nun klappt es doch noch mit einem Kleinen Reisegruß nochmals aus Ägypten und zwar ganz aus dem Süden, aus Assuan. Zwei super schöne Radtage liegen hinter uns; die Etappen führten uns den Nil entlang und boten bleibende Eindrücke. Unser Campalltag ist recht straff organisiert; theoretisch wird spätestens um 5:45 Uhr geweckt; aber in der morgendlichen Realität übernimmt dies schon vor 5:00 Uhr der Muezzin mit seinem eindringlichen Ruf von den Minaretten zum Morgengebet und in der Stadt Idfu war unser Camp von Moscheen nahezu umzingelt und so ertönte es von allen Seiten aus sämtlichen Lautsprechern und wir hatten so ausgiebig Zeit zur Besinnung. Ab 6:00 Uhr gibt es Frühstück und Gepäck und Zelt müssen bis spätestens um 7:00 Uhr im 260 Liter großen Stauraum, den jeder Einzelne zur Verfügung hat, im Truck eingeschlossen sein, denn dann ist täglicher Radelstart. Und so heiss es tagsüber mit gut 30 Grad ist, so kühl ist es in der Nacht und am Morgen mit frischen 7-10 Grad. Nach gut der Hälfte der einzelnen Etappen wartet der sogenannte Lunchtruck und es gibt ne wohlverdiente Pause mit Fladenbrot, Energiedrink und Bananen. Geradelt wird meist in Grüppchen, je nach Fitness und Bike und so kommen dann die ersten Radler schon am frühen Mittag im Camp an und die letzten trudeln Stunden später ein; jeder wie er will und kann. In den Flachetappen, wenn der Wind uns nicht ärgert, radeln wir manchmal mit über 30 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit dahin und ich bin ehrlich erstaunt wie flott mein Aarios Fahrrad doch mithalten kann; auch mit der Rohloffnabe bin ich bislang mehr als nur zufrieden. Im Camp wartet auf jeden immer eine heisse Suppe und die wird von uns allen sehr geschätzt. Dann heisst es Gepäck aus dem Truck holen und Zelt aufbauen; wenn es Wasser gibt, steht noch Wäsche waschen und sich selbst auch mit auf dem Programm, ansonsten bleibt man eben ungewaschen. Um 17:30 Uhr gibt es "Ridermeeting", dort wird die nächste Etappe besprochen und alles, was sonst so anfällt. Um 18:00 Uhr gibt es "Dinner"; dann ist es auch schon dunkel, man trinkt noch Tee und quatscht und geht zeitig in sein Wigwam, schliesslich weckt einen ja um 5:00 Uhr wieder der Muezzin. So sieht also in groben Zügen mein Alltag hier aus, die Rosinen sind die Eindrücke entlang der Strecke. Auf dem Weg nach Idfu machte meine Radelgruppe Rast bei einem kleinen Markt in einer Siedlung. Es gab einen ziemlichen Menschenauflauf und wir waren umringt von Kindern, die unseren Besuch natürlich sehr willkommen fanden. Auf dem Markt wurden Stoffe, Nüsse, Gewürze, Gemüse und Obst, Seile und Handwerkszeug, Schuhe und Krimskram angeboten; alles war auf dem Boden ausgebreitet, dahinter sammelten sich die Esel die die ganze Ware angekarrt hatten. Dem bewaffneten Marktaufseher war irgendwann der Trubel zuviel der um uns herum entstand und er forderte uns sehr freundlich auf, doch besser wieder weiterzuradeln und war sichtlich froh, als wir uns dann nach längerem Hin und Her wieder auf die Räder schwangen. Einigen von uns Radlern machten die übermütigen Kinder entlang der Strecke zu schaffen, einem versuchten sie einen Stock in die Speichen zu stecken, einigen liefen sie vors Fahrrad so dass es zu einem Sturz kam und bespuckt sind auch welche geworden; war zwar absolut die Ausnahme aber natürlich bitter. Idfu war ganz anders als Luxor. Luxor ist Touristenstadt und Idfu eben nicht und das Leben dort in den engen Gassen war 63,78 chaotisch und lebendig und für mich einfach nur spannend. Eselskarren, Traktoren; Pferdekutschen, Taxis, Lkw`s auf den holprigen Straßen transportieren alles mögliche durch die Stadt: Farbenprächtiges Gemüse, Zuckerrohr , Menschen, Kamele, Bauschutt, Hühner,.... Kinder fahren mit ihren aufgepeppten Rädern dazwischen umher und verschleierte Frauen tragen ihre Einkäufe auf dem Kopf entlang der Straße und ich darf mir das alles anschauen und staune und bin fasziniert. Ruben -auch ein Deutscher aus Freiburg- geht zu einem Barbier und bekommt einen super Haarschnitt und ich schaue mir derweil eine einfache Bäckerei im Hinterhof an und mache die Bekanntschaft mit den strahlenden Bäckern in der absolut dunklen Backstube und verlasse diese mit leckeren Zwieback und Sesamstangen. Nun sind wir also in Assuan gelandet. Morgen früh geht es auf die Fähre und wenn es flott geht, dauert die Überfahrt nach Wadi Hafa 20 Stunden; es kann aber auch viel länger dauern, so ganz genau weiß das niemand......that`s Africa....ihr wißt schon. Ganz ganz sonnige Grüße, Hartmut Begegnung an Straße / Marktaufseher / Markt in Idfu / Metzgerei / Bäckerei / Zeltplatz auf einem Fußballfeld in Idfu zurück zur Datumsübersicht Freitag, 22.01.2010 Heute ist Freitag und islamischer Sonntag auch. Am Morgen bin ich mit Gissi und Rainer, beide sind aus München und kannten sich schon vor der Tour, zum Tempel von Karnak aufgebrochen und da Rainer da schon einmal dort war, hatte ich gleich noch einen super Fremdenführer inklusive dabei. Der Tempel von Karnak gilt als das Heiligtum Ägyptens und ist eine der best erhaltenen Tempelanlagen überhaupt und dürfte so um die 3500 Jahre alt sein. Es war ein wirklich tief beeindruckender und faszinierender Ausflug; viele Skulpturen und Obiliske, Wandmalereien und Verzierungen sind dort in dieser riesigen Anlage zu bestaunen; das absolute Highlight aber ist die unglaubliche Säulenhalle die einen vor Ehrfurcht vor diesem Ort stille werden lässt. Vielleicht geben die Bilder ja so ein bisschen von dem wieder was ich in Karnak sehen durfte. Mit der Kutsche ließen wir uns dann noch zum Tempel von Luxor, der 2 km entfernt liegt fahren und umwanderten diese auch recht beeindruckende Anlage und lauschten dabei dem Freitagsgebet aus der naheliegenden Moschee. Ganz schön anstrengendes Programm für einen Ruhetag -puuh. Der Rest des Tages wird meinem Fahrrad gewidmet sein das ein paar Tropfen Öl verdient hat; außerdem gilt es das Gepäck neu zu sortieren und das Chaos im Zelt ein wenig aufzulösen, schliesslich wird morgen früh um 5:45 Uhr wie an jedem Radeltag geweckt und um 7 :00 Uhr geht es mit den Rädern Richtung Assuan wo dann die Fähre warten wird, die uns in den Sudan bringen soll. Da die Trucks auf einer extra Fähre transportiert werden und diese unterschiedlich ablegen, müssen wir mehr Gepäck als üblich vorbereiten; es ist so eine allgemeine Anspannung und Ungewissheit zu spüren, ob alles auch klappen wird mit unserem Grenzübertritt in den Sudan, das doch wohl als ganz besonders afrikanisches Land anzusehen ist, zumindest sagt Paul -unser "Chef"- bei allen Meetings: "well, this is Sudan"!!! Wir dürfen also gespannt sein auf die nächsten Tage! Donnerstag, 21.Januar 2010 Gestern sind wir nach einer fabelhaften Radetappe in Luxor eingetroffen und ein Ruhetag in einem Campplatz am Rande der Stadt liegt vor uns und darüber ist wirklich niemand traurig. Die Szenerie ist nun eine komplett andere. Vom Roten Meer weg führte unsere Route durch die Berge ins Niltal und dies war am Mittwoch nochmals eine sportliche Herrausforderung, da es lange und stetig bergauf ging und der Wind uns wieder alles abverlangte. Die Landschaft in den Bergen war beeindruckend, die Felsen leuchteten je nach Sonneneinfall in den unterschiedlichsten Brauntönen und es ging durch eine kleine Schlucht, in der von den Felsen herab Beduinen uns auf unseren Rädern beobachteten und sich so ihren Teil dazu gedacht haben werden. Ich radelte in einer Guppe mit bis zu 14 anderen und wir wechselten uns beim "Windbrechen" ab, so dass jeder auch mal seine Kräfte im Windschatten der anderen etwas schonen konnte- alles andere wäre die reinste Tortour gewesen. Nochmals mitten in der Wüste gab es ein hartes Nachtlager am Rande einer Polizeistation und die ganze Nacht wurden wir von Polizisten mit Maschinengewehren patroulliert, war schon ein komisches Gefühl; immer wenn man mal zum pinkeln musste, traf man auf einen der Polizisten; für unsere Frauen in der Gruppe war das besonders heikel da diese auch dann nicht von deren Seite wichen........ Doch nun ist alles komplett anders: Wir sind im Niltal und alles ist grün und überall wuselt es vor Menschen und geschäftiges Treiben begegnet uns entlang der Straße. Es ist Zuckerrohrernte und die Bauern haben jede Menge Arbeit und Traktoren und Eselskarren, beladen mit Zuckerrohr, sind allgegenwärtig. Vor allem die Kinder haben natürlich viel Freude an uns Radlern, sie winken und rufen uns begeistert zu, halten uns die Hände entgegen zum Abklatschen und leisten uns Gesellschaft beim Pausenstop. Alles macht einen recht friedlichen Eindruck, auch wenn entlang der Straße bewaffnete Polizei und viele zivile Äpypter mit Maschinengewehren die Straßen und Brücken kontrollieren. Einfachste Baracken aus denen Rauch aufsteigt, mehr oder weniger zerfallene Häuser mit Eseln und Rindern davor lassen erahnen, dass für viele das Leben ein recht armseliges ist hier entlang eines Seitenarmes des Nils. Welch Kontrast zu unserem bunten Radequipment und unseren high-tech Fahrrädern; doch dieses doch auch beklemmende Gefühl wird uns sicherlich durch die meisten Länder nun begleiten. Nun also Ruhetag in Luxor und der ist erstmal ausgefüllt mit Wäschewaschen; hier im Campplatz übernehmen dies, wenn man möchte, auch zwei Frauen für 3 Pfund pro Kleidungsstück und es ist schon ein lustiges Bild, wie die mit vielen Drähten bespannten Wäschestangen regelrecht überquellen mit lauter Radklamotten. Da ich in Safaga schon einiges gewaschen hatte, hält sich mein Wäscheberg in Grenzen und ich bewältige ihn gut alleine und gönne mir nach getaner Arbeit ein kaltes Bierchen, das ob der frühen Tageszeit und der angenehmen Sonne, gleich eine sanft spürbare leichte Wirkung hinterläßt. Mit einigen anderen aus der Gruppe mach ich mich zu einem kleinen Bummel durch Luxor auf, vor allem, um unseren Hunger zu bändigen; an den Ruhetagen sind wir für die Verpflegung selber zuständig, schliesslich sollen wir ja auch landestypisches Essen entdecken und genießen. Als Tourist wird man doch ständig und überall belagert von Menschen, die einen entweder mit der Pferdekutsche mitnehmen wollen oder mit dem Taxi; die einem Schmuck anbieten oder Kleidung oder Andenken oder oder oder....und das in französisch oder englisch oder deutsch....also man merkt wer hier so alles Urlaub macht. Am Nilufer liegen bestimmt 8 riesige Nilkreuzfahrtschiffe am Steg und warten auf Reisende....die Stadt wirkt eher so als ob nicht viele Touristen zur Zeit da wären und das, wo doch eigentlich nun im europäischen Winter Saison sein müsste. Vor einem kleinen Kiosk werden Ruben und ich am Abend noch von Mohammed auf einen Tee in seine Wohnung eingeladen. Er zeigt uns sichtlich stolz seine Sammlung, einen bayrischen Fotoband, den er von seinem "friend" aus Germany geschenkt bekommen hat. Mohammeds Frau holt das Fotoalbum mit den Hochzeitsbildern und Sone Abdul, gerade ein Jahr alt, fremdelt nur am Anfang etwas. Die 3 zeigen uns ihre Wohnung die sie mit Mohammeds Mutter teilen und es gibt Tee und starken Kaffee und Brot. Eine wirklich herzliche Begegnung und wir werden aufgefordert doch am nächsten Tag wieder zu kommen. Nach einem orginal ägyptischen Weizenbier dann im Camp endet der Tag trotz des Kaffees müde auf meiner schmalen Isomatte und ich freue mich auf morgen wo es dann zu den Tempeln gehen wird. Dienstag, 19.01.2010 Irgendwo in der weiten Wüste nicht weit entfernt vom Roten Meer sitze ich im Zelt und lausche dem Wind, der heftig am Gestänge rüttelt. Die ersten drei Radeltage liegen hinter mir und die ersten drei Nächte im Zelt auf hartem Wüstenboden und ohne groß sich zu waschen auch. Am Samstag war Tourstart und es ging im Konvoi durch Kairo zu den Pyramiden von Gizeh, wo wir vom Tourismusverband begrüßt und verköstigt wurden. War zugegebenerweise schon irgendwie cool und fast schon erhaben wie dort die Zeremonie vonstatten ging, es wurde ewig fotografiert (leider bei etwas diffusem Licht) und gefilmt, es gab Interviews, von wem auch immer und das alles vor dieser wahnsinnig imposanten und historischen Kulisse- hey und ich und mein Fahrrad mit der Unicef - und Deutschlandflagge dran mitten dabei. Im Konvoi ging es danach 35 km mitten durch das nicht enden wollende Kairo; der Taxifahrer der mich zum Hotel chauffierte erzählte mir, dass in Kairo 21 Millionen Menschen leben und nun kann ich das auch fast glauben. Den Verkehr fand ich nun gar nicht mal so wild, das Gehupe der Autos und die immerwährenden Sirenen der Polizeieskorte hingegen schon. Als wir dann endlich die Stadtgrenze erreichten konnten wir das erste Mal so radeln wie uns zumute war, jeder in seinem Tempo und das ist wahrlich sehr unterschiedlich. Einige Rennradler sind dabei die kaum mehr zu halten waren und auf dem guten ägyptischen Asphalt nun voll auf ihre Kosten kommen, dann sind einige einfach super fitte Radler mit guten Mountainbikes oder mit Reiserennrädern mit von der Partie und schliesslich noch die Gattung Tourenrad, zu dem ja auch mein Rad zählt und mit dem ich so ziemlich mittendrin sein dürfte was das Tempo anbelangt. 133 km waren am Tagesende auf dem Tacho abzulesen und der Tag war damit locker ausgefüllt da wir doch viel Zeit bei den Pyramiden und beim Konvoiradeln liegengelassen haben. Der zweite Tag sollte ein langer werden, standen doch immerhin 163 km auf dem Programm. Es hiess zwar, dass die gut zu bewältigen seien, da in den letzten Jahren der Wind einem dabei immer mächtig zur Hilfe kam, aber uns erwartete dagegen ein richtig giftiger Gegenwind und über ein Drittel der Radler schaffte diese dadurch quälend anstrengende Etappe nicht und liess sich vom Truck aufgabeln und vollends ins Camp bringen. Mause ko waren wir fast alle am Abend; ein Trost dass ich meine lahmen Knochen und meinen aufgeheizten Körper bei einem erfrischenden Bad im Roten Meer wieder aufmuntern konnte. Am Abend kam dann noch eine weitere Überraschung in Form eines Gewitters mit viel Regen dazu und alles war im Nu voller Sand der überall sich festsetzte, auch das war Premiere in der Geschichte dieser Tour: Regen in Ägypten der in der Wüste mehr und weniger große Seen entstehen ließ und teilweise sogar die Straßen flutete. Die Tage sind kurz da um 18:00 Uhr die Sonne futsch ist und es dann ratz-fatz dunkel wird und wenn du da dann dein Zelt noch nicht aufgebaut hast dann wird es echt eine richtige Aufgabe und ein mords Gefummel; also ich kerne dazu und schau, dass ich immer zeitig am Camp ankomme. Überhaupt gibt es viel zu lernen: der Campalltag ist straff organisiert damit auch alles möglichst reibungslos abläuft; immerhin sind wir über 50 Leute und da sind gewisse Regeln schon sinnvoll. Der dritte Tag war ein richtiger Genussradeltag; der Wind war meist gnädig; die Etappe ziemlich flach, die Distanz mit gut 143 km gut zu schaffen und der Muskelkater vom gestrigen "gegen den Wind kämpfen" hielt sich überraschenderweise auch im Rahmen. So kamen die allermeisten doch recht zeitig im Camp an und ich konnte, nachdem ich mein Zelt neben einer Polizeistation aufgebaut hatte, mich ganz in mein Buch vertiefen und dabei leckersten Instantkaffee mit Milchpulver genießen (man gönnt sich ja sonst nichts). Die Ägypter sind doch sehr besorgt um unsere Sicherheit, immer wieder werden wir von der Polizei bewacht und auch an bestimmte, sichere Stellen verwiesen, wo wir das Camp aufschlagen können. Ägypten lebt vom Tourismus, er macht wohl 35% der Einnahmen aus und somit wären negative Schlagzeilen von einer Gruppe Radfahrer aus aller Welt natürlich verheerend. Am Abend gibt es im Camp etwas Aarabischunterricht und auch Infos über Land und Leute und immerhin versteh ich von dem canadischen Slang manchmal auch ein paar Brocken......! Ungewaschen, aber mit zufriedenem Magen ging es heute schliesslich an den Badeort Safaga am Roten Meer; die Sonne lacht schon am frühen Morgen und wir alle mit, da wir wussten, es sind nur 85 km zu radeln und am Etappenziel wartet nicht nur das Camp am Sandstrand sondern auch eine Dusche, ein Liegestuhl und ein kaltes Bier und alle Annehmlichkeiten die wir verwöhnten Radler sonst so sehr schätzen. Wer möchte kann auch ins Hotel....hey aber das wäre nun doch übertrieben oder......! Nun also früher als gedacht ein paar Eindrücke von unterwegs; die ersten gut 500 km auf dem Weg durch Afrika sind zurückgelegt; die Gruppe ist nett, das Campleben will noch etwas perfektioniert werden, das Essen ist lecker und ich bin schon auch dankbar und froh an den anderen deutschen Mitradlern mit denen ich mich sehr gut verstehe.... So und nun ab in die Fluten; ich stürze mich nun in das herrliche Wasser des Roten Meeres und werde vor heute Abend nicht mehr raus kommen, schliesslich werde ich in dieses Vergnügen bis Südafrika nicht mehr kommen.....und was habt ihr so vor heute????? Wirklich sonnige Grüße aus Ägypten: "when Hardy was in Egyptland...hia hia ho...." Hartmut Mittlererweile hab ich mein Fahrrad wieder zusammengebastelt und die erste kleine Etappe zu den Sakkara Pyramiden heute früh liegt hinter mir; alles rollt prima und ich fühl mich ganz wohl so. Fast alle anderen Radler sind auch schon vor Ort und heute gab es neben dem Ausflug noch ein längeres Treffen mit dem Organisationsteam. So viele neue Gesichter, so viele neue Namen und so viele neue Eindrücke. Gestern noch gefroren am Münchner Flughafen und heute heisst es aufpassen, keinen Sonnenbrand zu bekommen; angenehme 22 Grad und ein blauer Himmel sind schon recht verlockend und doch bin ich etwas verschnupft vom Himmel gefallen. Mit dem Verstehen happert es noch beträchtlich, hoffe mal dass ich das Wesentliche mitbekomme und wenn nicht werde ich es ja schnell merken. Ich habe doch mit das robusteste Fahrrad und hebe mich mit meinen roten Ortliebtaschen und der Unicef- und Deutschlandfahne markant ab. Viele sind mit Crossrennrädern hier und haben sich für das Rennen durch Afrika angemeldet. Bin ja mal gespannt wie die Räder sich unterwegs dann alle so bewähren werden. Es wird emsig im Hotelinnenhof an den Rädern gebastelt und fachgesimpelt und begutachtet.....Fahrräder gucken macht ja auch große Freude. Ich habe nun beim Auspacken festgestellt, was ich so alles vergessen habe, war die letzten Tage doch ein bissle kopflos wohl, aber das meiste sind Dinge die ich hoffentlich verschmerzen werde; ungünstig ist dass ich meine Armbanduhr, meine geliebte Radweste und das Mikropur zum Wasserreinigen hab liegen lassen; weniger ärgerlich das liegengebliebene Liederbuch; aber wie zitierte Jörg am Sonntag noch bei diesem Thema einen bekannten Extrembergsteiger: "No have- no need"! In diesem Sinne will ich es halten. Ich brauche doch Zeit um mich mit all dem Neuen und Fremden anzufreunden und mich zurechtzufinden und zu merken wie hier was und wann funktioniert- da gehöre ich nicht zur schnellen Sorte, aber ich blicke doch ganz optimistisch und gespannt auf die nächsten Tage. Noch ein bisschen Statistik: wir sind nun sage und
schreibe 57 Radler die die ganze Route abstrampeln wollen, dazu gesellen sich
dann weitere 35 die sich für einen bestimmten Abschnitt angemeldet haben. Die
meisten Radler kommen aus Canada, USA, Australien und Südafrika; aus Deutschland
sind wir bislang zu Viert. Radler aus der Schweiz, Holland, Belgien, England
und aus Norwegen bilden die europäische Gruppe - ein richtig bunter Haufen
also. 18 Jahre ist der Jüngste und stolze 71 Jahre der älteste Teilnehmer. Ich
schätze ein Viertel sind Frauen. herzliche Grüße aus Kairo, Hartmut 08.01.2010 In 5 Tagen geht mein Flieger von München nach Kairo....noch 5 Tage bis zum Start meines Rad-Abenteuers Afrika..... in 5 Tagen bin ich auf einem mir bislang völlig unbekannten Kontinent, treffe mich dort mit über 50 mir unbekannten Menschen und mach mich mit ihnen zusammen auf den gut 11 700 km langen Weg durch Afrika! WOW - welch Schauder überkommt mich wenn ich daran denke was mich alles erwarten mag: Vom beschaulichen schwäbischen Ulm in die Millionenmetropole Kairo; vom wilden Schneegestöber ins angenehm temperierte Ägypten, dann die Pyramiden, die Wüsten, die Fähre auf dem Assuanstausee in den Sudan und das chaotisch-bunte Treiben dabei, unendliche Höhenmeter in der spektakulären Landschaft Äthiopiens, unzählige Kinder die uns lautstark und nah begleiten werden, der Mount Kilimanjaro in Tanzania, Hitze und die kleine Regenzeit; steinige Pisten und unzählige Mücken; die spektakulären Viktoria Wasserfälle und eine Safari in die Serengeti, Menschen und ein ganzer Kontinent im Fußballweltmeisterschaftsfieber, Giraffen und Elefanten und......in freier Wildbahn, zehrende und erschöpfende Tage auf dem Fahrrad, fremde Kulturen und ein Zelt das sowas wie ein Zuhause wird für die nächsten Monate sein wird, unbekannte Gerüche, Geräusche, Sprachen, Essen.........bei aller Vorfreude auch Zweifel und die bange Frage werde ich dem allem gewachsen sein? Nun - ich werde sehen.....und will einfach Tag für Tag; Land für Land, Erlebnis für Erlebnis auf mich zukommen lassen und offen sein für all das Unbekannte und Neue das mich erwartet.....und versuchen Euch daran teilhaben zu lassen in dem ich sogut und oft es eben geht von unterwegs berichte mit meinen e-mail Reiseerzählungen hier auf der Homepage. Danken möchte ich an dieser Stelle für all die vielfältige Hilfe und Unterstützung die ich in den letzten Wochen erfahren habe und die diese Reise so nur möglich gemacht haben. Es tut mir auch gut zu wissen dass viele gute Menschen mich mit ihren Gedanken und Gebeten begleiten werden auf dem langen Weg durch Afrika. Danke dafür ebenso wie für all die Spenden aufs UNICEF Konto für das Projekt"Schulen für Afrika". Noch feile ich an der Ausrüstung; noch stellt sich die Frage "was nehme ich denn nun alles nicht mit" und noch kann ich da und dort noch herumtüfteln. Bin geimpft gegen Hepatitis A und B, Tollwut und Diphterie, gegen Tetanus , Polio, Typhus und schliesslich gegen Mittlererweile hab ich mein Fahrrad wieder zusammengebastelt und die erste kleine Etappe zu den Sakkara Pyramiden heute früh liegt hinter mir; alles rollt prima und ich fühl mich ganz wohl so. Fast alle anderen Radler sind auch schon vor Ort und heute gab es neben dem Ausflug noch ein längeres Treffen mit dem Organisationsteam. So viele neue Gesichter, so viele neue Namen und so viele neue Eindrücke. Gestern noch gefroren am Münchner Flughafen und heute heisst es aufpassen, keinen Sonnenbrand zu bekommen; angenehme 22 Grad und ein blauer Himmel sind schon recht verlockend und doch bin ich etwas verschnupft vom Himmel gefallen. Mit dem Verstehen happert es noch beträchtlich, hoffe mal dass ich das Wesentliche mitbekomme und wenn nicht werde ich es ja schnell merken. Ich habe doch mit das robusteste Fahrrad und hebe mich mit meinen roten Ortliebtaschen und der Unicef- und Deutschlandfahne markant ab. Viele sind mit Crossrennrädern hier und haben sich für das Rennen durch Afrika angemeldet. Bin ja mal gespannt wie die Räder sich unterwegs dann alle so bewähren werden. Es wird emsig im Hotelinnenhof an den Rädern gebastelt und fachgesimpelt und begutachtet.....Fahrräder gucken macht ja auch große Freude. Ich habe nun beim Auspacken festgestellt, was ich so alles vergessen habe, war die letzten Tage doch ein bissle kopflos wohl, aber das meiste sind Dinge die ich hoffentlich verschmerzen werde; ungünstig ist dass ich meine Armbanduhr, meine geliebte Radweste und das Mikropur zum Wasserreinigen hab liegen lassen; weniger ärgerlich das liegengebliebene Liederbuch; aber wie zitierte Jörg am Sonntag noch bei diesem Thema einen bekannten Extrembergsteiger: "No have- no need"! In diesem Sinne will ich es halten. Ich brauche doch Zeit um mich mit all dem Neuen und Fremden anzufreunden und mich zurechtzufinden und zu merken wie hier was und wann funktioniert- da gehöre ich nicht zur schnellen Sorte, aber ich blicke doch ganz optimistisch und gespannt auf die nächsten Tage. Noch ein bisschen Statistik: wir sind nun sage und
schreibe 57 Radler die die ganze Route abstrampeln wollen, dazu gesellen sich
dann weitere 35 die sich für einen bestimmten Abschnitt angemeldet haben. Die
meisten Radler kommen aus Canada, USA, Australien und Südafrika; aus Deutschland
sind wir bislang zu Viert. Radler aus der Schweiz, Holland, Belgien, England
und aus Norwegen bilden die europäische Gruppe - ein richtig bunter Haufen
also. 18 Jahre ist der Jüngste und stolze 71 Jahre der älteste Teilnehmer. Ich
schätze ein Viertel sind Frauen. herzliche Grüße aus Kairo, Hartmut Gelbfieber. Malariaprophylaxe werde ich mit Doxycicllin machen und einfach hoffen dass mich die Nebenwirkung Sonnenempfindlichkeit nicht trifft. Mein Fahrrad ist frisch geputzt und bekommt nochmal am Dienstag eine Generalüberholung bevor es in den Karton gepackt wird für den Flug. Zwei Ersatzmäntel und jede Menge Schläuche hat mir Schwalbe zur Verfügung gestellt; ein neues Zelt habe ich mir auf den letzten Drücker auch noch bestellt und hoffe dass es bis Dienstag auch bei mir ankommt, genauso wie das Sudan Visa mit dem es Probleme gibt und das mit meinem Reisepass auf den nötigen Stempel wartet und meine innere Unruhe doch erheblich nach oben treibt.....bitte drückt alle mal übers Wochenende mit die Daumen damit das mit dem Visa noch rechtzeitig hinhaut. Es werden vollends 5 hibbelige Tage werden bis es vollends losgeht; Tage voller Abschiede von Freunden, Kollegen, Familie, meiner Männer WG,...... Am 16.Januar fällt dann an den Pyramiden in Kairo der Startschuss zur Tour d`Afrique und für ein ganz außergewöhnliches Radelabenteuer! Beim Segnungsgottesdienst am Neujahrstag in Bermaringen bekam ich meinen Reisesegen mit auf den Weg. Mein Segnungsspruch den ich zuvor für mich gezogen habe lautet: "wer auf den Herrn hofft, den wird die Güte umfangen". In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine behütete und glückliche Zeit. Hartmut Ein Wanderer:
"Wie wird das Wetter heute?" Der Schäfer: "So, wie ich es gerne habe" "Woher wisst ihr, dass das Wetter so sein wird, wie ihr es liebt?" "Ich habe die Erfahrung gemacht, mein Freund, dass ich nicht immer das bekommen kann, was ich gerne möchte. Also habe ich gelernt, immer das zu mögen, was ich bekomme. Deshalb bin ich ganz sicher: das Wetter wird heute so sein, wie ich es mag." Was immer geschieht, an uns liegt es, Glück oder Unglück darin zu sehen. Anthony de Mello |
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